Mittwoch, Oktober 14, 2026

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Bau | Immobilien

Kari Ochsner, Geschäftsführer von Ochsner Wärmepumpen und Präsident der Industri­ellenvereinigung Niederösterreich, spricht im Interview mit dem Bau & Immobilien Report über Förderpolitik, den Sanierungsstau und die gefährdete Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Österreich.

Kari Ochsner vor Logo Industriellenvereinigung NÖ
Fotocredit: Marius Hoefinger

Bild: »In der Vergangenheit war die Förderquote teilweise sicher zu hoch. Die Antwort darauf kann aber nicht sein, überhaupt keine Anreize mehr zu setzen. Vielmehr müssen sie langfristig verfügbar, treffsicher und angemessen dimensioniert sein«, sagt Kari Ochsner.

Herr Ochsner, wenn für ein unsaniertes Einfamilienhaus nur ein begrenztes Budget vorhanden ist: Sollte man nicht zuerst die Gebäudehülle verbessern bevor man die Heizung tauscht?

Kari Ochsner: Das sehe ich wenig überraschend nicht so (lacht). Aus dem einfachen Grund, dass man den Heizungstausch sofort spürt. Wenn ich am Gebäude sonst nichts verändere und nur die Heizung tausche, kann ich unmittelbar 30 bis 40 Prozent der Heizkosten einsparen.

Kritiker sagen, eine Wärmepumpe in einem schlecht gedämmten Gebäude sei energetisch und wirtschaftlich nicht sinnvoll. Was entgegnen Sie?

Kari Ochsner: Moderne Wärmepumpen arbeiten modulierend und passen ihre Leistung dem tatsächlichen Bedarf an. Wenn ich später die oberste Geschoßdecke dämme, die Fenster tausche oder andere Maßnahmen an der Gebäudehülle setze, läuft die Wärmepumpe entsprechend weniger und benötigt noch weniger Strom. Das Argument, sie wäre nach einer späteren Dämmung automatisch überdimensioniert, greift daher bei heutigen Geräten zu kurz. Für mich kommt noch ein zweiter Punkt hinzu: Mit dem Heizungstausch mache ich mich sofort unabhängiger von Öl und Gas und damit von Lieferungen aus Drittstaaten. Trotzdem halte ich nichts davon, Heizungstausch und Dämmung gegeneinander auszuspielen. Wir brauchen intelligente energetische Gesamtkonzepte. Dämmung, Fenstertausch und andere Maßnahmen sind natürlich sinnvoll. Wenn ich aber entscheiden muss, womit ich bei meinem eigenen Haus beginne, nehme ich zuerst die fossile Heizung heraus.

Welche Voraussetzungen muss ein Bestandsgebäude erfüllen, damit eine Wärmepumpe effizient funktioniert?

Ochsner: Es gibt einen einfachen Praxistest: Wer heute mit Öl oder Gas heizt, kann die Vorlauftemperatur auf etwa 45 bis 55 Grad reduzieren und die Nachtabsenkung deaktivieren. Bleibt es bei kontinuierlichem Betrieb ausreichend warm, ist das ein guter Hinweis, dass eine Wärmepumpe im Bestand funktionieren kann. Wärmeempfinden ist schließlich subjektiv: Manche Menschen fühlen sich bei 19 Grad wohl, andere möchten 21 oder 23 Grad. Wichtig ist auch, sich vom veralteten Prinzip zu lösen, Räume mit sehr hohen Temperaturen aufzuheizen und die Heizung anschließend wieder abzuschalten. Ein kontinuierlicher Betrieb mit niedrigerer Vorlauftemperatur ist energetisch sinnvoller. Moderne Wärmepumpen können außerdem deutlich höhere Temperaturen effizient bereitstellen. Entscheidend ist daher immer die konkrete Anlage, nicht allein das Baujahr des Hauses.

Im Februar wurde der Sanierungsbonus für thermische Maßnahmen kurzfristig beendet, um Mittel für den Kesseltausch zu sichern. Verstehen Sie den Ärger der Dämmstoffindustrie darüber?

Ochsner: Der erste große Vertrauensbruch fand bereits am Ende der vorigen Bundesregierung statt, als der Fördertopf kurz vor Weihnachten praktisch von heute auf morgen geschlossen wurde. Das traf die gesamte Branche unvorbereitet. Danach dauerte es viel zu lange, bis wieder neue Investitionsanreize geschaffen wurden. Beim jüngsten Stopp war die Ausgangslage etwas anders: Der gemeinsame Topf war anfangs sehr stark durch Dämm- und Fensterprojekte ausgeschöpft worden, während vergleichsweise wenig in den Heizungstausch floss. Deshalb wurde gegengesteuert. Das grundsätzliche Problem ist aber nicht, welche Branche welchen Anteil erhält, sondern dass insgesamt zu wenig Geld zur Verfügung steht. Die Sanierungsrate ist viel zu niedrig und der Gebäudebestand altert. Österreich muss dringend mehr in seine Erneuerung investieren – bei der Hülle ebenso wie bei der Wärmeerzeugung.

War es richtig, die Mittel für thermische Sanierungen und Kesseltausch künftig zu trennen?

Ochsner: Ja, weil dadurch verhindert wird, dass der Topf einseitig ausgeschöpft wird. Dann gibt es für beide Bereiche ein definiertes Budget. Die vorgesehenen Summen bleiben aus meiner Sicht allerdings zu gering. Gerade bei knappen öffentlichen Budgets darf man nicht die Branchen um einen zu kleinen Topf kämpfen lassen. Der Staat muss größere Reformen bei Pensionen, Gesundheit und Sozialsystem angehen. Dadurch könnten Spielräume für Investitionen entstehen, die uns energiepolitisch unabhängiger machen und gleichzeitig die unter Druck stehende Bauwirtschaft beleben.

Kritiker warnen bei Förderprogrammen vor Mitnahmeeffekten.

Ochsner: Ich spreche lieber von Investitionsanreizen als von Förderungen. Gut gesetzte Anreize lösen Investitionen aus, schaffen Beschäftigung und fließen über Steuern teilweise wieder an den Staat zurück. Sie können daher auch für den Steuerzahler ein gutes Geschäft sein. In der Vergangenheit gab es allerdings Förderquoten von bis zu 75 Prozent. Das halte ich für überzogen. Dadurch sind die Budgets schnell aufgebraucht und es fehlt eine langfristig stabile Struktur. Man muss außerdem verhindern, dass Programme ausgenutzt werden und Geschäftsmodelle auf Kosten der Steuerzahler entstehen. Die Antwort darauf kann aber nicht sein, überhaupt keine Anreize mehr zu setzen. Sie müssen vielmehr langfristig verfügbar, treffsicher und angemessen dimensioniert sein.

Wie beurteilen Sie als Präsident der Industriellenvereinigung Niederösterreich die Rahmenbedingungen für Green-Tech-Unternehmen?

Ochsner: Bei Forschung und Entwicklung ist Österreich gut aufgestellt. Auch das gesellschaftliche Verständnis für Nachhaltigkeit und Klimaschutz ist hoch. Nicht wettbewerbsfähig sind hingegen die industriellen Produktionsbedingungen: Energie- und Arbeitskosten sind zu hoch, die Bürokratie ist zu aufwendig. Hier braucht es Reformen. Der Staat kann etwa die Lohnnebenkosten senken. Wir sollten außerdem über eine schrittweise Verlängerung der Lebensarbeitszeit, eine zusätzliche Wochenarbeitsstunde und auch über die hohe Zahl an Feiertagen diskutieren. Niemandem soll etwas weggenommen werden. Wenn wir unsere guten Gesundheits- und Sozialsysteme dauerhaft finanzieren wollen, müssen wir sie aber treffsicherer gestalten und Missbrauch verhindern. Dafür braucht die Politik Mut.

Was tut Ochsner selbst, um die Produktivität zu erhöhen?

Ochsner: Wir investieren stark in Automatisierung. In unseren neuen Werken liegt der Personalkostenanteil am Produkt bei weniger als zehn Prozent. Außerdem nutzen wir künstliche Intelligenz, um bislang manuelle Prozesse zu automatisieren. Trotzdem treffen uns die stark gestiegenen Lohn- und Gehaltskosten. Ein exportorientierter Industriebetrieb kann diese Mehrkosten nicht einfach über höhere Preise weitergeben, weil er mit Anbietern aus China, Indien, den USA oder Mexiko konkurriert. Wir müssen deshalb leider Personal abbauen und die Produktivität weiter steigern.

Droht auch eine Verlagerung der Produktion ins Ausland?

Ochsner: Aufgrund unserer hohen Automatisierung und der Investitionen in unsere Werke steht das aktuell nicht bevor. Wir beobachten aber genau, ob die Bundesregierung in den kommenden Jahren die notwendigen Reformen umsetzt. Auf dieser Grundlage werden wir künftige Standortentscheidungen treffen. So wie wir denken derzeit viele Unternehmen in Österreich. Niemand möchte Produktion verlagern. Wenn die internationale Wettbewerbsfähigkeit nicht mehr gegeben ist, bleibt Unternehmen irgendwann aber keine andere Wahl.

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