Seine Immobilie thermisch sanieren kann jeder. Ich gehe noch einen entscheidenden Schritt weiter und mache alles dicht. Ein Selbstversuch von Rainer Sigl.
Das Leben in interessanten Zeiten ist eine mühselige Strapaz. Die Existenz als Ganzes ist anstrengend, und mal ehrlich, wenn die Alternativen nicht so völlig unattraktiv wären, müsste man sich das nochmal überlegen. Überall Energieverlust, morsches Ächzen im Gemäuer des Daseins und wenn man genau schaut, ist da auch irgendwo schon ein leicht bläuliches Schimmeln im Gemüt – das kann’s doch wohl nicht sein!
Da hilft nur mehr eins: dicht machen! Die alte Substanz grundlegend trockenlegen, schauen, wo noch was zu retten ist, großzügig Schutt raustragen und mit Thermoputz und Vollwärmeschutz dafür sorgen, dass unser ohnedies kurzes Dasein auf diesem Planeten von möglichst wenig Energieverlust und maximaler Heizeffizienz geprägt ist! Also, metaphorisch gesprochen, natürlich.
Hauptsache dicht
Aber auch ganz konkret, eh klar: Mein Daheim ist fertig saniert, nach allen Regeln der Kunst! Dann bin ich allerdings noch weiter gegangen. Ich hab auch noch die schlimmsten emotionalen Kältebrücken aus meinem Leben verbannt. Dem seelenzerstörenden eiskalten Schlechtluftzug, der durch den Anblick von Politikergesichtern jeder Couleur in meine Seele pfeift, habe ich durch großzügiges Schamottieren aller Bildschirme im Haus Einhalt geboten.
Und was soll ich sagen: Seit meine Magenschleimhaut vom Anblick der diversen Politikschausteller dieses Landes verschont bleibt, wird mir regelmäßig, und das nicht nur beim Verfeuern der ungelesenen Zeitung im Kamin, ganz warm ums Herz.
Zum einen ist es das Ausbleiben von Frösteln machenden Hiobsbotschaften aus Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur, aber das Wichtigste beim Sanieren ist zum anderen – genau wie in der Pandemie gelernt! – die Isolation. Und wenn das bedeutet, dass ich mit der Welt da draußen weniger Austausch habe – dann sei es eben so! Gut, der NATO-Draht rund ums Grundstück mag einen Hauch abschreckend wirken, wegen der Selbstschussanlage haben wir in der Siedlung seit der Sache mit dem Nachbarshund einen schlechten Leumund und die Irmi sagt, hin und wieder vermisst sie es schon, auch wieder mal mit anderen Leuten als nur dem Mann von Amazon und dem von Lieferando zu reden, aber naja: Nur wenn’s dicht ist, bleibt die Energie drin.
Rausgehen ist überbewertet! Mal ehrlich: Mit dem Planeten geht’s sowieso abwärts, da zahlt es sich eh nimmer so richtig aus, das Haus zu verlassen. Eine Sanierung hingegen: Die bringt’s, und zwar auf Jahre! Ich geh jetzt wieder in den Hobbykeller. Und dort – psst! – rauch ich dann ein Stückerl von der selbst gezogenen Hanfdämmplattenschicht, die ich in Halbmeterstärke im ganzen Haus ausgebracht habe.
Ein doppelter Vollwärmeschutz aus Energiesparen und himmlischem Nichtwissenmüssen. Top saniert. Thermisch zukunftsfit. Und ich sag’s ja immer: Hauptsache dicht.
(Titelbild: iStock)