Donnerstag, Oktober 22, 2026

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Irgendwann entsteht der Wunsch nach einer klaren Trennung zwischen privater und geschäftlicher Kommunikation. Im Gespräch mit dem Telekommunikationsexperten Andreas Keri über Trends bei Technologielösungen in der Sprachtelefonie.

"Telefonie ist kein Thema, das automatisch Budget bekommt"
Andreas Keri ist Experte für Telekommunikationstechnik - zuletzt bei dem niederländischen Unternehmen Voys.


Report:
Das Geschäft mit Telefonanlagen ist etabliert. Wo steht dieser Markt heute?

Andreas Keri: Jeder hat ein Telefon, jedes Unternehmen ist erreichbar, die Grundfunktion wirkt selbstverständlich. Anders als bei KI oder Cybersecurity gibt es keinen Hype-Faktor, der automatisch Aufmerksamkeit erzeugt. Deshalb entscheidet heute weniger die Technologie an sich, sondern wie einfach, wie flexibel und wie integrierbar sie ist. Business-Telefonie muss sich an denselben Maßstäben messen lassen wie Konsumenten-Apps. Wenn Menschen privat intuitive Services gewohnt sind, akzeptieren sie im beruflichen Umfeld keine komplizierten Installationen oder langen Einführungsprojekte mehr.

Report: Was hat sich in den vergangenen 20 Jahren technisch und strukturell verändert?

Keri: Die klassische Telefonanlage als physische Box im Serverraum hat weitgehend ausgedient. Heute sprechen wir von Softwarelösungen, die als App auf dem Smartphone, als Webphone im Browser oder integriert in Collaboration- und CRM-Systeme laufen. IP- und Cloud-Telefonie sind etabliert. Der eigentliche Fortschritt liegt aber in der Benutzerfreundlichkeit und in der Geschwindigkeit der Bereitstellung. Eine Lösung muss im Idealfall innerhalb kurzer Zeit aktivierbar sein, ohne komplexe Projektstrukturen. Gleichzeitig erwarten Unternehmen Integrationen in bestehende Systeme wie CRM, Collaboration-Tools oder Messaging-Dienste. Telefonie ist kein isolierter Kanal mehr, sondern Teil einer digitalen Gesamtarchitektur.

Report: Welche Zielgruppen treiben diesen Markt derzeit besonders?

Keri: Ein wesentlicher Treiber sind Neugründungen und junge Unternehmen. Viele starten ausschließlich mit dem Mobiltelefon. Irgendwann entsteht jedoch der Wunsch nach einer klaren Trennung zwischen privater und geschäftlicher Kommunikation. Eine eigene geschäftliche Nummer, definierte Erreichbarkeiten, Weiterleitungen oder die Möglichkeit, mit Freelancern oder Mitarbeitenden zu arbeiten, werden relevant. Die Telefonanlage wandert in die Hosentasche und wird zur skalierbaren App. Sie beginnt bei einem einzelnen Nutzer und wächst mit dem Unternehmen mit. Hier spielt oft auch ein professionelle Außenauftritt eine Rolle. Eine regionale Rufnummer kann Vertrauen schaffen und signalisiert Seriosität. Auch Themen wie „Know Your Customer“, Missbrauchsprävention und Betrugsvermeidung sind integraler Bestandteil des Geschäftsmodells.

Report: Verliert die klassische Sprachtelefonie im Business nicht trotzdem an Bedeutung, wenn Messaging-Apps dominieren?

Keri: Bestimmte Anwendungsfälle sind tatsächlich in Apps gewandert, etwa Reservierungen oder Bestellungen. Dennoch bleibt Sprache ein sehr effizientes Kommunikationsmittel. Kommunikation ergänzt sich. So wie Radio neben Fernsehen existiert, wird auch Sprache neben Messaging bestehen bleiben. Gerade im geschäftlichen Kontext ist das direkte Gespräch oft der schnellste Weg zur Klärung komplexer Sachverhalte.

Report: Welche Rolle spielt KI in diesem Zusammenhang?

Keri: Mit Transkriptionslösungen und Sprachmodellen wird Sprache noch wertvoller. Telefongespräche können automatisch verschriftlicht, analysiert und in andere Systeme überführt werden. Das ist für Berufsgruppen wie Ärztinnen, Rechtsanwälte oder Beratende spannend, die Inhalte dokumentieren müssen. Sprache wird zur Schnittstelle in digitale Prozesse. Wenn Large Language Models immer besser verstehen, was gesagt wird, können sie Informationen strukturieren und in Geschäftsprozesse einbinden.

Report: Wo liegen die größten Hürden für Anbieter in diesem Markt?

Keri: Zum einen in der Differenzierung: Weil jeder telefonieren kann, muss man sich über Integrationsfähigkeit und Servicequalität abheben. Zum anderen in der Aufmerksamkeit: Telefonie ist kein Trendthema, das automatisch Budget bekommt. Wachstum entsteht oft anlassbezogen, etwa bei einer Gründung oder bei der Einführung neuer Software. Anbieter müssen diese Momente erkennen und einen klaren Mehrwert adressieren.


Foto: Nidetzky

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