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Das Gebäude weiß, was es braucht
Die drei Gründer des Start-ups Optimuse über KI, Gebäudedaten und neue Entscheidungsqualität in Planung und Betrieb.
Wenn Sie Optimuse in wenigen Sätzen erklären müssten: Was macht Ihr Unternehmen?
Dominik Pezzei: Optimuse ist ein Technologieunternehmen, das sich damit beschäftigt, Gebäude besser zu verstehen. Ziel ist es, Gebäude wirtschaftlicher zu planen, zu errichten und zu betreiben.
Felix M. Hoffer: Ergänzend dazu betrachten wir nicht nur den Neubau, sondern auch den Bestand. Wir analysieren Gebäude auf Basis von Live-Daten über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg und zeigen auf, wie sie langfristig optimiert werden können.
Wodurch unterscheidet sich Optimuse von anderen KI-Lösungen im Markt?
Hoffer: Ein zentraler Punkt ist Transparenz. Wir arbeiten mit realen Simulationsdaten und geben den Nutzern nachvollziehbare Ergebnisse.
Fabian Pitscheider: Unsere Basis sind klassische Ingenieurmethoden. Wir nutzen etablierte Simulations-Engines, wie sie auch in der Industrie eingesetzt werden, und haben diese in eine Cloud-Umgebung überführt. Künstliche Intelligenz greift darauf zu, strukturiert die oft unübersichtlichen Gebäudedaten in sogenannten Knowledge Graphs und macht sie auswertbar. Dadurch erreichen wir eine Qualität, die mit klassischer Ingenieurarbeit vergleichbar ist – nur deutlich schneller und mit wesentlich mehr Varianten.
Lässt sich dieser Mehrwert auch in Zahlen fassen?
Pezzei: Der größte Hebel liegt nicht primär in der Geschwindigkeit, sondern im Ergebnis. Wir können eine Vielzahl von Varianten durchrechnen, etwa bei Heizsystemen oder technischen Anlagen. Dadurch identifizieren wir die optimale Lösung für ein konkretes Gebäude. In der Praxis sehen wir Einsparpotenziale von rund zehn Prozent bei den Investitionskosten im Neubau und bis zu 30 Prozent bei den Betriebskosten.
Übernimmt damit die KI Aufgaben, die früher Planer oder Ingenieure erfüllt haben?
Pitscheider: Sie übernimmt die Arbeit, die kein Planer gern macht – Daten sammeln, strukturieren, fehlende Werte ergänzen, hunderte Szenarien durchrechnen. Das ist kein kreativer Akt, das ist Volumenarbeit. Genau dort setzen wir die KI ein. Das Fachurteil bleibt bei unseren Bauphysikern und TGA Experten, die unsere Modelle trainiert haben und am Ende den Qualitätscheck machen. Planer und Ingenieure werden dadurch nicht ersetzt – sie kommen früher zu belastbaren Ergebnissen.
Welche Rolle spielt dabei die KI konkret?
Hoffer: Die KI verarbeitet und strukturiert große Datenmengen und unterstützt bei der Entscheidungsfindung. Die eigentlichen Berechnungen erfolgen aber weiterhin auf Basis etablierter Ingenieurmethoden. Wir kombinieren also KI mit klassischer Simulation.
Pezzei: Das ist wichtig, weil unsere Ergebnisse keine Blackbox sind. Kunden können jederzeit nachvollziehen, wie ein Ergebnis zustande gekommen ist.
Der KI-Hype ist groß. Gibt es auch überzogene Erwartungen?
Pitscheider: Am Ende bleibt die Physik die Grundlage. KI kann keine beliebigen Ergebnisse erzeugen. Einsparungen müssen physikalisch möglich sein. Der große Vorteil liegt in der Geschwindigkeit und in der Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge sichtbar zu machen.
Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Ihren Kunden konkret?
Pezzei: Wir liefern Ergebnisse. Kunden laden ihre Daten hoch, definieren ihre Ziele und erhalten konkrete Handlungsempfehlungen. Sie müssen sich nicht tief in Software einarbeiten.
Pitscheider: Je nach Kunde begleiten wir den Prozess auch intensiver oder liefern zusätzliche Expertise. Wir begleiten den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes – von der Planung bis zum Betrieb. Der größte Hebel liegt allerdings in der frühen Planungsphase.
Das Thema »mehr Planung, weniger Fehler« ist nicht neu. Ändert sich hier gerade etwas?
Pitscheider: Ja, deutlich. Technologien wie unsere ermöglichen es erstmals, sehr früh fundierte Entscheidungen zu treffen. BIM bleibt dabei wichtig, ist aber eher ein Umsetzungswerkzeug. Die entscheidenden Weichen werden davor gestellt.
Heißt das, BIM ist aus Ihrer Sicht ein Auslaufmodell?
Pitscheider: Nein. BIM ist sinnvoll, weil es strukturiertes Arbeiten ermöglicht. Aber KI erweitert die Möglichkeiten, insbesondere in der frühen Phase, in der Varianten analysiert werden.
Die Bauwirtschaft gilt oft als zurückhaltend bei Innovationen. Teilen Sie diese Einschätzung?
Pezzei: Teilweise. Ein Problem war, dass viele Lösungen nicht ausgereift waren. Gleichzeitig erschweren unterschiedliche Standards die Integration neuer Technologien.
Pitscheider: Hinzu kommt, dass die Branche mit Prototypen arbeitet. Das macht Standardisierung schwieriger – eröffnet aber auch Chancen für flexible Lösungen wie unsere.
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