Wednesday, April 22, 2026

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Im Zuge des Iran-Krieges wächst die Gefahr, dass die Energie knapp wird. Die Preise für Öl und Gas haben bereits deutlich zugelegt und trüben das Konjunkturbild. „Der neue Energieschock bremst zwar die wirtschaftliche Erholung in Europa, aber er beendet sie nicht“, kommentiert Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM. „Das größte Risiko liegt weniger in physischer Energieknappheit als in höheren Preisen, Unsicherheit und einem schwierigeren Inflationsbild.“

Bild: iStock

Die Eskalation im Nahen Osten verschließt ein zentrales Energienadelöhr der Welt. Mit der Blockade der Straße von Hormus und dem Ausfall von QatarEnergy-Anlagen geraten nicht nur Öl-, sondern vor allem LNG-Lieferungen unter Druck – mit unmittelbaren Folgen für Europa. „Der globale LNG-Markt ist eng mit wenig kurzfristig verfügbarer Reservekapazität“, erklärt Fischer. Katar stelle einen wesentlichen Teil des weltweiten LNG-Angebots, der sich bei Ausfällen nicht einfach durch andere Produzenten ersetzen lasse.

Anders als 2022 trifft der Schock die Märkte diesmal abrupter, was sehr viel stärkere Preisreaktionen auslöst. Deutlich zu sehen in Europa: Der Erdgas-Future TTF notiert derzeit über 50 Euro/MWh, fast doppelt so hoch wie im Dezember. „Die erneute kräftige Preisbewegung seit Anfang März signalisiert, dass der Markt nicht nur ein vorübergehendes Ereignis, sondern ein ernst zu nehmendes Versorgungsrisiko einpreist“, so Fischer.

Für Europa ist das besonders relevant, weil der Kontinent weiter hochgradig vom globalen Markt für Flüssiggas (LNG) abhängig bleibt. Fällt LNG vom Golf aus, verschärft sich automatisch der Wettbewerb um alternative Lieferungen vor allem aus den USA. „Damit droht Europa erneut ein importierter Energiepreisschock, selbst wenn die physische Versorgung kurzfristig noch als gesichert gilt“, sagt Fischer.

Für Deutschland kommt der Schock zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Gasspeicher waren bereits vor der Eskalation deutlich leerer als in den Vorjahren: Am 9. März lag der Füllstand nur bei 21,5 Prozent. „Zwar bedeutet ein niedriger Speicherstand nicht automatisch eine akute Mangellage“, erklärt Fischer, „doch er macht das System verwundbarer gegenüber neuen externen Schocks und erschwert die kosteneffiziente Wiederbefüllung für den kommenden Winter.“

Ökonomisch trifft der Energieschock eine Volkswirtschaft, die sich gerade erst vorsichtig zu stabilisieren begann. Höhere Gas- und Energiepreise belasten Industrie und private Haushalte. Hinzu kommt ein deutlicher Unsicherheitseffekt: In einem Umfeld geopolitischer Eskalation und volatiler Energiepreise halten sich Unternehmen mit Investitionen typischerweise zurück.

Der jüngste Anstieg der Gaspreise erhöht zudem das Risiko eines erneuten leichten Inflationsanstiegs in Europa und Deutschland – selbst wenn die Konjunktur gleichzeitig eher gedämpft wird. Für die Europäische Zentralbank verschärft sich damit das bekannte Spannungsfeld zwischen schwächerem Wachstum und höherem Preisdruck.

„Der aktuelle Energieschock ist daher vor allem ein Inflations- und Unsicherheitsschock“, so Fischer, „aber nicht zwangsläufig der Auftakt zu einer tiefen Rezession.“ Fischer geht weiter davon aus, dass sich die Konjunktur in Europa und Deutschland abseits der geopolitischen Eskalation moderat stabilisiert. Denn fiskalische Impulse, bessere Finanzierungsbedingungen und eine allmähliche zyklische Erholung sprächen weiter für ein konstruktiveres Bild im weiteren Jahresverlauf. Der Iran-Krieg stelle diese Perspektive nicht grundsätzlich infrage, sondern überlagere sie temporär über den Energiekanal.

„Für die Investment-Portfolios bedeutet dies kurzfristig vor allem: mehr Volatilität, höhere Inflationserwartungen und ein anspruchsvolleres Umfeld für zinssensitive Segmente“, sagt Fischer. Das zeige die Bedeutung breit diversifizierter Anlagestrategien sowie der Konzentration auf Qualität, Preissetzungsmacht und robuste Geschäftsmodelle der Unternehmen. „Solange der Konflikt nicht in einen anhaltenden globalen Energieschock mündet, sehen wir keinen Anlass, unsere grundsätzlich konstruktive mittelfristige Einschätzung aufzugeben“, erklärt Fischer.

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