Mittwoch, November 04, 2026

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Sinkende Flusspegel, Nutzungsbeschränkungen und gedrosselte Kraftwerke: Der vergangene Sommer zeigte, dass Wasserknappheit längst auch ein handfestes Wirtschaftsrisiko ist. Milliardenschwere Investitionen in Netze, Aufbereitung und Wiederverwendung sind notwendig. Allein die USA benötigen bis 2046 mehr als 740 Milliarden US-Dollar für die Modernisierung der Trinkwasser- und Abwasserinfrastruktur. Ein Kommentar von Bertrand Lecourt, Senior Fondsmanager bei J O Hambro.

Wasserglas und Wellen
Bild: iStock

Nach Hitze und Trockenheit wird in vielen Teilen Europas wieder über Wasser gesprochen – eine Ressource, die lange als selbstverständlich galt. Dabei ist Wasserknappheit längst kein Randphänomen mehr. Im EU-Durchschnitt sind jedes Jahr rund 30 Prozent der Fläche und ein Drittel der Bevölkerung mindestens zeitweise davon betroffen.

Besonders sichtbar wird das in der Energieversorgung. Das ungarische Kernkraftwerk Paks musste seine Produktion zeitweise deutlich reduzieren, im rumänischen Kernkraftwerk Cernavoda kam es ebenfalls zu Einschränkungen. Wenn Wasser für die Kühlung fehlt, kann aus einem natürlichen Engpass ein wirtschaftliches Problem werden. Die EU reagiert inzwischen auf den steigenden Druck. Ihre Wasserresilienzstrategie sieht unter anderem vor, die Wassereffizienz bis 2030 um zehn Prozent zu verbessern, Leckagen zu reduzieren und die Infrastruktur mithilfe öffentlicher und privater Investitionen zu modernisieren. Damit rückt Wasser auch aus Investorensicht stärker in den Fokus.

Milliarden für die Infrastruktur
Mit zunehmendem Wasserstress gewinnt die Frage an Bedeutung, wie effizient die vorhandenen Ressourcen genutzt werden. Versorger müssen Verluste reduzieren, Industrieunternehmen Wasser stärker im Kreislauf führen und zusätzliche Quellen erschließen. Das erhöht die Nachfrage nach Aufbereitung, Mess­technik und intelligenteren Steuerungssystemen. Wie weit dieser Wandel gehen kann, zeigt Brasilien. Der Wasserversorger SABESP treibt ein 21 Milliarden brasilianische Real umfassendes Programm am Tietê voran. Die Abwasserbehandlung entlang des Flusses soll von rund 20 auf 99 Prozent steigen. Damit soll der Tietê perspektivisch zu einer strategischen lokalen Wasserquelle werden. Aufbereitung und Wiederverwendung können zusätzliche Ressourcen erschließen und die Abhängigkeit von bestehenden Quellen verringern. Gleichzeitig stärkt SABESP seine Versorgungssicherheit durch die Übernahme eines Betreibers von Wasserkraft- und Hydrauliksystemen.

Der Investitionsbedarf in der Wasserwirtschaft ist erheblich. Allein in den USA werden in den kommenden zwei Jahrzehnten mehr als 740 Milliarden US-Dollar für Trinkwasser- und Abwasserinfrastruktur benötigt. Alternde Netze, strengere regulatorische Anforderungen und zunehmende physische Klimarisiken erhöhen den Druck auf Versorger, ihre Infrastruktur widerstandsfähiger zu machen. Die Regulierung ist in den USA auf Ebene der Bundesstaaten organisiert. American Water Works, der größte börsennotierte Wasserversorger des Landes, bewegt sich dadurch in 14 unterschiedlichen Regulierungsregimen.

Technologie als zweite Säule
Das Investmentthema reicht über klassische Wasserversorger hinaus. Besonders deutlich wird das in der Halbleiterindustrie, die für ihre Produktion große Mengen hochreinen Wassers benötigt. Für die Herstellung eines einzigen Mikro­chips können bis zu 30 Liter ultrareines Wasser erforderlich sein. Davon profitieren spezialisierte Anbieter wie Kurita Water Industries und Organo, die Systeme zur Herstellung und Aufbereitung von ultrareinem Wasser anbieten. Xylem wiederum entwickelt Lösungen für Wasseraufbereitung und Wassermanagement. Damit erweitert sich das Anlageuniversum über Versorger und Infrastrukturbetreiber hinaus. Für Anleger*innen kommt es darauf an, welche Unternehmen diese Investitionen effizient umsetzen und über die Technologie und Marktposition verfügen, um daraus langfristiges Wachstum zu generieren.

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