Wednesday, May 27, 2026

Mehrwert für Manager

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Die Weltleitmesse für Umwelttechnologien IFAT fand in München statt. Stark vertreten waren Technologieunternehmen aus Österreich.

Auf der IFAT wurden Technologien für die Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft (Circular Economy) gezeigt. (Fotos: IFAT)

 

Dass Politiker*innen auf Wirtschaftsmessen vertreten sind, ist an sich nichts Ungewöhnliches. Etwas überrascht gab sich doch Agrar- und Umweltminister Norbert Totschnig (BMLUK) bei einem Lokalaugenschein auf der IFAT in München. Seit 20 Jahren nehmen die Republik Österreich und die Wirtschaftskammer an der Industriemesse teil – zum ersten Mal heuer auch in personeller Unterstützung auf Ministerialebene.

Dabei ist die IFAT als Weltleitmesse für Umwelttechnologien die Plattform für österreichische Exporteure. »Die hohe Forschungs- und Entwicklungsintensität sowie die Umsetzung praxisnaher Lösungen machen unsere heimische Umwelttechnik-Branche zu einem zentralen Motor der grünen Transformation«, weiß Minister Totschnig, der bei einem Rundgang heimische Aussteller besucht. Er will »aus den Gesprächen mit den Unternehmen lernen, die Anliegen der Wirtschaftstreibenden in die Gespräche der Bundesregierung mitnehmen.« Das BMLUK arbeitet an einem Positionspapier der »Task-Force Kreislaufwirtschaft«, in dem Synergien zwischen Industriestrategie, Kreislaufwirtschaftsstrategie und Bioökonomiestrategie konkretisiert werden sollen.

Mit über 3.300 Unternehmen und rund 57.800 Beschäftigten in Österreich erwirtschaftet die Branche einen Jahresumsatz von mehr als 21 Milliarden Euro in 2023. In 2024 ist die Beschäftigung der Umwelttechnik-Wirtschaft gegenüber 2023 um mehr als zwei Prozent gestiegen – ein Plus von über 900 Green-Jobs zusätzlich. Die Exportquote liegt bei rund 73 Prozent – ein Beleg für die Wettbewerbsfähigkeit der Umwelttechnologien.

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Innovation ist auch für den Minister (Bild) die Basis, um die Umweltklimaziele Europas zu erreichen. Im Hintergrund der Aufweichung des Green Deals spricht Totschnig zwar von einer »wettbewerbsfreundlichen Kurskorrektur«, aber auch davon, dass »die Ziele keineswegs abgeblasen« sind. Statt Kapital im Emissionshandel zu binden, könne es nun für Investitionen in Innovation genutzt werden. »Die Transformation des Energiesystems ist nur sinnvoll, wenn die Unternehmen auch wettbewerbsfähig sind.« Beispiele für diese Unternehmen waren auf der IFAT erneut genug zu sehen. Mehr als 100 Innovationen »Made in Austria« sind im Rahmen der Messe vorgestellt worden.

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Akteur für sauberes Wasser
Das Unternehmen Forstenlechner plant, fertigt und montiert Komponenten im Trinkwasser-, Abwasser- und Industrieanlagenbau. Mit 150 Mitarbeiter*innen ist das Unternehmen aus Perg der Spezialist für die maschinelle Ausrüstung und Installation von Anlagen für eine sichere Wasserversorgung.

Auf der IFAT wurde das Portfolio der Oberösterreicher gezeigt, zentral sind Wassertanks aus Edelstahl, die aufgrund ihrer Größe vor Ort zusammengeschweißt werden. Im Vergleich zu herkömmlichen betonierten Speichern schneiden Stahltanks mit den Gesamtlebenszykluskosten bis zu einer Größe von 5.000 m³ besser ab. »Unsere Gemeindekunden denken langfristig. Sie ersparen sich Sanierungskosten für betonierte Reservoirs«, berichtet Paul Forstenlechner.

Ein gewichtiges Argument für den Geschäftsführer in der dritten Generation des Familienunternehmens ist die Produktion der Teile in Österreich. Der hochwertige Edelstahl kommt ohne Wechselwirkungen zwischen Behälter, Atmosphäre und Wasser aus – so werden Verkeimungen verhindert. Bereits 300 Millionen Liter Trinkwasser fließen täglich durch die Anlagen von Forstenlechner. Zum Beispiel bei einer Installation inklusive Luftfilterung und Verrohrung für die Gemeinde Engerwitzdorf, bestehend aus zwei Behältern mit je einem Durchmesser von 12 und einer Höhe von 9 Metern. Rund 17 Tonnen Edelstahl wurden pro Behälter verbaut.

Nachhaltige Erzeugung
Das Familienunternehmen Thöni mit Sitz in Telfs ist mit gut 900 Mitarbeiter*innen weltweit tätig – und war auf der Messe mit einem besonders großen Stand vertreten. Neben Sparten für Aluminiumprodukte, Automotive und Industrieschläuche fokussiert das Unternehmen auf die Verwertung organischer Stoffe. Der Bereich Environmental Engineering – Teil der Thöni Sustainable Solutions – entwickelt Maschinen und Anlagen, zum Beispiel für die Trockenvergärung von Reststoffen aus der Lebensmittelbranche. Herzstück ist ein selbst entwickelter Pfropfenstromfermenter mit einem langsam drehenden Rührwerk, das für eine Durchmischung des Gärsubstrates und eine hohe Biogasausbeute sorgt. Ein Teilstrom des Gärrestes gelangt als Impfmaterial wieder in den Fermenter zurück und reichert so den frischen Input für die Fermentation mit einer definierten Menge an Mikroorganismen an. Das Besondere an der Lösung ist der wartungsfreie Betrieb über ein ganzes Jahr.

Auch eine kürzlich in UK in Betrieb genommene Anlage für Melton Energy Tech schafft den Vergärungsprozess ohne Stillstandszeiten. Ein Radlader transportiert die aus dem Restabfall extrahierte Organik vom Entladebereich zum Zwischenspeicher und Eintragsmodul. Von dort wird das Material über ein vollautomatisches System aus Schneckenförderern und Förderbändern zu den Eintragsmischern transportiert. Entlang der Förderstrecke ist zudem ein Magnetabscheider installiert, um metallische Verunreinigungen zu entfernen. Zur Vermeidung von Emissionen oder Geruchsbelästigungen sind sämtliche Außenförderanlagen vollständig eingehaust. Das in den Fermentern erzeugte Biogas wird zu Biome­than aufbereitet und in das lokale Erdgasnetz eingespeist.

Aus vollen Rohren
Duktiles, also verform- und dehnbares Gusseisen, ist der Werkstoff der Wahl von Tiroler Rohre (TRM) aus Hall. Der produzierende Betrieb entwickelt und fertigt Systeme für den Wassertransport und den Spezialtiefbau. Die langlebigen Rohr- und Pfahlsysteme kommen in kritischen Infrastrukturprojekten weltweit zum Einsatz. Inoffiziell auch der größte Schrottverwerter Österreichs, nutzt TRM zur Gänze Recyclingmaterial für seine Produkte. Eine der größten Kundengruppen sind laut Qualitätsmanager Tobias Kloger Bergbahnbetriebe in Europa, die auf die hochwertigen Rohrsysteme für ihre Beschneiungsanlagen schwören. 2022 wurde mit der Übernahme des bayerischen Formstückproduzenten Frischhut ein weiterer Schritt als europäisch aufgestellter Produzent gesetzt.

Nachhaltigkeit spielt in Hall in Tirol eine zentrale Rolle. Die Abwärme aus dem Werk versorgt über das lokale Fernwärmenetz gut 1.600 Haushalte. Produziert wird aktuell mit allen verfügbaren Kapazitäten, mit allein 250 Fachkräften am Hauptstandort Hall in Tirol. Für ein jüngstes Wohnbauprojekt in Maia, im Norden Portugals, wurden 104 Ramm­pfähle mit Längen von bis zu 8 Metern eingebracht. Sie sichern die Gründung des mehrgeschossigen Bauwerks.

Der Ideenreichtum der Österreicher*innen zeigt sich auch im internationalen Vergleich: Laut einem Eco-Innovation-Index zählt das Alpenland zu den Top-drei-Nationen der EU und ist bei Export und Wertschöpfung im Umwelttechniksektor sogar auf Platz eins. Am Ende soll der Kontinent nicht nur der erfolgreichste sein, sondern auch der umweltfreundlichste, heißt es auch im BMLUK.

 

Champions League der Kreislaufwirtschaft

Sie sind die Leitunternehmen für eine wirtschaftlich nachhaltige Kreislaufwirtschaft – Unternehmen aus dem »Green Tech Valley« Kärnten und Steiermark.

1. Binder+Co sorgt mit Spezialsortierlösungen und KI dafür, dass unterschiedliche Wertstoffe effizient im Kreislauf bleiben. In der Altglasaufbereitung spielt das Unternehmen seit Jahrzehnten in der Champions League.

2. Saubermacher zeigt mit einem Hightech-Batterie­recycling, wie man Ressourcen im Kreislauf hält. Abfälle werden als wertvolle Ressourcen zur Gewinnung neuer Rohstoffe verstanden.

3. Komptech bringt mit Zerkleinerungs- und Separationstechnologie Tempo in die Branche – als Experte für die mechanisch-biologische Aufbereitung von Abfällen und die Erzeugung von Biomasse.

4. Botres Global wandelt mit seinen Anlagen weltweit organische Reststoffe in grünes Gas, erneuerbare Energie und wertvolle Ressourcen um.

5. BT-Systems fokussiert auf KI-gestützte Sortierlösungen. Die Hochleistungsmaschinen kommen bei Kunden weltweit zum Einsatz.

6. SAMsoric bietet mit innovativen Schutzsystemen die Minimierung der Brandgefahr durch Lithium-Ionen-Batte­rien in der Recyclingindustrie.

7. IFE Aufbereitungstechnik setzt mit dem VARIOframe neue Maßstäbe. Im Fokus stehen ganzheitliche, langlebige Lösungen aus Vibrationsförder-, Sieb- und Magnettechnik.

8. CTP reduziert mit neuen Technologien Lachgasemissionen um bis zu 95 Prozent. Dabei wird industrielle Abluftreinigung als ganzheitlicher Beitrag zur Kreislaufwirtschaft verstanden.

9. Lindner Recyclingtech setzt mit neuen Schredder- und Zerkleinerungslösungen sowie digitalen Services auf Effizienz im Materialkreislauf in unterschiedlichen Bereichen. Das Motto: Vom Abfallentsorger zum Wertstoffgewinner.

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