Dienstag, Mai 11, 2021
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»Bald verfügen wir über das modernste Produktionswerk der gesamten Sto-Gruppe«

Im Interview spricht Sto-Geschäftsführer Walter Wiedenbauer über die neue Konzernstrategie, die Stärkung des Standortes Österreich innerhalb der Gruppe und eine vertiefte Wertschöpfung. Außerdem erklärt er, warum er in der gesamten Organisation das Qualitätsmanagement-System EFQM einführt und was er sich davon erhofft.

Report: Wie ist 2020 für Sto gelaufen? Wie kommt Sto durch die Coronakrise?

Walter Wiedenbauer: Wir sind sehr gut aufgestellt und haben die Einschränkungen durch Corona gut organisiert. Aktuell haben wir einen nahezu ungestörten Geschäftsverlauf. Den durch den Lockdown bedingten Rückgang beim Volumen in den Monaten März bis Mai konnten wir zwar nicht ganz aufholen, nachdem aber auch die Kosten weniger geworden sind, ist 2020 in Summe zu einem hervorragenden Jahr geworden.

Report: Bei unserem letzten Gespräch im April 2020 haben Sie von einem konzernweiten Strategieprojekt erzählt, das damals am Laufen war und bei dem alle Prozesse, von der Produktion über den Vertrieb bis zum Marketing, evaluiert werden sollten. Auch sämtliche Produkte sollten evaluiert werden. Was ist dabei herausgekommen?

Wiedenbauer: Das ist richtig. Wir haben uns intensiv mit der Unternehmensstrategie auseinandergesetzt und sind auch zu einem vorläufigen Abschluss gekommen. Die Ergebnisse wurden im Jänner bei einem Geschäftsführer-Meeting vorgestellt und werden jetzt in den einzelnen Ländern und Regionen implementiert.

Report: Was bedeutet das für Österreich?

Wiedenbauer: Für die Region Österreich, Italien, Schweiz und Balkan wurde ein neuer Businessplan erstellt. Aktuell sind wir mittendrin, die neue Strategie umzusetzen – von der Vision über die Kernelemente bis zu Einzelmaßnahmen.

Report: Was steckt inhaltlich in der neuen Strategie?

Wiedenbauer: Das übergeordnete Ziel ist, den Umsatz von aktuell 1,4 Milliarden Euro bis 2025 auf über zwei Milliarden Euro zu steigern. Dabei werden aber die Regionen unterschiedlich betrachtet und mit unterschiedlichen Strategien versehen. In unserer Region wird sich nur wenig ändern, weil wir schon jetzt auf einem guten Wachstumskurs sind. Es wird anders als in anderen Regionen weder Akquisitionen geben, noch werden wir uns von einzelnen Unternehmensteilen trennen.

Unser größter Beitrag zur neuen Konzernstrategie steht bereits unmittelbar vor der Fertigstellung. Das ist die neue Produktionsanlage für Trockenmörtel in Villach, in die wir rund zehn Millionen Euro investiert haben. Wir hoffen, dass wir im April oder spätestens Mai mit der Produktion starten können. Diese Anlage war quasi ein Vorgriff auf die neue Strategie. Denn in Zukunft wird die ganze Region von Villach aus beliefert.

Report: Sie meinten damals auch: »Durch Corona ergeben sich auch neue Fragestellungen. Wir beobachten ganz genau, wie sich das Einkaufsverhalten verändert und wie sich Lieferketten entwickeln.« Wie hat sich das Einkaufsverhalten nun tatsächlich verändert, wie die Lieferketten entwickelt? Wird eine Vertiefung der Wertschöpfungskette angedacht?

Wiedenbauer: Die Zusammenarbeit mit unseren Partnern und Lieferanten läuft auch in der Coronakrise hervorragend. Wir sehen also keine unmittelbare Notwendigkeit, hier Änderungen vorzunehmen. Aber natürlich wird die neue Produktionsanlage Auswirkungen auf die Lieferketten haben. Wir werden in Zukunft nicht mehr abhängig sein von Transporten aus Deutschland, bei denen es in den letzten Monaten auch immer wieder zu Verknappungen gekommen ist. Die lokale Absicherung ist damit deutlich höher als in der Vergangenheit.

Report: Das klingt nach einer deutlichen Aufwertung des Standorts Österreich?

Wiedenbauer: Auf jeden Fall. Wir verfügen mit der neuen Anlage über das modernste Produktionswerk der Gruppe und sind jetzt ein Vollproduzent. Wir produzieren nicht mehr nur pastöse Ware, die im Eimer geliefert wird, sondern auch die Trockenprodukte, die Sackware. Damit steigt die Wertschöpfung in Österreich von 50 Prozent auf 80 bis 90 Prozent.
Im Zuge der neuen Strategie wird auch nicht mehr nur für den lokalen Markt produziert, sondern es entsteht ein internationaler Produktionsverbund, in den auch das Werk in Villach eingebunden ist. Bei Bedarf werden wir in Zukunft auch für andere Länder mitproduzieren.

Report: Die Coronakrise hat bei vielen Unternehmen zu einem Digitalisierungsschub geführt. Trifft das auch auf Sto zu?

Wiedenbauer: Vieles von dem, was ohnehin geplant war, wurde durch die Coronakrise schneller umgesetzt. Am Beginn der Krise ging es vor allem darum, unsere Mitarbeiter mit den nötigen Lizenzen auszustatten, damit sie von zu Hause aus arbeiten können. Auch der Arbeitsalltag hat sich verändert. Es gibt im Konzern fast nur noch Videokonferenzen. Außerdem werden wir noch in diesem Jahr einen Webshop starten, wo wir 24/7 zur Verfügung stehen. Da muss natürlich der gesamte Logistikprozess umgestellt werden, damit der Kunde in Echtzeit weiß, welche Produkte wann zur Verfügung stehen.

Report: Beim Staatspreis Unternehmensqualität wurde Sto als bester Newcomer ausgezeichnet. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?

Wiedenbauer: Diese Auszeichnung bedeutet uns sehr viel. Wir haben uns dem gesamten Prozedere unterzogen. Das ist sehr aufwendig. Schon die Bewerbungsunterlagen haben knapp 100 Seiten und die Angaben werden von betriebsfremden Assessoren vor Ort geprüft. Da wird ein Assessment mit der gesamten Belegschaft durchgeführt, nicht nur mit der Führungsmannschaft, um herauszufinden, wie durchgängig die Prozesse tatsächlich sind. Das Ergebnis war einerseits ein gutes Zeugnis für uns, aber auch Ansporn, noch besser zu werden. Wir werden deshalb die gesamte Organisation in unserer Region auf EFQM umstellen. Es wird eine große Herausforderung, die neue Konzernstrategie mit dem EFQM-Modell zu verschmelzen.

Report: Was erhoffen Sie sich von der Einführung des EFQM-Modells?

Wiedenbauer: Wir haben herausgefunden, dass wir hervorragende Kennzahlen im Finanzbereich haben. Was wir aber deutlich verstärken werden, ist die Interaktion mit den Kunden und den Zielgruppen der Kunden. Wir werden regelmäßige Befragungen durchführen, um auch hier zu jedem Zeitpunkt die Bedürfnisse der Kunden zu kennen und zu wissen, wie die aktuelle Interaktion ist.

Report: Welche Erwartungen haben Sie an 2021?

Wiedenbauer: Wenn das Jahr so weiterläuft, wie es begonnen hat, sind wir zufrieden. Ich gehe davon aus, dass wir uns 2021 auf dem Vorjahresniveau bewegen werden, wenn es zu keinen weiteren, einschneidenden Maßnahmen kommt. Wir werden nicht die ganz großen Sprünge machen, aber aus jetziger Sicht einen zufriedenstellenden Geschäftsverlauf haben.

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