Freitag, Juli 17, 2026

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Ulrike Rabmer-Koller, geschäftsführende Gesellschafterin der Rabmer Gruppe, interessierte sich schon früh für Technik und Innovation. Trotzdem war ihr Weg ins Familienunternehmen nicht vorgezeichnet. Aber wie sie heute weiß: Es braucht nicht immer einen perfekten Plan.

Was mich geprägt hat …

Wenn ich heute auf meinen beruflichen Weg zurückblicke, wird mir bewusst, wie viele scheinbar kleine Entscheidungen später eine große Bedeutung bekommen haben.

Ich bin als jüngste Tochter einer Unternehmerfamilie aufgewachsen. Meine Eltern gründeten 1963 auf einem Vierkanthof im Mühlviertel ein Bauunternehmen und legten so den Grundstein zur Rabmer Gruppe. Unternehmertum war bei uns nie ein abstraktes Konzept, sondern gelebter Alltag. Baustellen, Gespräche über Projekte und wirtschaftliche Entscheidungen gehörten ganz selbstverständlich zum Familienleben. Schon als Kind war ich oft bei meiner Mutter im Büro und regelmäßig auch mit meinem Vater auf Baustellen unterwegs – dort entstand meine frühe Faszination für Technik, Innovation und Gestaltung.

Trotzdem war mir damals noch nicht klar, wohin mich mein Weg führen würde. Als jüngste Tochter war es nicht vorgegeben, die Baufirma später zu übernehmen. Ich entschied mich für ein Wirtschaftsstudium, wobei mich das Interesse für Innovation und Technik nie losgelassen hat. Ein prägendes Erlebnis war meine Zeit in den USA. Ich habe dort nach meinem Studium für ein Start-up gearbeitet und erfüllte mir einen Traum vom Apartment direkt an einem See – doch niemand ging dort schwimmen, weil das Wasser so verschmutzt war. Dieser Moment hat meinen Blick auf Umwelt- und Ressourcenschutz nachhaltig verändert. Mir wurde bewusst, dass saubere Natur keine Selbstverständlichkeit ist. Diese Erfahrung hat später auch meine unternehmerischen Entscheidungen beeinflusst und meine Leidenschaft für Umwelttechnologien geweckt.

Rückblickend habe ich früh gelernt, dass Neugier und Offenheit entscheidend sind. Mein Weg führte mich durch unterschiedliche Stationen im In- und Ausland und schließlich durch die Hartnäckigkeit meines Vaters zurück ins Familienunternehmen, das ich nun in zweiter Generation führe und internationalisiert sowie weiter ausgebaut habe. Zusätzlich engagierte ich mich auch jahrelang in der Interessenvertretung auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene, um eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für Unternehmer*innen zu erreichen. Jede dieser Erfahrungen hat meinen Blick erweitert und mir gezeigt, wie wichtig es ist, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.

Wenn ich jüngeren Menschen einen Rat geben könnte, dann wäre es dieser: Habt Mut, Chancen zu ergreifen – auch wenn der Weg noch nicht klar erkennbar ist. Viele der wichtigsten Entscheidungen trifft man nicht mit vollständiger Sicherheit. Aber genau diese Entscheidungen eröffnen oft neue Möglichkeiten.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, sich selbst treu zu bleiben und das zu tun, wofür man wirklich brennt. Leidenschaft ist ein enormer Antrieb. Wer Begeisterung für seine Arbeit empfindet, entwickelt automatisch Ausdauer und Kreativität – zwei Eigenschaften, die im Unternehmertum unverzichtbar sind.

Heute weiß ich: Erfolg entsteht selten über Nacht. Er ist das Ergebnis vieler unterschiedlicher Schritte, von manchen Rückschlägen, neuen Ideen und vor allem von Menschen, die einen auf diesem Weg begleiten. Gerade als Unternehmerin habe ich gelernt, wie wichtig Vertrauen, Teamarbeit und der Austausch mit anderen sind. Wenn ich also etwas früher gewusst hätte, dann vielleicht das: Man muss nicht immer den perfekten Plan haben. Viel wichtiger ist die Begeisterung fürs Tun sowie die Bereitschaft, zu lernen, Chancen zu erkennen und Verantwortung zu übernehmen. Denn letztlich geht es im Unternehmertum – und im Leben – immer darum, Dinge zum Besseren zu gestalten.

 

Zur Person
Ulrike Rabmer-Koller studierte BWL an der JKU Linz, stieg nach beruflichen Stationen im In- und Ausland 1992 ins elterliche Unternehmen ein und baute es zum Komplettanbieter im Baubereich sowie zum Umwelttechnikspezialisten aus, insbesondere in den Bereichen Wasser- und Energieeffizienz, Rohr- und Behältersanierung sowie Energie aus Abwasser. Rabmer-Koller engagierte sich auch viele Jahre in der Interessenvertretung, so war sie u.a. Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich und Präsidentin des europäischen KMU-Verbandes SMEunited. In dieser Zeit nominierte die EU-Kommission sie auch in mehrere Expertengruppen. Seit 2023 ist sie auch Aufsichtsratsvorsitzende der ABAU Oberösterreich, einer Einkaufgesellschaft für mittelständische Bauunternehmen.

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