Sonntag, Februar 23, 2025

Sag mir was du bauen willst - und ich sage dir deinen ökologischen Wert: Ein neues Programm aus dem Hause der Werkbank IT und der EPEA soll bald die erste vollautomatisierte Immobilien-Ökobilanzierung ermöglichen. Damit können Planer*innen in Sekundenschnelle herausfinden, wie sich beispielsweise verschiedene Baustoffe auf die Bilanz des Gebäudes auswirken. 

Erstmals lassen sich Immobilien-Ökobilanzen durch automatisierte Datenverarbeitung berechnen. Die Werkbank IT entwickelt zusammen mit EPEA den ersten BIM-basierten „Building Circularity Passport“ (BCP). Er gibt Planer*innen, Bauherren und Investor*innen unmittelbar Auskunft über den CO2-Fußabdruck, die Recyclingfähigkeit oder den verbauten Rohstoffrestwert des Gebäudes. Bisher waren dafür aufwändige Berechnungen nötig. Doch nun stellt die EPEA Daten und Algorithmen für den digitalen Abgleich in den CAD-Programmen bereit.

Lebenszyklus einer Immobilie von Anfang an verstehen

Der Schlüssel für eine digitale und grüne Zukunft liegt in der Kombination von Technik, Daten und Nachhaltigkeitskriterien. Die EPEA (Environmental Protection Encouragement Agency) bewertet Produkte nach dem Cradle to Cradle-Prinzip und nach der Life Cycle Assessment-Methode (LCA). Seit Jahren sammelt das Umweltinstitut außerdem Wissen über die Kreislauffähigkeit von Baustoffen und -produkten und deren ökologischen Fußabdruck.

Die Werkbank IT stellt mit ihrer BIM-Infrastruktur nun die Technologie, durch die sich diese Produktinformationen in einen digitalen Zwilling übertragen und auswerten lassen. Durch diese Kombination können Architekt*innen und Fachplaner*innen sich nun per Mausklick in CAD einen Building Circularity Passport ihres Digital Twins ausweisen lassen und die Produktstruktur anpassen, um das Ergebnis zu verbessern. 

Die CO2-Emissionen aus der Betriebsphase machen bei heutigen Neubauten Schätzungen zufolge nur noch weniger als 60 Prozent der gesamten Ökobilanz eines Gebäudes aus. „Herstellung, Errichtung, Entsorgung beziehungsweise Recycling sind bisher im Energieausweis unberücksichtigt. Diesen verengten Blick wollen wir aufbrechen, indem wir den gesamten Lebenszyklus der verwendeten Materialien in den Planungsprozess aufnehmen”, erklärt Peter Mösle, Geschäftsführer bei EPEA.

Bilanzwerte durch digitale Planung verbessern

Geringe CO2-Emissionen und kreislauffähige Materialverwendungen sind inzwischen wesentliche Faktoren für die Sicherheit von Investments – vor allem, weil der europäische Green Deal dies an vielen Stellen einfordert. Um Transparenz in Bezug auf den kompletten Lebenszyklus zu ermöglichen, sind valide Daten und einfache Tools essentiell.



„Je früher aufbereitete Umweltdaten in der Planung verfügbar sind, desto besser. Denn: In frühen Leistungsphasen können Architekten und Fachplaner noch Variantenvergleiche zur Bauweise und zum Materialeinsatz durchführen –dies muss für den Anwender jedoch sehr einfach sein. Außerdem ist entscheidend, dass sowohl generische Daten als auch produktspezifische Daten der Hersteller zu jeder Zeit verfügbar sind”, so Mösle. 

„Bisher war noch keine Kalkulation in CAD-Planungsprogrammen möglich und der Berechnungsprozess hat viel Zeit in Anspruch genommen, da er nicht automatisiert war”, sagt Matthias Uhl, Geschäftsführer des BIM-Unternehmens Die Werkbank IT. Im Zuge der Kooperation mit EPEA werden die ökologisch relevanten Daten zusammen mit Produktinformationen der Datenbank in der digitalen Planungsumgebung zugänglich gemacht. 

Öko-Ausweis für die Immobilie

Der Building Circularity Passport soll als Planungs- und Dokumentationsinstrument dienen, um gemeinsam mit Planer*innen, ausführenden Firmen und Herstellern die Kreislauffähigkeit von Immobilien und damit den Ressourceneinsatz zu bewerten. Bei abgeschlossenen Bauprojekten liefert der Building Circularity Passport zusätzlich detaillierte Informationen darüber, welche verwendeten Materialien sich einfach trennen lassen und welche chemische Zusammensetzung die verbauten Produkte besitzen. Auch die finanziellen Kosten der verbauten Konstruktionen in den Gebäuden lassen sich damit ermitteln. „Diese Informationen liefern einen enormen Mehrwert für die Finanzierung unter Risikogesichtspunkten, die Wertermittlung und den anstehenden Betrieb der Gebäude”, erläutert Uhl.

(Bilder: iStock)

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