Dienstag, Juli 02, 2024

 

Der Bau & Immobilien Report im Mai 2002: Harte Landung: Große Pläne, weniger Frequenz und kritisierte Vergaben am Flughafen Wien.Harte Landung

: Im Mai 2002 widmete sich der Bau & Immobilien Report intensiv dem Thema Projektentwicklung und entdeckte dabei ein neues Immobilien-Eldorado. Dazu deckten die Kollegen einen Kärntner Förderskandal auf und stellten fest, dass es am Flughafen Wien auch vor Skylink schon jede Menge Baustellen gab. 


Die Goldgräberstimmung ist vorbei«, stellte UBM-Projektentwickler Rudolf Grossmayer fest. Gemeint waren die damaligen EU-Beitrittsländer, wo kaum noch Platz für weitere Projektentwicklungen war. Ganz anders die Situation in Kroatien: Eben erst den Kriegswirren und der Tudjman-Diktatur entronnen, herrschte eine regelrechte Euphorie. Die Anzahl der Neubauten war noch überschaubar. Die heimischen Entwickler witterten das große Geld. Die Immorent errichtete in Zagreb um 13 Millionen Euro das Eurocenter, ein Bürogebäude mit fast 12.000 m² Gesamtfläche, das heute im Besitz der S Immo AG ist. Österreichs größtes Planungsbüro Achammer, Tritthart und Partner plante einen Businesspark mit 700.000 m² Geschoßfläche und die Strabag entwickelte um 50 Millionen Euro das Branimir-Centar mit Büro-, Geschäfts- und Gastronomieflächen sowie ein 120-Zimmer-Hotel, das heute von der Arcotel-Gruppe betrieben wird.

»In Kroatien ist die Aufbruchstimmung, die es nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in Polen, Tschechien oder Ungarn gegeben hat, noch spürbar«, meinte Immorent-Vorstand Gerald Antonitsch. Außerdem ortete Antonitsch in Kroatien eine positivere Stimmung gegenüber Europa als etwa in Ungarn. Weniger komfortabel war es 2002 laut Antonitsch weiter südlich. »In Serbien kann es passieren, dass man auf Konkurrenz aus dem Umfeld der Mafia trifft, die mit Schwarzgeld arbeitet.« Da reiche dann für einen Projektentwickler auch der längste Atem nicht mehr aus.

Große Förderanlage

Ein heißes Eisen fassten die Kollegen in Kärnten an. Für 14 Millionen Euro sollte in Feistritz ob Bleiburg ein hypermodernes Putz- und Fertigbetonwerk entstehen. Die Bleiburger Dolomitwerke Gmbh hatte Großes vor. Man träumte von Jahresumsätzen jenseits der 15 Millionen Euro. Dabei gab es schon vom Start weg Probleme: Klagen von Lieferanten folgten Investoren, die sich kurzfristig zurückzogen. Der verhängte Baustopp brachte auch die öffentliche Hand ins Schwitzen, standen doch rund vier Millionen Euro an Fördergeldern auf dem Spiel. Der Bau & Immobilien Report warnte auch vor der schwierigen Marktsituation und sollte schlussendlich Recht behalten. In Kärnten existierten zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Putzwerke, die für Überkapazitäten in der Region sorgten. Woher die Umsätze für ein drittes Werk kommen sollten, schien zweifelhaft. Die Rechnung bekam die Bleiburger Dolomitwerke GmbH knapp zwei Jahre später in Form der Insolvenz präsentiert.

Streitfall Flughafen

Probleme gab es im Mai 2002 auch am Flughafen in Schwechat. Wieder wurde Einspruch gegen eine Vergabe erhoben. Dieses Mal traf es die Haustechnik. Das billigste Angebot wurde einfach nach hinten gereiht, aufgrund von angeblich fehlenden qualitativen Kriterien. Dumm nur, dass die betroffene deutsche HL-Technik auf Referenzprojekte wie die Flughäfen München, Leipzig und Frankfurt verweisen konnte. Nutznießer der Umreihung war die zweitplatzierte Wiener Freudensprung Engineering. Überraschend kam diese Entwicklung für Insider nicht, schließlich wickelte Freudensprung damals so ziemlich alle Haustechnikprojekte am Airport ab.

Gerüchteweise soll dies auf die enge Freundschaft der damaligen Geschäftsführung mit dem Flughafen-Vorstand Kurt Waniek zurückzuführen gewesen sein. Der Flughafen dementierte und wies die Anschuldigungen von sich. Und schon damals galt bei Malversationen aller Art die Unschuldsvermutung

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