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2026 wird ein interessantes Jahr für Kunstmessen in Wien. Was kommt, was fehlt, was bleibt.

Bildschöne Aussichten
ART&ANTIQUE Hofburg Vienna: Xenia Hausner – White Noise

 

Werden es heimische Kunstfans auf der Suche nach ausdrucksvollen Druckgrafiken vergangener Zeiten oder monumentalen Ölbildern junger Wilder heuer schwerer haben, fündig zu werden? Die schlechte Nachricht zuerst: Die Vienna Contemporary, Wiens vielleicht wichtigste Messe für zeitgenössische Kunst, wird es heuer möglicherweise nicht mehr geben, zumindest nicht in der gewohnten Form. Auch die Spark Art Fair gönnt sich 2026 eine Pause, die Niederösterreichische Kunst- und Antiquitätenmesse findet seit 2025 im Biennale-Sprung statt und wird 2027 wieder Liebhaber*innen edler Kunstschätze nach Schloss Laxenburg locken. Manche Brancheninsider munkeln, es hätte zu viele Messen für einen zu kleinen Standort gegeben und überhaupt sei der Kunstmarkt im Moment noch kapriziöser als sonst. Dennoch kein Anlass, das Ende der Wiener Kunstmessen herbeizuorakeln. Spannende Events öffnen ihre Pforten in Palais und Depots und bieten Kunst und Kunsthandwerk von gediegen bis innovativ.

Kunst für jeden Geschmack
Messen seien nicht nur für Besucher*innen interessant, sondern auch für die Aussteller*innen, sagt die Wiener Galeristin und Kunsthändlerin Michaela Stock, die seit Jahren im In- und Ausland ausstellt. »Man kann Kunden einladen, die schon länger nicht mehr zu Gast in der Galerie waren. Dann gibt es auch Menschen, die nur auf Kunstmessen kaufen und gar nicht ins Geschäft gehen. Natürlich erhofft man sich auch, neue Interessenten kennen zu lernen. Der Markt ist zwar klein, aber es gibt trotzdem genug Besucherinnen und Besucher, die einen noch nicht kennen.«

Jede Messe in Wien hat ihr Publikum, wobei insgesamt gerade bei den moderneren Werken ein gewisser Fokus auf heimische Künstler*innen liege. Dass es kein Crossover zwischen den Besucher*innen der unterschiedlichen Messen gibt, kann Galeristin Stock nicht bestätigen: »Ich sehe viele Leute, die sowohl moderne Messen besuchen, als auch die Art & Antique in der Hofburg (12.-16.11.2026) oder die WIKAM im Palais Ferstl.«

Veranstaltungen, wo Antiquitäten auf zeitgenössische Werke treffen, sind laut Stock sowohl für Publikum als auch für Händler reizvoll. Man könne so Kund*innen, die von Natur aus vielleicht nicht viel Zugang zu zeitgenössischer Kunst haben, moderne, provokantere Positionen näherbringen kann. »Wenn solche Käufer in ihrem Umfeld sind, wo sie sich auskennen, wo von ihnen geschätzte Künstler wie Walde oder sonstige Klassiker hängen, kann es durchaus sein, dass ihre Neugier erwacht und sie mehr über aufstrebende Künstlerinnen wie Veronika Merklein oder Evelyn Loschy wissen wollen.«

Niederschwellig gegen Schwellenangst
Auch sonst nehmen Messen manchen Menschen, die sich sonst nicht in eine Galerie trauen, eine gewisse Schwellenangst. Dieser Meinung ist nicht nur Michaela Stock, sondern auch Horst Szaal, Galerist, Messeveranstalter und Obmann des Antiquitätenverbandes. »Kunstmessen sind nicht nur dafür gedacht, Sammler anzusprechen, sondern auch jüngeres Publikum, das vielleicht Berührungsängste hat. Eine Messe ist es eine öffentliche Veranstaltung, man kann sich dann in Ruhe Kunstwerke anschauen, sich informieren und letztendlich auch eine Einführung in die Kunst gewinnen. Die Galeristen informieren Besucher*innen, die sich kunstgeschichtlich möglicherweise nicht so gut auskennen. Wir sehen unsere Arbeit auch als Kulturauftrag, um Leuten Kunst näher zu bringen«. Szaal organsiert nicht nur die Kunst- und Antiquitätenmesse WIKAM, die jedes Jahr eher klassisches Publikum in die Innenstadt lockt und das nächste Mal im März 27 im (frisch renovierten) Palais Ferstel stattfinden wird.

Er und sein Team veranstalten auch die Fair for Art Vienna (7. – 11. 10.), die nach einem knappen Jahrzehnt von der Akademie der Wissenschaften ins Künstlerhaus zurückkehrt. Die Verkaufsausstellung entwickelte sich vor 30 Jahren aus der Künstlerhausmesse, und Szaal freut sich, die Fair for Art wieder an diesem kunsthistorisch bedeutenden Ort am Karlsplatz zu veranstalten, der seit über 100 Jahren eine wichtige Rolle im Wiener Kulturleben spielt. »Die Fair for Art Vienna spezialisiert sich auf Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts und präsentiert einerseits zeitgenössisches Programm, aber auch hochwertige Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.«

Dass es im Künstlerhaus weniger Platz gibt als in einer riesigen Messehalle, ist Teil des Konzepts. »Es ist eher eine Boutique-Messe, mit sehr guten Galeristen und Kunsthändlern, bei der Höhepunkte des vergangenen Jahres präsentiert werden.« Die Mischung aus bekannten jüngeren Künstlern und solchen, die schon in die Kunstgeschichte eingegangen sind, bilde die Grundlage der Messe.

Dass modernere Kunst tendenziell auch jüngeres Publikum mit sich bringt, begrüßt Horst Szaal. Auch, dass zu den Wiener Messen nicht nur Einheimische pilgern, sondern Kunstfans aus Brno oder Bratislava, aus Italien und Deutschland.

Kunst in der Klinik
Vielleicht noch jüngere Kunstfans finden sich seit einigen Jahren bei der Parallel Vienna im ehemaligen Otto-Wagner-Spital auf der Baumgartner Höhe ein. Zeitgenössische, oft noch weniger bekannte Künstlerinnen und Künstler werden vom 9. bis zum 13. September wieder die Klinikräume bespielen und innovative Sichtweisen zeigen. Als Gegenkonzept zu den klassischen Messen gegründet, lädt man nicht nur Galerien ein, sondern auch Künstler aus ihren Studios.

Die Werke etwas arrivierterer Kunstschaffender kann man eine Woche später (vom 18. bis zum 20. September) bei der Art Vienna in der Orangerie Schönbrunn bewundern und erwerben. Schon in Mai finden die Art Austria (7.-10.5, Palais Auersperg) und die Affordable Art Fair (28.-31.5., Marx Halle) statt, die ebenfalls auf modernere – und bei letzterer Messe auch auf günstigere – Kunst setzen.

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Andy Warhol (1928 -1987): »Ingrid Bergmann – The Nun«, Farbsiebdruck auf Lenox Museum Board, 96,5 x 96,5 cm, signiert, 1983, Ed. 43/250

Einstiegsdroge Papier
Sammler*innen mit überschaubarem Budget können sich auch auf die Paper Positions Messe im November freuen, deren Grundlage Arbeiten auf dem titelgebenden Papier bilden. Zeichnungen, Drucke, Collagen, Fotografien, aber auch dreidimensionale Arbeiten werden wieder die Grenzen des Mediums ausloten. »99% der Arbeiten sind aber aus Papier, aber es gibt Werke, die eine Mischform haben. Wir hatten auch schon Arbeiten, die überhaupt gar kein Papier hatten«, sagt Veranstalter Heinrich Carstens. »Die sahen wie Papierflieger aus, waren aber aus Aluminium. Da ist dann immer ein bisschen Abwägungsfrage. Ist uns das jetzt genügend Papier? Wird es hauptsächlich als Papier wahrgenommen? Oder ist Papier nur ein kleiner Begleiter?«

Papier solle der Hauptdarsteller sein, sagt Carstens. Dazu können auch Künstlerbriefe und Postkarten präsentiert werden, da Texte natürlich auch am Anfang der Benutzung von Papier stehen. »Wir zeigen gerne die ganze Bandbreite.« Papier könne laut Carstens insgesamt stiller und vorsichtiger sein als eine Leinwand mit viel Farbe. Dabei könne man sich bei Papierarbeiten das Medium nie ganz wegdenken, es spiele immer eine Rolle, was es besonders interessant mache.

Der papierbegeisterte Berliner Kulturmanager Carstens bringt den Ableger der erfolgreichen deutschen Messe heuer zum dritten Mal nach Wien, genauer gesagt ins Semperdepot im sechsten Bezirk. Die Messe richtet sich bewusst auch an jüngeres Publikum: »Wir haben uns gesagt, dass wir auch etwas für den Nachwuchs tun müssen, und zwar nicht nur auf der Galeristenseite. Papier ist wie eine Einstiegsdroge, wenn es darum geht, Kunst zu kaufen oder zu sammeln, weil es nicht nur günstiger ist, sondern auch kleiner und man leichter einen Platz findet. 90 % der Sammler beginnen mit Arbeiten auf Papier.« Aber auch langjährige Kunstafficionados entdecken oft die Liebe zum Medium wieder, schwärmen von den ersten Drucken oder Zeichnungen, die sie gekauft haben.

Offenes Konzept für offene Geister
Innovativ ist nicht nur der Fokus auf Papier, sondern auch der Verzicht auf die klassischen Messekojen. Die Paper Positions setzt seit ihrer ersten Ausgabe im Bikini Berlin 2016 bewusst auf ein offenes Konzept. »Nicht nur das Medium ist sehr interessant für Besucher*innen, sondern auch das Gefühl einer Gruppenausstellung, das Offene. Wir merken, dass so die Hemmschwelle sinkt.«
Auch Carstens beobachtet, dass gerade jüngere Menschen Angst haben, in eine Galerie zu gehen. Also bindet er die Aussteller in sein offenes Konzept ein, ermutigt sie, besonders kommunikativ zu sein: »Natürlich gibt uns auch die Möglichkeit, kuratorisch einzugreifen und zu schauen, wo es Bezüge zwischen den verschiedenen Galerien und Künstlerinnen und Künstlern gibt.«

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Die »paper positions vienna« kehrt im November 2026 ins Semper Depot zurück.

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