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Banken, Börsen und Fintechs positionieren sich im digitalen Asset-Ökosystem. Wie Capgemini-Finanzexperte Kieran Mullaley beobachtet, bewegt sich der Markt schrittweise von der reinen Experimentierphase hin zur praktischen Umsetzung.

»Über den Zahlungsverkehr hinaus«
Bild: iStock


Wie wird sich der globale Handel durch Stablecoins verändern?

Kieran Mullaley: Wir sehen Stablecoins zunächst als ergänzende Infrastruktur neben bestehenden Bankensystemen – insbesondere dort, wo Unternehmen schnellere Abwicklungen, mehr Transparenz und eine permanente Liquiditätsbewegung benötigen. Dabei entwickeln sich Stablecoins nicht isoliert: Tokenisierte Einlagen und digitale Zentralbankwährungen (CBDCs) schreiten parallel voran und deuten gemeinsam auf eine Neugestaltung der globalen Geldbewegungen hin. Anstatt traditionelle Finanzsysteme vollständig zu ersetzen, werden Stablecoins diese voraussichtlich effizienter und transparenter machen.

Welche Vorteile bietet die Tokenisierung von Vermögenswerten?

Mullaley: Die Tokenisierung von Vermögenswerten ermöglicht es, finanzielle und reale Vermögenswerte digital auf Distributed-Ledger-Systemen abzubilden und verbessert Transparenz, Nachvollziehbarkeit und operative Effizienz. Auf operativer Ebene können Smart Contracts Prozesse wie Abwicklung, Verwaltung und Compliance automatisieren und so manuelle Eingriffe und operative Komplexität reduzieren. Zudem ermöglicht Tokenisierung den anteiligen Besitz traditionell illiquider Vermögenswerte, wodurch der Zugang für Investoren erweitert und die Liquidität erhöht werden kann. Ein besonders überzeugender Anwendungsfall ist die Mobilität von Vermögenswerten und Sicherheiten. Durch die Möglichkeit, Sicherheiten in Echtzeit über Unternehmen und Ländergrenzen hinweg zu bewegen, können Corporate- und Investmentbanken ihre Bilanzliquidität untertägig steuern und die derzeit aufgrund operativer Reibungsverluste gehaltenen Kapitalpuffer deutlich reduzieren.

Aus unserer Sicht liegt die eigentliche Chance darin, Finanzprozesse über Zahlungen, Treasury und Wertpapiere hinweg programmierbarer, vernetzter und effizienter zu gestalten. Mit zunehmender Marktreife könnte Tokenisierung operative Reibungsverluste reduzieren und neue Formen von Liquidität und Vermögenszugang ermöglichen. Die Association for Financial Markets in Europe schätzt, dass europäische Emittenten seit 2021 Anleihen im Wert von rund vier Milliarden Euro auf Distributed-Ledger-Technologie emittiert haben. Dies zeigt, dass sich der Markt schrittweise von der reinen Experimentierphase hin zur praktischen Umsetzung bewegt.

Welche Geschäftsmodelle sind möglich?

Mullaley: Rund um Stablecoins und tokenisierte Vermögenswerte entstehen verschiedene Geschäftsmodelle. Stablecoin-Emittenten erzielen Erträge durch Reservemanagement und transaktionsbezogene Dienstleistungen. Gleichzeitig ermöglicht das Modell »Stablecoin-as-a-Service« Banken und Fintechs, eigene digitale Vermögenswerte unter ihrer Marke auszugeben, ohne selbst eine Blockchain-Infrastruktur aufbauen zu müssen. Dieses Modell findet zunehmend Eingang in den Mainstream der Finanzwelt, u.a. durch Initiativen wie die Tokenized Asset Platform (VTAP) von Visa.

Entlang der Wertschöpfungskette positionieren sich Institutionen für Rollen im digitalen Asset-Ökosystem – von Börsen und Zentralverwahrern über Verwahrstellen bis hin zu Banken und Fintechs. Unternehmen erkennen, dass sie es sich nicht leisten können, dieser Entwicklung untätig gegenüberzustehen.

Langfristig geht die Chance über den Zahlungsverkehr hinaus. Tokenisierte Finanzstrukturen könnten schrittweise interoperablere und programmierbare Ökosysteme in den Bereichen Zahlungen, Kreditvergabe, Treasury und Asset-Servicing ermöglichen. Wer frühzeitig Fähigkeiten, Partnerschaften und Kundenvertrauen aufbaut, wird besser positioniert sein, wenn sich diese Ökosysteme weiterentwickeln.


Kieran Mullaley ist Global Head of the Capital Markets Practice bei Capgemini.

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