updated 8:02 AM, Oct 19, 2021 Europe/Vienna
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Warten, warten, warten...

Seit mehr als einem Jahr sucht Rachel nun einen Installateur. Die Wasserleitung in ihrem Haus in Connecticut ist undicht geworden und es braucht einen Profi, um das System wieder zum Laufen zu bringen. »Zuerst wollte keiner kommen. Es war Pandemie. Dann waren alle für Monate ausgebucht. Schließlich kam Ida und jetzt habe ich die Suche aufgegeben«, klagt Rachel.
Der Orkan Ida zog Anfang September eine Schneise der Verwüstung durch die Ostküste der USA. 50 Menschen starben. Rund 1.200 Häuser wurden schwer beschädigt, Keller geflutet, Dächer abgedeckt.

Wer bei einem Handwerker anruft, landet meist beim automatischen Anrufbeantworter, der brav die Nachricht aufnimmt und einen Rückruf verspricht. Der Rückruf kommt aber nicht.
»Wir können uns nicht vierteilen«, meint Glenn, ein Dachdecker aus New Jersey. »Aber selbst wenn wir es könnten, wäre es noch zu wenig.«

Manche seiner Berufskollegen haben zu einer radikalen Maßnahme gegriffen. Sie haben den Anrufbeantworter abgedreht, weil sie ohnedies nicht mehr dazukommen, die vielen Nachrichten überhaupt abzuhören.
Dabei war es vor Ida schon richtig schwierig, überhaupt an Baumaterialien zu kommen. Holz und Stahlpreise gingen durch die Decke.

Produktion gedrosselt

Im Mai kostete in den USA ein Festmeter Holz 743 USD, Anfang September sank der Preis auf 260 USD. Ein wilder Ritt.
Die Sägewerke hatten während der Pandemie einen Rückgang des Bauvolumens erwartet und ihre Produktion gedrosselt. Nur der Rückgang kam nicht, im Gegenteil: Die Neubautätigkeit in den USA blieb auf Vor-Covid-Niveau und der Sanierungsbereich erlebte sogar einen Aufschwung.

Die Folge: 95 Prozent der Baubetriebe berichteten laut Nation Association of Homebuilders von Knappheit bei Bauholz, 92 Prozent gingen die OSB-Platten aus, fast ebenso viele warteten ewig auf Sperrholz. Viele erlebten Lieferschwierigkeiten bei Fenstern und Türen (87 %), bei Bewehrungseisen (78 %), Kupferdrähten (77 %) oder Gipskartonplatten und Stahl (70 %).

Rasanter Preisanstieg

Bauen kostet mehr und es dauert viel länger. Die Hauspreise steigen rasant, übers Jahr gesehen um 20 Prozent (Quelle: Freddy Mac House Price Index). Um das in Relation zu setzen: In den vergangenen zehn Jahren betrug der Preisanstieg 100 Prozent.
Der Boom bricht alle Rekorde, aber es zeigen sich erste Zeichen des Widerstands. Im Juli sank die Zahl der verkauften Häuser um rund 1,8 Prozent und auch die ersten für August vorliegenden Zahlen zeigen:
Die Käufer halten sich zunehmend zurück und denken sich: Was rauf geht, kommt auch wieder runter, und warten zu.

Das scheint die richtige Strategie zu sein: Der Preis für jedes sechste am Markt befindliche Haus wurde im August gesenkt. Der Verkäufer musste es billiger geben.
Aber die Geschwindigkeit mit der verkauft wird, ist immer noch atemberaubend. Ein Haus, das heute auf den Markt gebracht wird, hat in 39 Tagen einen neuen Besitzer. Rekordverdächtig! Nur eines darf dem stolzen, neuen Hauseigentümer nicht passieren: eine undichte Wasserleitung. Dann braucht er einen Installateur und auf den muss er warten – eine Ewigkeit.

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