Monday, June 01, 2026

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Beim Rohstoffsymposium 2026 des Forums mineralische Rohstoffe mit mehr als 140 Gästen wurde eine klare Botschaft formuliert: Kreislaufwirtschaft ist ein zentraler Bestandteil der Bau- und Rohstoffbranche, kann den Bedarf an Primärrohstoffen jedoch nicht decken. Umso wichtiger ist die heimische Rohstoffgewinnung, sie sichert die Versorgung, verkürzt Transportwege und stärkt die regionale Wertschöpfung.

Foto: Marko Kovic

Bild: Johann Eder, Vorstandsvorsitzender Forum Rohstoffe, Alexandra Strickner, Global 2000, Petra Gradischnig, Geschäftsführerin Forum Rohstoffe, Johannes Pressl, Österreichischer Gemeindebund, sowie Tristan Tallafuss, Österreichischer Baustoff-Recycling Verband.


„Kreislaufwirtschaft ist ein zentrales Thema unserer Branche. Doch damit allein ist es nicht getan. Wir müssen Transportradien gering halten und regionaler Nahversorger bleiben. Die verlässliche Versorgung mit Primärrohstoffen ist unerlässlich“, betont Johann Eder, Vorstandsvorsitzender des Forums mineralische Rohstoffe bei seiner Eröffnungsrede.

Österreichs Unternehmen sind Vorreiter bei Recycling und Kreislaufwirtschaft im Bauwesen. Schon heute liegen die Recyclingquoten bei mineralischen Bauabfällen bei über 80 % Wiederverwendung, hochwertige Aufbereitung und innovative Bauweisen sind längst gelebte Praxis. Dennoch stößt die Kreislaufwirtschaft an klare Grenzen: Die verfügbaren Mengen sind naturgemäß begrenzt, da Materialien erst beim Rückbau anfallen, und die Qualität hängt stark von einer konsequenten Trennung auf der Baustelle ab. Wie zentral dabei eine sichere Versorgung mit Baurohstoffen wie Sand, Kies und Naturstein für den Wirtschaftsstandort Österreich bleibt, betonte auch Bundesminister Marterbauer in seiner Videobotschaft zum Symposium: „Unser Ziel muss eine ausgewogene und zukunftsorientierte Rohstoffpolitik sein – eine Politik, die Versorgungssicherheit gewährleistet, wirtschaftliche Entwicklung unterstützt und gleichzeitig ökologische Verantwortung übernimmt.“

Recycling-Baustoffe – viel erreicht, aber begrenzt
Hinzu kommt: Die verfügbaren Mengen an Sekundärrohstoffen reichen nicht aus, um den Bedarf an Wohnraum, Infrastruktur und Energieprojekten vollständig zu decken. Allein in Wien werden jährlich rund 15.000 neue Wohneinheiten benötigt. Besonders im Bauwesen wird deutlich: Materialien stehen oft erst nach Jahrzehnten wieder zur Verfügung, viel zu spät, um den aktuellen Bedarf zu decken. Gerade deshalb greift die öffentliche Diskussion oft zu kurz, wenn Kreislaufwirtschaft als alleinige Lösung dargestellt wird. Das Rohstoffsymposium zeigt jedoch ein differenzierteres Bild: Recycling funktioniert, aber nur im Zusammenspiel mit einer gesicherten Primärrohstoffversorgung. Dass Recycling dabei dennoch ein unverzichtbarer Teil der Lösung ist, unterstrich auch Bundesminister Hattmannsdorfer in seinem Video-Statement: „Kreislaufwirtschaft ist entscheidend, aber sie allein wird nicht ausreichen. Wir müssen mineralische Rohstoffe so effizient wie möglich einsetzen, wir müssen stärker recyclen und Materialien länger im Kreislauf halten.“

Bodenaushub – größte Masse, geringste Nutzung
Bodenaushub ist der mit Abstand größte Stoffstrom, wird aber noch nicht ausreichend genutzt. Ein Blick auf die aktuellen Zahlen verdeutlicht die Dimension: Im Jahr 2023 fielen in Österreich rund 67,2 Millionen Tonnen Abfall an. Rund drei Viertel davon stammen aus Bau- und Aushubtätigkeiten – allen voran Bodenaushub, der mit Abstand größte Stoffstrom. Gerade hier zeigt sich ein zentrales Spannungsfeld zwischen Potenzial und Realität.
Bodenaushub wird rechtlich zwar (noch) als Abfall eingestuft, ist in der Praxis jedoch eine wertvolle Ressource. Entscheidend ist dabei eine möglichst hochwertige Verwertung: Insbesondere kiesige Materialien eignen sich, nach entsprechender Aufbereitung, als Gesteinskörnungen und können als Zuschlagstoffe in der Beton- und Asphalterzeugung eingesetzt werden. Gerade diese hochwertige Wiederverwendung trägt wesentlich dazu bei, natürliche Ressourcen wie Kies und Sand zu schonen.

In der Praxis bleibt dieses Potenzial jedoch oft ungenutzt. Komplexe rechtliche Rahmenbedingungen, fehlende Planung im Vorfeld und Unsicherheiten bei Genehmigungen erschweren eine breitere Anwendung. Die geplante Aushubverordnung soll hier ansetzen und künftig den Weg für eine einfachere und rechtssichere stoffliche Nutzung hochwertiger Materialien ebnen.

Primärrohstoffe – systemrelevant für Versorgung
Auch im Bereich Recyclingbaustoffe wurden in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt. Aufbereiteter Beton, Asphalt und Bauschutt sind heute fixer Bestandteil vieler Bauprojekte. Dennoch zeigt die Praxis klar: Der Rohstoffbedarf wächst schneller als das Angebot aus dem Kreislauf. Ohne eine verlässliche Versorgung mit heimischen Primärrohstoffen lassen sich zentrale Zukunftsprojekte nicht umsetzen. „Es geht nicht nur um Neubau. Auch die Sanierung des Gebäudebestands wird in den kommenden Jahrzehnten große Mengen an mineralischen Rohstoffen benötigen. Gleichzeitig geht es nicht um zusätzlichen Bodenverbrauch, sondern darum, Bestehendes zu renovieren, zu sanieren, zu aktivieren und langfristig zu erhalten. Deshalb muss der künftige Rohstoffbedarf differenziert betrachtet werden“, erläutert Gemeindebund-Präsident Johann Pressl im Rahmen der Podiumsdiskussion.

Analysen, unter anderem vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, zeigen zudem, dass der Bedarf an mineralischen Rohstoffen langfristig hoch bleibt, unabhängig von wirtschaftlichen Szenarien. Sekundärrohstoffe können diesen Bedarf sinnvoll ergänzen, aber nicht vollständig ersetzen. „Der künftige Bedarf an Kies, Sand und Naturstein wird weiterhin vor allem durch die Primärgewinnung dieser Rohstoffe gedeckt – trotz der weiter zunehmenden Bedeutung von Recyclingmaterialien“, fasst Manuel Frondel vom RWI – Leibniz die ersten Studienergebnisse zusammen.

Zentrale Fakten auf einen Blick:
- 67,2 Mio. Tonnen Abfall in Österreich (2023)
- Rund 75 % davon aus Bau- und Aushubtätigkeiten
- Bodenaushub ist mit Abstand der größte Stoffstrom
- Recyclingquoten bei mineralischen Bauabfällen bereits über 80 %
- Sekundärrohstoffe decken nur einen Teil des zukünftigen Bedarfs

Vor diesem Hintergrund wurde beim Symposium auch die Bedeutung der heimischen Rohstoffgewinnung betont. Sie sichert Versorgung, reduziert Transportwege und stärkt die regionale Wertschöpfung. Gleichzeitig steht sie vor Herausforderungen wie eingeschränkter Flächenverfügbarkeit, langwierigen Genehmigungsverfahren und Nutzungskonflikten.

Im Zentrum der Diskussion stand daher nicht ein „Entweder-oder“, sondern ein „Sowohl-als-auch“. Eine nachhaltige Entwicklung gelingt nur, wenn beide Kreislaufwirtschaft und verlässliche Versorgung mit heimischen Primärrohstoffen gemeinsam gedacht und umgesetzt wird.

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