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Beton ist wichtiger Bestandteil des Wiener Hochwasserschutzes
Wien wappnet sich für Extremwetterereignisse. Dafür werden bis Ende 2026 die Rückhaltebecken in Auhof aufwendig saniert und ausgebaut, vorwiegend mit dem Baustoff Beton.
Bild: Der Ausbau der Hochwasserrückhaltebecken in Auhof wird Ende 2026 abgeschlossen (Foto: Stefan Seelig).
Mit dem Klimawandel steigt auch in Österreich die Gefahr von Extremwetterereignissen. Spätestens das Hochwasser im September 2024 hat gezeigt, wie wichtig die Vorsorge ist – die Rückhaltebecken in Auhof entlang des Wienflusses im Westen Wiens füllten sich damals innerhalb von nur zwei Stunden vollständig mit rund einer Million Kubikmeter Wasser.
Sanierung mit neuer Dringlichkeit
Die im Jänner 2024 begonnene Sanierung der denkmalgeschützten Rückhaltebecken an der Grenze zwischen den Wiener Gemeindebezirken Hietzing und Penzing erhielt nach dem Hochwasser im September 2024 eine noch höhere Priorität. Die Retentionsbecken in Auhof halten bei Hochwasser die Wassermassen so lange zurück, bis der Pegel wieder sinkt und der Wienfluss zusätzliches Wasser aufnehmen kann. „Der Retentionsraum in Auhof bildet mit seinen sechs Rückhaltebecken und einer Kapazität von fast 1,2 Millionen Kubikmeter einen zentralen Schutzwall für die Stadt“, erklärt Gerald Loew, Leiter der Magistratsabteilung MA 45 – Wiener Gewässer der Stadt Wien.
Für die Errichtung der 8,5 Meter hohen Mauern der Retentionsbecken kam schon 1899 im Zuge der Wienflussregulierung nur der Baustoff Beton in Frage. „Beton bewährt sich seit vielen Jahrzehnten als verlässlicher und wartungsarmer Baustoff. Er eignet sich nicht nur für Rückhaltebecken wie hier in Auhof, sondern kommt auch bei Entlastungskanälen, Dämmen und Staumauern zum Einsatz“, so Anton Glasmaier, Vorstandsvorsitzender von Beton Dialog Österreich. „Eine seiner Stärken ist, dass er wasserundurchlässig ausgeführt werden kann. Damit bietet Beton Schutz vor Feuchtigkeit und drückendem Wasser – und das für mindestens 50 Jahre“, erklärt Haimo Primas, Präsident der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie. Beweis dafür ist, dass die ursprünglichen Mauern seit ihrer Errichtung vor mehr als 120 Jahren kaum saniert werden mussten.
Instandsetzung und Erweiterung der historischen Bauwerke
Um die Struktur nach dem Hochwasser 2024 dauerhaft zu sichern, entschied sich die zuständige Fachabteilung Wiener Gewässer für eine umfangreiche Sanierung. Altersbedingte Schäden wie Hohlstellen, Risse und Abplatzungen wurden behoben sowie die bestehenden Becken mit einer wasserundurchlässigen Stahlbeton-Vorsatzschale in einem Volumen von rund 11.000 Kubikmeter Beton umschlossen.
Durch diese Maßnahme bleibt die historische Substanz der Retentionsbecken erhalten und die Lebensdauer der Bauwerke wird für Jahrzehnte verlängert. Zudem werden die Becken vertieft und die Wehre sowie die Trennmauer aus Beton um mindestens 50 Zentimeter erhöht. „Grundlage dafür bildeten 2D-hydraulische Abflussmodellierungen, die das maximal verfügbare Retentionsvolumen ermitteln“, erklärt Stefan Pagger, der zuständige Ausführungsplaner bei PULSE Engineering, dem Unternehmen, das mit der Sanierung in Auhof beauftragt war. Weitere Sanierungsarbeiten beinhalten u. a. die Instandsetzung und Erhöhung der sechs Wehrschwellen und der Trennmauer zwischen dem Retentionsraum und das Hauptgerinne des Wienflusses um 25 bis 75 cm in einer Länge von 1,2 Kilometern.
Durch den Ausbau des Hochwasserschutzes in Auhof ist Wien in diesem Bereich des Wienflusses nun für ein 5.000-jährliches Hochwasser gerüstet. Das Investitionsvolumen am Retentionsbecken in Auhof beläuft sich auf rund 30 Millionen Euro, die Sanierungsarbeiten werden bis Ende 2026 abgeschlossen.
Beton als bewährter Baustoff für Schutzbauten
Auch bei weiteren Infrastruktur- und Hochwasserschutzprojekten der Stadt spielt Beton eine Schlüsselrolle – etwa beim Ausbau des Wientalkanals: Bis Mitte 2026 werden 43.000 Stahlbeton-Segmente den 8,6 Kilometer langen Wiental-Kanal verstärken und so das Kanalnetz bei Starkregenereignissen entlasten.
Lebensraum für zahlreiche Tierarten
Abseits ihrer technischen Funktion sind die Rückhaltebecken in Auhof auch ein wertvolles Naturbiotop. Bei Niedrigwasser bilden sie das größte Feuchtgebiet im Westen Wiens. Durch den Wechsel zwischen Trocken- und Hochwasserphasen haben sich hier naturnahe Lebensräume entwickelt – unter anderem für Biber, Bisamratten, Fischotter und rund 120 Vogelarten, darunter Eisvögel, Schwarzstörche sowie Schilf- und Drosselrohrsänger. Im Zuge des Ausbaus werden u. a. 250 Kubikmeter Amphibientümpel errichtet sowie 24 Stück Fledermauskästen aufgestellt.
Eckdaten Rückhaltebecken Auhof
|
Errichtung |
1895–1899 |
|
Längserstreckung |
rd. 1200 m Trennmauer, 6 Wehre |
|
Anzahl Retentionsbecken |
6 |
|
Höhe der Beckenmauern nach Ausbau |
8,5 Meter |
|
Speicherraum nach Ausbau |
1.160.000 m³ |

Gerald Loew (MA 45 – Wiener Gewässer), Haimo Primas (Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie), Stefan Pagger (PULSE Engineering), Anton Glasmaier (Beton Dialog Österreich), und Martin Jank (Wiener Gewässer Management) auf der Baustelle in Auhof (Foto: Stefan Seelig).
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