Der Aufsichtsrat der Erste Group kürte den derzeitigen Firmenkundenvorstand Willibald Cernko zum neuen Vorstandsvorsitzenden. Der 65-Jährige folgt ab 1. Juli Bernhard Spalt, der erst Anfang 2020 den langjährigen Erste-CEO Andreas Treichl abgelöst hatte.
So wird nun neuerlich eine neue Ära eingeläutet. Mit Willibald Cernko übernimmt ein Manager in den Chefsessel, wie es sie in der Bankenszene kaum noch gibt. In eine Arbeiterfamilie in Judenburg geboren, wuchs Cernko in einfachen Verhältnissen mit vier Geschwistern auf. Sein Vater verunglückte, als der Bub elf Jahre war. Willibald Cernko absolvierte die HAK-Matura und arbeitete zunächst bei der Raiffeisenkasse Obdach-Weißkirchen. Ein Studium an der Exportakademie brach er ab.
1985 zog er nach Wien und ging zur Creditanstalt, später Teil der Bank Austria. Dort verbrachte er fast sein gesamtes Berufsleben und bekleidete unterschiedliche Funktionen. Ab 2009 war Vorstandschef der UniCredit Bank Austria und betreute auch das Osteuropa-Geschäft. Als ihn die italienischen Eigentümer 2016 überraschend ablösten, wechselte Cernko als Risikovorstand zum Rivalen Erste Group. Zuletzt fungierte er als Firmenkundenvorstand und Vizechef der Erste Bank Österreich.
Sein Vorgänger Bernhard Spalt war 30 Jahre in der Erste Group tätig – sein Aufstieg zum Vorstandschef verlief dennoch nicht nach Plan. „Unterschiedliche Auffassungen über die zukünftige langfristige Gesamtausrichtung der Gruppe“ ließen ihn frühzeitig das Handtuch werfen. Hinter den Kulissen rumort es schon länger – zu den Differenzen mit dem Aufsichtsrat kommt noch, dass Langzeitchef Treichl über die Erste-Stiftung noch immer als starker Mann im Hintergrund agiert.
Cernko wird die Bank bis Ende 2024 leiten. Für seine Nachfolge wird eine Kandidatin oder ein Kandidat im Rahmen einer internationalen Ausschreibung gesucht. Den internen Statuten entsprechend dürfen nur Personen bis 65 Jahre in den Vorstand einziehen. Für Cernko geht sich der Wechsel gerade noch aus – er wird in der ersten Juliwoche 66.
(Titelbild: Erste Group)