Mittwoch, Juli 17, 2024

\"Alarmanlagen,Dämmerungseinbrecher, Scheinasylanten, Rumänenbanden – zumindest in seinen eigenen vier Wänden sollte man alles für die Sicherheit tun.

Eine Anklage von Rainer Sigl.

Dass ich so geschwollen bin, hab ich nur dieser Ausländerkriminalität zu verdanken. Weil neulich, als die Irmi mir wieder aus der Zeitung vorgelesen hat, dass diese Dämmerungseinbrüche jetzt so zunehmen, da hat sie sich furchtbar aufgeregt. Da kriegt sie halt Angst, ist ja logisch, weil seit wir das Haus da direkt am Waldrand haben, ganz ohne Nachbarn … Ich mein, ich hätt ja nicht unbedingt aufs Land ziehen müssen, und schon gar nicht Häusl bauen, und schon gar nicht soooo im Grünen, aber bitte, die Irmi, wenn sich die was in den Kopf gesetzt hat … Das war ja ein Riesenaufwand, überhaupt die Umwidmung zu bekommen so mitten in der Pampa, direkt am Wald, bei dem Bacherl, bis dann der Bürgermeister da das Wasserschutzgebiet verkleinert hat! Das Trara mit dem Gemeinderat und diesen birkenstockschlapferltragenden Umweltfreaks, aber ich sag’s Ihnen, am Schluss setzt sich halt doch auch in so einer Dorfgemeinde die Vernunft durch, weil so eine Firma wie meine ist mir nix, dir nix nach Bratislava übersiedelt, und das hat der Bürgermeister dann auch eingesehen, und wegen der paar Frösche und Lurche, also bitte.

Jedenfalls war die Irmi halt ganz nervös wegen dem finstern Wald, und wegen der Rumänenbanden, und wegen der Zeitung und so. Und da hab ich gesagt, Irmi, wenn ich mal ein paar Tage wegfahr, damit du dich nicht fürchten musst, bau ich dir einen Panikraum. Ich mein, wir haben eh die Alarmanlage, und den Sicherheitsdienst, und die Videokameras, und die Bewegungsmelder, aber man weiß ja nie, wenn so eine dämmerungseinbrechende Rumänenbande auftaucht und ich bin nicht da, dann verschwindest schnell in den Panikraum, haust auf den Knopf und zack! Tür zu, Irmi sicher. Ich ruf also gleich den Mirko an, dass er mir da hilft, beim Einbau von dem Panikraum, und wirklich: ein Prachtstück. Das müssen Sie sich vorstellen wie so einen begehbaren Einbaukasten aus Nirosta, nicht, direkt hinter dem Schlafzimmer, mit so einem automatischen Schließsystem, Hightech, sicher wie ein Schweizer Schließfach! Wie bitte? Nein, es tut eh nimmer so arg weh. Nur wenn ich lache.

Jedenfalls, wie ich dann letzten Monat auf diese Geschäftsreise fahre, da hab ich dann wohl einfach drauf vergessen, dass ich ihr das vom Mirko noch sage. Ich mein, das kann ja mal jedem passieren, oder? Am Montagabend, so gegen sechs, sitzt die Irmi allein im Wohnzimmer, es dämmert draußen, nicht, und liest die Zeitung. Und da hört sie plötzlich ein Geräusch. Sie sofort auf, nervös: Dämmerung! Die Zeitung voll mit Rumänenbanden! Die Irmi schleicht zur Gegensprechanlage und zum Monitor – und da steht dann so ein zwielichtiger Typ, sein Gesicht hat sie nicht erkannt, aber slawische Frisur – ja bitte, fragen S’ mich nicht, so hat sie’s dann geschildert: slawische Frisur – und mit einer riesigen Tasche voller Einbruchswerkzeug. Die Irmi, Panik, hechtet ins Schlafzimmer, springt in den Nirosta-Panikraum, haut die Tür zu, das Schloss schnappt ein, mit angehaltenem Atem sitzt sie da, zittert, panisch, jawohl, gut, dass wir den Panikraum haben! Wie es dann an der Tür geläutet hat, war sie schon ein bisschen irritiert, aber wer weiß, vielleicht perfide Taktik der rumänischen Dämmerungseinbrecherbande. Eine Stunde vergeht, zwei Stunden, und wie die Irmi dann beruhigt war und wieder raus will aus dem Kastl …

Kurz gesagt, der Mirko war halt noch nicht ganz fertig mit dem Einbau. Also nicht ganz 100 %. Und erst wie er mich am Mittwoch anruft, dass er schon zweimal am Abend bei mir im Haus war, damit er die Konsole im Panikraum einbauen kann zum Türöffnen von innen, und es macht keiner auf … Und wie ich dann wieder da war und zu ihr gesagt hab, Irmi, mein Gott, vier Tage, furchtbar, steht dir aber gut, die paar Kilo weniger, da hat sie mir dann halt eben den Vorderzahn ausgeschlagen. Und alles nur wegen dieser Ausländerkriminalität. Schon arg, was für Gewaltpotenzial in so einer Frau steckt – also, darüber liest man nie was in der Zeitung.

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