Samstag, Oktober 24, 2026

Mehrwert für Manager

Ticker

Quantencomputer gelten als hochkomplizierte Alleskönner, vor denen kein Passwort mehr sicher ist und die unsere herkömmlichen Rechner überflüssig machen werden. Aber was ist wirklich dran am riesigen Hype um die winzigen Quanten?

Sechs Mythen über Quantencomputing – was wirklich dahintersteckt
Bild: iStock

Quantencomputing ist ein faszinierendes Feld. Weil die eng mit der Physik und Mathematik verwobene Technologie allerdings für die meisten Menschen ein Buch mit sieben Siegeln ist, ranken sich weiterhin hartnäckige Mythen, Halbwahrheiten und falsche Ideen um die Nutzung der winzigen Energiepakete, auf denen unser Universum aufbaut. Damit geht es den Quanten nicht besser als anderen neuen Technologien zuvor, wobei der Hype von überzogenen Erwartungen bis zu unbegründeten Ängsten reicht. Sechs der häufigsten Mythen wurden von dem IT-Spezialisten NTT Data einem Faktencheck unterzogen:

Mythos 1: Quantencomputer werden klassische Computer vollständig ersetzen

Faktencheck: Nein, sie ergänzen herkömmliche Computer. Quantencomputer sind Spezialisten für bestimmte mathematische Probleme, etwa in der Materialforschung, Logistik oder Finanzanalyse. Für alltägliche Aufgaben wie Textverarbeitung oder Gaming bleibt der klassische Computer aber deutlich effizienter. Ähnlich wie Grafikkarten beschleunigen Quantencomputer spezielle Berechnungen, ohne die Basisrechner dabei überflüssig zu machen. Sie sind also kein Ersatz, sondern eine Erweiterung des digitalen Werkzeugkastens. Die Kunst wird darin liegen, Quantencomputer so mit klassischen Rechenzentren zu verbinden, dass die Stärken der verschiedenen Systeme optimal zusammenspielen.

Mythos 2: Unsere Passwörter sind bald wertlos

Faktencheck: Das Problem sind nicht die Passwörter, sondern ihre Verschlüsselung. Die Angst, dass Quantencomputer bald jedes Passwort knacken, ist übertrieben. Denn: Entscheidend ist nicht das Passwort selbst, sondern der Algorithmus dahinter. Bestimmte Verschlüsselungsverfahren wären tatsächlich verwundbar, wenn leistungsfähige Quantencomputer heute zur Verfügung stehen würden. Mit sogenannter Post-Quanten-Kryptografie existiert aber bereits eine Lösung. Sie schützt Daten auch vor zukünftigen Quantenangriffen und wird heute schon implementiert. Unsere Passwörter bleiben also sicher, sofern die Anbieter ihre Infrastruktur rechtzeitig modernisieren.

Mythos 3: Quantencomputing ist zu kompliziert, um es jemals zu verstehen​

Faktencheck: Es ist komplex, wird aber immer zugänglicher. Quantenphysik in Computern klingt futuristisch und erinnert an Star Trek, folgt aber klaren mathematischen Regeln. Die Schwierigkeit liegt daher weniger im Verständnis selbst, sondern in der technischen Umsetzung. Dank cloudbasierter Plattformen und vereinfachter Programmiersprachen können heute auch Entwickler ohne Physikstudium durchaus mit Quantenalgorithmen experimentieren – bequem vom Büro oder sogar vom heimischen Schreibtisch aus, ganz ohne Laborumgebung. Wie beim klassischen Computing werden Abstraktionsschichten und Tools die Technologie schrittweise entmystifizieren – bis sie eines Tages so selbstverständlich sein könnte wie Künstliche Intelligenz heute.

Mythos 4: Quantencomputer können alles gleichzeitig berechnen

Faktencheck: Parallelisierung funktioniert nur unter bestimmten Bedingungen.
Das quantenphysikalische Prinzip der Superposition ermöglicht, dass auf einem Quantencomputer mehrere Rechenanweisungen gleichzeitig ablaufen. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie damit automatisch jede Aufgabe parallel lösen können. Nur speziell konstruierte Algorithmen nutzen dieses Prinzip gezielt aus. Dabei spielt der Zufall eine erschwerende Rolle: Das Ergebnis einer auf Superposition basierenden Berechnung ist nicht immer eindeutig, sondern durch Wahrscheinlichkeiten bestimmt. Anders als bei der klassischen Parallelisierung lassen sich die Ergebnisse deshalb nicht direkt und zuverlässig auslesen, was für manche Anwendungen ein Hindernis darstellt. Quantencomputer sind also nicht bei allem schneller, spielen bei bestimmten mathematischen Problemen wie Risikomodellierung oder Kryptografie das Prinzip der Superposition so aus, dass sie klassische Rechner potentiell übertreffen.

Mythos 5: Die Kosten sind unwirtschaftlich hoch

Faktencheck: Noch ja – aber das ändert sich. Derzeit kostet allein ein erster Machbarkeitstest für geplante Projekte leicht fünfstellige Summen, während der praktische Nutzen begrenzt bleibt. Dieses Muster ist allerdings nicht neu: Auch klassische Computer waren anfangs unbezahlbar, groß wie Einbauschränke und ineffizient. Mit wachsender Konkurrenz, technischen Durchbrüchen und Skalierung werden die Kosten rapide sinken. Große Player investieren Milliarden in Forschung und Fortschritt. Der entscheidende Punkt, an dem sich Quantencomputing wirtschaftlich rechnet, rückt damit merklich näher.

Mythos 6: Viele Anwendungsfälle sind noch unbekannt

Faktencheck: Kein Mythos – das macht das Feld so spannend. Quantencomputing steht erst am Anfang und viele potentielle Anwendungen sind tatsächlich noch nicht absehbar. Das liegt an der immensen Vielfalt möglicher Hardwareansätze und Algorithmen. Sobald sich wirtschaftlich rentable, leistungsstarke Systeme durchsetzen, werden auch Innovation und Anwendungsfälle zunehmen – ähnlich wie beim Internet oder bei der KI. Eine der spannendsten Wahrheiten über Quantencomputing lautet daher: Wir wissen noch gar nicht, was alles möglich sein wird.

„Quantencomputing hat enormes Potenzial, aber noch keine gute Marketing-Abteilung“, sagt Christian Nietner, Innovation Center Lead for Quantum Computing bei NTT Data Dach. „Während KI durch ihre Alltagsanwendungen aktuell entmystifiziert wird, ist Quantencomputing für viele noch ein abstraktes Konzept. Das wird sich ändern – vielleicht sogar schneller, als wir denken.“

Firmen | News

Nagarro
22 Oktober 2026
Firmen | News
Zwölf Unternehmen haben es ins Finale der Innovation Challenge 2026 powered by Nagarro geschafft. Beim Pitch Day am 16. Oktober präsentierten die Finalisten ihre Innovationsideen einer interdisziplinären Expertenjury. Im Mittelpunkt der diesjährigen ...
Salesforce
21 Oktober 2026
Firmen | News
Mit dem Agentblazer Award rückt Salesforce herausragende Organisationen ins Rampenlicht, die Innovation aktiv vorantreiben und zeigen, wie sich Effizienz und Fortschritt durch den gezielten Einsatz von KI neu definieren lassen. In jeder Branche gibt ...
Firmen | News
20 Oktober 2026
Firmen | News
Wie können Unternehmen ihre IT-Landschaften zukunftssicher gestalten? „Innovations to Success – Unlocking Tomorrow 2027" am 22. Oktober 2026 im Messezentrum Salzburg gibt dazu konkrete Impulse. Die Business- & Technology-Conference des IT-Dienstl...
Firmen | News
20 Oktober 2026
Firmen | News
Die Energiewende wird meist in großen Kategorien verhandelt. Es geht um Windparks, Pumpspeicher, Hochspannungstrassen und Wasserstoff für die Industrie. Daneben wächst ein zweiter, leiserer Strang: die dezentrale Stromerzeugung in Privathaushalten. K...

Populär

In New York werden ungenutzte Luftrechte zu handelbarem Baupotenzial. So können neue Baukörper über oder neben bestehenden Gebäuden entstehen. Foto: REPORT/Eva Flatscher

Haus über Haus: Wie New York mit Luftrechten baut

In New York wird nicht nur mit Grundstücken gehandelt, sondern auch mit dem...
Batterieelektrische Scania-Zugmaschine in Dreiviertelansicht.

Langstrecke unter Strom

Scania will batterieelektrische Lkw stärker für längere Strecken einsetzen....
Luftaufnahme des Knauf-Standorts in Ferndorf in Kärnten mit Produktionshallen, Bahntrasse sowie angrenzenden Feldern und Gewässern.

Knauf investiert 30 Millionen Euro in Recyclinganlage

In Ferndorf in Kärnten entsteht eine neue Recyclinganlage für Glas- und...
Buchcover: Homo Universus von Matthias Strolz
Cover: Edition Platin

Homo Strolzus

Matthias Strolz widmet sich in „Homo Universus“ den großen Fragen des...
Gruppenbild Studierende mit Michael Nowak vor der verbotenen Stadt

Studierende tauchten in Chinas Tech-Welt ein

Das Bildungsprogramm „Seeds for the Future“ fand in diesem Jahr zum zwölften...
Gespräch am Tisch im Businessumfeld

Umfrage: Wie gut sind Unternehmen auch kommunikativ auf NIS2 vorbereitet?

Am 1. Oktober 2026 tritt in Österreich die NIS2-Richtlinie in Kraft. Damit...