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Datenkapital mit Seeblick: die erste Summer Edition der Bau Invest Lounge
Wien, Prater, der letzte Business-Donnerstag vor der Sommerpause. Im Loft by the Lake, mit Blick über das Wasser, lud Digital Findet Stadt am 2. Juli zur ersten Summer Edition der Bau Invest Lounge. Drei Impulse, eine Moderatorin – Barbara Ohnewas (Digital Findet Stadt) – und eine Frage, die den Abend zusammenhielt: Wie wird aus Gebäudedaten tatsächlich Kapital? Mit an Bord die Partner Siemens und AIT Austrian Institute of Technology.
Es ist ein Format, das bewusst klein bleibt. Keine Bühne mit Scheinwerferbatterie, kein Programm im Halbstundentakt. Stattdessen eine Sesselrunde, eine Seeterrasse und ein überschaubarer Kreis aus Investorinnen und Investoren, Eigentümerinnen und Eigentümern, Bauherrinnen und Bauherren. Dazu drei Vortragende, die je einen Aspekt desselben Themas aufmachten – und am Ende erstaunlich nah beieinanderlagen.
Weniger ist mehr
Den Auftakt setzte Matej Banozic (AIT) unter dem Titel „Less is More“. Sein Punkt: nicht möglichst viele Daten, sondern die richtigen – dort, wo Entscheidungen fallen. Die Zukunft des Bauens, so der Tenor des Impulses, entscheide sich an den Schnittstellen: zwischen Planung und Betrieb, zwischen den Gewerken, zwischen Systemen, die bislang nebeneinander herlaufen, ohne miteinander zu reden. Qualität schlägt Menge – ein Satz, der an diesem Abend noch mehrfach anklingen sollte.
Raus aus dem Blindflug
Den griffigsten Satz lieferte dann Roman Vögler (Siemens). Viele Unternehmen, so Vögler, würden „im Blindflug“ fliegen – sie träfen weitreichende Energieentscheidungen, ohne wirklich zu wissen, wohin ihre Energie fließt. Er illustrierte das mit einer Anekdote von einem Energieeffizienz-Kongress: Auf die Frage, wer im Saal ein Energiemonitoring betreibe, habe er mit neunzig Prozent gerechnet – tatsächlich war es knapp die Hälfte.
Seine Antwort auf diese Lücke ist der Energiesystem-Twin auf Gebäudeebene. Den digitalen Zwilling kenne man aus der Prozessindustrie; ihn für das Energiesystem eines Gebäudes zu bauen, sei etwas Neues. Statt einmaliger Momentaufnahmen und isolierter Excel-Listen entstehe eine verlässliche Datenbasis, auf der sich Szenarien durchspielen lassen: raus aus Gas, Minimalinvestition oder volle Dekarbonisierung – sichtbar über ein, fünf oder zehn Jahre. Aus dem reaktiven Verwalten des Status quo, so Vögler, werde damit ein aktives Gestalten.
Was der Satellit sieht
Samira Chadli (SC CONCEPTS) hob zum Schluss buchstäblich ab. Ihr Forschungsprojekt ReSpace – Reclaiming Spaces, FFG-gefördert und gemeinsam mit Digital Findet Stadt und dem AIT umgesetzt – spürt ungenutzte Flächen im Bestand auf. Aus Satelliten- und Geodaten werden versiegelte, aber brachliegende Areale sichtbar. Für Linz nannte Chadli konkrete Zahlen: 4.334 Grundstücke im Analyseraster, einzelne davon mit knapp 1.000 Quadratmetern Potenzial. Nachverdichtung beginnt in dieser Logik nicht am Reißbrett, sondern bei der Frage, was ohnehin schon da ist – man muss es nur sehen.
Was bleibt: ein Glas Wein und ein roter Faden
Danach das, wofür diese Runden eigentlich gemacht sind: Diskussion auf Augenhöhe, Networking, ein Glas Wein auf der Terrasse, während draußen langsam der Sommerabend über den Prater fiel. Drei Vortragende, drei Perspektiven – vom Schnittstellen-Denken über den Energie-Zwilling bis zur Flächenanalyse aus dem Orbit. Und doch derselbe rote Faden: Die Daten sind im Bestand längst vorhanden. Die Frage ist, wer sie liest.
Die Bau Invest Lounge lief bisher im November – 2024 in der Co-Innovation Factory, 2025 im SATURN Tower. Die Summer Edition am Wasser war die erste ihrer Art. Ob daraus eine Serie wird, dürfte der nächste Herbsttermin zeigen. Wer sehen will, wie sich Forschung, Industrie und Praxis in anderthalb Stunden auf ein gemeinsames Vokabular einigen, war an diesem Abend am richtigen Ort.
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