Sunday, April 05, 2026

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CEE-Märkte sind von der amerikanischen Zollpolitik kaum unmittelbar betroffen. Sie könnten vom Umschwenken weg von den USA hin zu Europa sogar profitieren.

Henning Eßkuchen leitet die Abteilung CEE Aktienresearch der Erste Group und ist Mitglied des Arbitration Boards der EFFAS. (Bild: Daniela Klemencic)

Im Grundsätzlichen unterscheiden sich die unmittelbaren Auswirkungen der eher erratischen Zollpolitik der US-Regierung auf die Märkte in Zentral- und Osteuropa (CEE) nicht von jenen, die wir für andere globale oder europäische Märkte sehen. Eine massive Unsicherheit und Volatilität ist an den CEE-Märkten ebenso zu finden, wie bei ihren westeuropäischen Nachbarn. Insofern liegt auch hier das wesentliche Risiko in einer weiteren Eskalation mit China, wohingegen jede Reaktion der EU weiterhin eher pragmatisch und ausgewogen erfolgen sollte. Das amerikanische Peterson Institute for International Economics sieht allerdings in seinen Szenarien die stärksten negativen Auswirkungen auf die USA und den Rest der Welt nicht in der Zollpolitik, sondern tatsächlich eher in dem Risiko, dass Trump die Unabhängigkeit der Fed in Frage stellt.

Lockerungen in Verschuldungsregeln und fiskalische Programme sollten in der Region bereits bestehende EU Förderprogramme ergänzen. Allerdings stellt eben diese Unwägbarkeit der amerikanischen Zollpolitik auch die zuvor erwartete relative Erholung Europas wieder in Frage.

Die direkten wirtschaftlichen Auswirkungen für die CEE-Region sollten eher überschaubar bleiben. Die enge Integration in internationale Lieferketten (hauptsächlich via Deutschland) wird allerdings dafür sorgen, dass auch CEE wirtschaftlichen Schaden nehmen kann. Die direkten Exporte in die USA sind eher gering – Österreich, die Slowakei, Ungarn nehmen hier die ersten Plätze ein. Ungarn und die Slowakei sind hier im Wesentlichen über den (weitestgehend nicht börsennotierten) Automobilsektor betroffen. Wir haben derzeit unsere Prognosen für das reale BIP-Wachstum in der Region auf 2,4 % für 2025 und in Erwartung eines stärkeren Effektes in 2026 auf 2,9 % für CEE angepasst.

In einer Umfrage zum Ende des Jahres 2024 gaben nur 8 % der regionalen Unternehmen an, in erheblichem Maße direkt betroffen zu sein. Die Mehrheit der Befragten ist nur unwesentlich oder gar nicht von den US-Zöllen betroffen (40 %), während weitere 30 % indirekte Auswirkungen über ihre Lieferkette erwarteten.

Auch wenn regionale Unternehmen tatsächlich nur eher indirekt betroffen sein sollten, so sehen wir durchaus eine unmittelbare Reaktion im Konsens der Schätzungen für das Wachstum der Unternehmensgewinne. Allerdings zeigt sich derzeit durchaus auch wieder eine leichte Korrektur nach oben. Aktuell wird ein Gewinnwachstum von rund 9 % für die CEE-Region auf Sicht von zwölf Monaten erwartet. Gepaart mit einer weiterhin mehr als komfortablen Bewertung sollte damit zu rechnen sein, dass auch die Märkte in Österreich und CEE weiterhin von jedwedem Umschwenken in den Fund Flows weg von den USA und hin zu Europa profitieren sollten.

Banken könnten von einer beschleunigten Senkung der Zinsen betroffen sein, sowie von einer geringeren Kreditnachfrage, bedingt durch wirtschaftliche Schwäche und Konsumentenstimmung. Diese Stimmung mag sich auch in den Ergebnissen von Konsumwerten wiederfinden. Ein erwartbar zunehmender Wettbewerb seitens chinesischer Unternehmen auf europäischen Märkten kann hier geringere Kosten, aber auch verdrängenden Wettbewerb bedeuten. Im Ausmaß abhängig von den jeweiligen Lieferketten sollten Industrieunternehmen in der Region am stärksten betroffen sein.

Pharmawerte haben gute Chancen, weiterhin weitestgehend von Zöllen ausgenommen zu bleiben. Energie-, Versorger- und Telekommunikationswerte mögen sich mit schwächerer Nachfrage konfrontiert sehen, sollten aber im Vergleich noch die geringsten Auswirkungen verspüren.

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