Dienstag, September 15, 2026

Mehrwert für Manager

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Bei Gegenwind zahlen sich Mut und Wagemut aus, das hat Sylvia Geyer selbst erlebt. Was sie heute weiß: Es ist essenziell, nachsichtig mit sich selbst zu sein.

Sylvia Geyer lächelnd und mit verschränkten Armen
Foto: Felix Büchele

»Warum tust du dir das an? Als Mädchen?« Das war damals die Aussage der Mutter einer Freundin mir gegenüber, als ich ihr stolz erzählte, dass ich nach der Matura an einer AHS nun an der TU in Wien studieren möchte. Die Entscheidung, ein Studium zu beginnen, war für mich nicht unbedingt klar – ich bin Erstakademikerin, sprich, in meiner Familie gab es niemanden mit akademischem Abschluss. Meine Noten im Informatikunterricht an der Schule haben auch zu wünschen übrig gelassen, was aber auch ein Stück weit an meinem damaligen Informatiklehrer lag.

Ich erinnere mich noch gut an den Tag, an dem ich das Interesse an seinem Unterricht verloren habe. Er kam in die Klasse – aufgrund des Sprachenzweigs waren wir eine fast reine Mädchenklasse –, zeigte uns ausgedruckt ein Stück Source-Code und quittierte dies mit »Das werdet ihr nicht verstehen, deswegen lassen wir das am besten und machen Word.«

Ich erzähle diese beiden Geschichten sehr gerne, wenn ich unser Haus und unser Studienangebot bei potenziellen, zukünftigen Studierenden vorstelle. Ich möchte damit unterstreichen, dass es sich auch bei Gegenwind auszahlt, mutig zu sein und etwas zu wagen. Der Erfolg liegt im Lernen, und Lernen passiert immer dann, wenn man sich aus der Komfortzone bewegt und etwas ausprobiert – und zwar unabhängig davon, ob es dann erfolgreich war oder man vielleicht auch dabei Fehler gemacht hat.

Ab meinem Studienstart hat sich dann ehrlicherweise vieles ergeben. Nachdem ich endlich verstanden hatte, wo ich welche Hörsäle und Lehrveranstaltungen finden konnte, habe ich das Studium sehr genossen. Die Möglichkeit, sich mit neuen Themen auseinanderzusetzen und gemeinsam mit Kollegen und Kolleginnen Lösungen zu erarbeiten, hat mir immer schon Spaß gemacht und hat damals vielleicht schon meinen Weg vorgezeichnet – und meine Liebe für das Lösen von Problemen geweckt. Ich war weder von Anfang an gut organisiert, noch lag mir jedes Fach im Studium, noch war ich bei jeder Prüfung auf Anhieb positiv. Heute wage ich es, das so offen zu gestehen. Früher war ich immer der Meinung, ich kann noch nicht genug – nicht genug, um zu studieren, nicht genug, um mich bei einem spezifischen Job zu bewerben, … Ich habe aber mittlerweile für mich gelernt, dass man oft viel zu selbstkritisch ist.

Während man es anderen erlaubt, sich in neue Rollen oder Aufgaben einzuarbeiten, erwartet man von sich selbst, von Tag eins an alles zu kennen und zu können. Es ist absolut okay, sich selbst und seine Arbeit zu hinterfragen und in Folge daraus zu lernen – aber mit Maß und Ziel. Es ist also nicht nur erlaubt, sondern dezidiert erwünscht, auch mit sich selbst liebevoll nachsichtig zu sein, sich Fehler zu verzeihen, aus Situationen zu lernen und nicht in einer negativen Denkspirale zu verharren.

Was mich im Zuge meiner Laufbahn immer wieder geprägt hat, waren Menschen, die mit Leidenschaft ihre Themen vorantreiben und authentisch und respektvoll agieren. Daher ist das auch etwas, was ich unseren Absolventinnen und Absolventen bei jeder Sponsion wünsche: Bleiben Sie neugierig, bleiben Sie begeisterungsfähig und bleiben Sie authentisch.

Von hinten erzählt, scheinen viele meiner Schritte und Entwicklungen naheliegend zu sein, damals war viel Zufall und natürlich auch Glück dabei. Es trifft der Spruch »Luck meets the prepared« zu – sowohl mein Studium, meine Jobs nebenbei, aber natürlich auch meine Erziehung haben mich darauf vorbereitet. Heute habe ich das Privileg, eine Hochschule und damit die Voraussetzung für das eben zitierte Glück, also die Zukunftsperspektiven von Tausenden Studierenden, mitzugestalten. Gleichzeitig mache ich es mir zur Aufgabe, das Selbstbewusstsein der nachfolgenden Generationen zu stärken, sie zu unterstützen und ihnen die unterschiedlichen Möglichkeiten aufzuzeigen – ohne Vorurteile.


Zur Person

Sylvia Geyer ist Wirtschaftsinformatikerin und seit 25 Jahren dem Unterrichten verbunden. Beginnend mit Erwachsenen-Weiterbildungen im IT-Bereich als Nebenjob zu ihrem Studium hat sie nach Erfahrungen im IT-Projektmanagement vor 15 Jahren an die Fachhochschule Technikum Wien gewechselt. Dort ist sie die Leiterin des Departments Computer Science and Applied Mathematics. Darüber hinaus ist sie seit knapp fünf Jahren Rektorin der Fachhochschule Technikum Wien.

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