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Quantencomputer gelten als hochkomplizierte Alleskönner, vor denen kein Passwort mehr sicher ist und die unsere herkömmlichen Rechner überflüssig machen werden. Aber was ist wirklich dran am riesigen Hype um die winzigen Quanten?

Sechs Mythen über Quantencomputing – was wirklich dahintersteckt
Bild: iStock

Quantencomputing ist ein faszinierendes Feld. Weil die eng mit der Physik und Mathematik verwobene Technologie allerdings für die meisten Menschen ein Buch mit sieben Siegeln ist, ranken sich weiterhin hartnäckige Mythen, Halbwahrheiten und falsche Ideen um die Nutzung der winzigen Energiepakete, auf denen unser Universum aufbaut. Damit geht es den Quanten nicht besser als anderen neuen Technologien zuvor, wobei der Hype von überzogenen Erwartungen bis zu unbegründeten Ängsten reicht. Sechs der häufigsten Mythen wurden von dem IT-Spezialisten NTT Data einem Faktencheck unterzogen:

Mythos 1: Quantencomputer werden klassische Computer vollständig ersetzen

Faktencheck: Nein, sie ergänzen herkömmliche Computer. Quantencomputer sind Spezialisten für bestimmte mathematische Probleme, etwa in der Materialforschung, Logistik oder Finanzanalyse. Für alltägliche Aufgaben wie Textverarbeitung oder Gaming bleibt der klassische Computer aber deutlich effizienter. Ähnlich wie Grafikkarten beschleunigen Quantencomputer spezielle Berechnungen, ohne die Basisrechner dabei überflüssig zu machen. Sie sind also kein Ersatz, sondern eine Erweiterung des digitalen Werkzeugkastens. Die Kunst wird darin liegen, Quantencomputer so mit klassischen Rechenzentren zu verbinden, dass die Stärken der verschiedenen Systeme optimal zusammenspielen.

Mythos 2: Unsere Passwörter sind bald wertlos

Faktencheck: Das Problem sind nicht die Passwörter, sondern ihre Verschlüsselung. Die Angst, dass Quantencomputer bald jedes Passwort knacken, ist übertrieben. Denn: Entscheidend ist nicht das Passwort selbst, sondern der Algorithmus dahinter. Bestimmte Verschlüsselungsverfahren wären tatsächlich verwundbar, wenn leistungsfähige Quantencomputer heute zur Verfügung stehen würden. Mit sogenannter Post-Quanten-Kryptografie existiert aber bereits eine Lösung. Sie schützt Daten auch vor zukünftigen Quantenangriffen und wird heute schon implementiert. Unsere Passwörter bleiben also sicher, sofern die Anbieter ihre Infrastruktur rechtzeitig modernisieren.

Mythos 3: Quantencomputing ist zu kompliziert, um es jemals zu verstehen​

Faktencheck: Es ist komplex, wird aber immer zugänglicher. Quantenphysik in Computern klingt futuristisch und erinnert an Star Trek, folgt aber klaren mathematischen Regeln. Die Schwierigkeit liegt daher weniger im Verständnis selbst, sondern in der technischen Umsetzung. Dank cloudbasierter Plattformen und vereinfachter Programmiersprachen können heute auch Entwickler ohne Physikstudium durchaus mit Quantenalgorithmen experimentieren – bequem vom Büro oder sogar vom heimischen Schreibtisch aus, ganz ohne Laborumgebung. Wie beim klassischen Computing werden Abstraktionsschichten und Tools die Technologie schrittweise entmystifizieren – bis sie eines Tages so selbstverständlich sein könnte wie Künstliche Intelligenz heute.

Mythos 4: Quantencomputer können alles gleichzeitig berechnen

Faktencheck: Parallelisierung funktioniert nur unter bestimmten Bedingungen.
Das quantenphysikalische Prinzip der Superposition ermöglicht, dass auf einem Quantencomputer mehrere Rechenanweisungen gleichzeitig ablaufen. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie damit automatisch jede Aufgabe parallel lösen können. Nur speziell konstruierte Algorithmen nutzen dieses Prinzip gezielt aus. Dabei spielt der Zufall eine erschwerende Rolle: Das Ergebnis einer auf Superposition basierenden Berechnung ist nicht immer eindeutig, sondern durch Wahrscheinlichkeiten bestimmt. Anders als bei der klassischen Parallelisierung lassen sich die Ergebnisse deshalb nicht direkt und zuverlässig auslesen, was für manche Anwendungen ein Hindernis darstellt. Quantencomputer sind also nicht bei allem schneller, spielen bei bestimmten mathematischen Problemen wie Risikomodellierung oder Kryptografie das Prinzip der Superposition so aus, dass sie klassische Rechner potentiell übertreffen.

Mythos 5: Die Kosten sind unwirtschaftlich hoch

Faktencheck: Noch ja – aber das ändert sich. Derzeit kostet allein ein erster Machbarkeitstest für geplante Projekte leicht fünfstellige Summen, während der praktische Nutzen begrenzt bleibt. Dieses Muster ist allerdings nicht neu: Auch klassische Computer waren anfangs unbezahlbar, groß wie Einbauschränke und ineffizient. Mit wachsender Konkurrenz, technischen Durchbrüchen und Skalierung werden die Kosten rapide sinken. Große Player investieren Milliarden in Forschung und Fortschritt. Der entscheidende Punkt, an dem sich Quantencomputing wirtschaftlich rechnet, rückt damit merklich näher.

Mythos 6: Viele Anwendungsfälle sind noch unbekannt

Faktencheck: Kein Mythos – das macht das Feld so spannend. Quantencomputing steht erst am Anfang und viele potentielle Anwendungen sind tatsächlich noch nicht absehbar. Das liegt an der immensen Vielfalt möglicher Hardwareansätze und Algorithmen. Sobald sich wirtschaftlich rentable, leistungsstarke Systeme durchsetzen, werden auch Innovation und Anwendungsfälle zunehmen – ähnlich wie beim Internet oder bei der KI. Eine der spannendsten Wahrheiten über Quantencomputing lautet daher: Wir wissen noch gar nicht, was alles möglich sein wird.

„Quantencomputing hat enormes Potenzial, aber noch keine gute Marketing-Abteilung“, sagt Christian Nietner, Innovation Center Lead for Quantum Computing bei NTT Data Dach. „Während KI durch ihre Alltagsanwendungen aktuell entmystifiziert wird, ist Quantencomputing für viele noch ein abstraktes Konzept. Das wird sich ändern – vielleicht sogar schneller, als wir denken.“

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