Der Anteil weiblicher Vorstände in den 55 im Wiener Börse Index gelisteten Unternehmen steigt langsam, bleibt aber weiterhin jenseits eines akzeptablen Niveaus. Von den 192 Vorstandsmitgliedern sind nur 24 Frauen. Zu diesem Ergebnis kommt das Mixed Leadership Barometer der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, das halbjährlich die Strukturen von Vorständen und Aufsichtsräten der im Wiener Börse Index gelisteten österreichischen Unternehmen analysiert.
Mit 12,5 % markiert der Frauenanteil seit Jahresbeginn einen sehr bescheidenen Höchststand. Zwar zeigt der Langzeitvergleich einen deutlichen Aufwärtstrend in der weiblichen Vorstandbesetzung – seit 2015 hat sich der Frauenanteil mehr als verdreifacht (von sieben auf 24 Personen). Dennoch hat dieser Fortschritt stark an Dynamik verloren.
Der Vorstand ist und bleibt eine Männerdomäne: 32 von 55 Unternehmen haben derzeit einen rein männlich besetzten Vorstand. Nur ein Unternehmen – die Oberbank AG – hat mehr als eine Frau im Vorstandsgremium. Zudem gibt es nach wie vor nur eine einzige Frau an der Spitze eines WBI-Unternehmens: Radka
Doehring hat in der Immofinanz AG die Position einer Co-CEO inne. »Die Unternehmen verpassen die Chance, von unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen zu profitieren«, kritisiert Helen Pelzmann, Partnerin bei EY Österreich. »Vielfalt in Führungsgremien führt nachweislich zu besseren Entscheidungen und nachhaltigem Erfolg.«
In den Aufsichtsräten liegt der Frauenanteil mit 31,6 % aufgrund der gesetzlichen Quote höher. Die zuletzt rückläufige Entwicklung deutet aber darauf hin, dass sich der Frauenanteil auf dem gesetzlich verankerten Niveau von 30 % einpendelt – die Arbeiterkammer spricht von einer »neuen, gläsernen Decke auf dem Level der angesetzten Geschlechterquote«. Sieben Unternehmen haben keine einzige Frau im Aufsichtsrat. In 48 der 55 Unternehmen hält zumindest eine Frau ein Mandat. Die ab 2026 EU-weit geltende Geschlechterquote könnte ein neuer Impuls sein: Mindestens 40 % der Aufsichtsratsposten oder 33 % der Vorstands- und Aufsichtsratsposten sollen dann an Frauen gehen.