Dienstag, September 15, 2026

Mehrwert für Manager

Ticker

Wer haftet für die verliebte AI?

Systeme mit künstlicher Intelligenz werfen in der Praxis auch Haftungsfragen auf. Welche Parallelen hier zur Tierhalter- und Gefährdungshaftung gezogen werden können, beantwortet in einem Kommentar Katharina Bisset.

Stellen wir uns vor, eine AI ist ein junger Hund, nennen wir ihn Finn. Die Hundehalterin hat sich die Rasse ausgesucht, nach den Eigenschaften und dem Charakter der Eltern. Die Züchter haben auf Erbkrankheiten und vieles mehr geachtet. Finn hat auch schon viel gelernt – zum Beispiel war er in der Hundeschule. Die Trainer dort haben ihm auf Basis ihrer Erfahrung viel beigebracht, zum Beispiel funktioniert das Kommando »Sitz« schon ausgezeichnet. Bisher funktioniert auch alles gut, Finn hatte keine negativen Erfahrungen. Bis eines Tages eine hübsche Hundedame seinen Weg kreuzt – und Finn alles vergisst, was er jemals gelernt hatte. Was bedeutet das für künstliche Intelligenz in der Praxis? Wer haftet für Schaden durch eine AI?

Wenn Haftung geprüft wird, stellt man sich insbesondere folgende Fragen, aber bei AI gibt es einige Unsicherheiten:

Gibt es einen Schaden?

Das ist meistens das kleinste Problem.

Wer hat den Schaden verursacht?

War die Handlung kausal für den Schaden? Hier wird es spannender – je weniger man von einer AI versteht, umso weniger kann beurteilt werden, wo der Fehler lag. War es der Hersteller, der etwas falsch produziert hat? Der Eigentümer oder Benützer, der die AI falsch eingesetzt hat, oder die Person, die der AI etwas beigebracht hat? Hier ist es in der Praxis wichtig zu wissen, was passiert ist, und es im Streitfall beweisen zu können.

Wurde rechtswidrig gehandelt?

Das bedeutet, ob die Handlung, die den Schaden verursacht hat, gegen einen Vertrag, ein Gesetz oder die guten Sitten verstoßen hat. Da ist die Beurteilung nach allgemeinen Grundsätzen noch gut möglich, aber je mehr man hier in nicht regulierte Bereiche kommt, umso wichtiger ist es, diese Themen in einem Vertrag zu handeln.

Ist die Handlung vorwerfbar?

Trifft den Schädiger ein Verschulden? Gerade bei der Frage, ob ein Verhalten einem sorgfältigen Menschen auch passiert wäre, stößt man oft an die Grenzen der Technik. Bei Innovationen ist es oft schwer zu sagen, ob es fahrlässig ist, dass man eine bestimmte Technik noch nicht kennt, oder von einer neuen Gefahr noch nichts weiß. Der Sorgfaltsmaßstab wird aber höher anzusetzen sein, wenn ein Unternehmen beispielsweise auf die Erstellung von AI spezialisiert ist (Sachverständigenhaftung). Spannender wird die Frage, wenn eine Handlung eine Konsequenz hat, mit der man nicht rechnen konnte. Oft fällt man hier aber schon bei der Kausalität aus der Prüfung.

Als Konsequenz bedeutet das, im Gesetz wird man nicht immer alle Antworten finden. Umso wichtiger ist es, dass diese Punkte in Verträgen mitgedacht werden – insbesondere zwischen dem Hersteller der AI und seinen Kunden.

Für Finn und seine Halterin heißt das: Wenn er der Hündin nachläuft und einen Schaden verursacht, stellt man sich die Frage, ob man damit rechnen konnte, ob man Vorkehrungsmaßnahmen treffen musste – stärkere Leine – und ob eine sorgfältigere Hundehalterin auf diese Dinge geachtet hätte.
Hier ist der Gesetzgeber gefordert. In der Praxis werden viele Haftungsthemen an dem praktischen Problem scheitern, dass man bei selbstlernenden AI oft nicht weiß, wie es zu einer Entscheidung kam und was diese beeinflusst hat.

Es gibt zwei Konzepte, die hier gut passen könnten – einerseits die Tierhalterhaftung, die besagt, dass der Halter dafür Sorge tragen muss, dass ein Tier keinen Dritten schädigt. Hier gibt es Spielraum für außergewöhnliche Umstände, aber der Halter haftet grundsätzlich mehr. Ähnlich verhält es sich bei einer Gefährdungshaftung, die zum Beispiel beim Betrieb eines Kfz, Eisenbahn und vieles mehr greift. Hier ist der Sorgfaltsmaßstab dessen, der ein Auto fährt, viel höher als bei einer normalen Haftung. Das Prinzip dahinter ist: Wenn man eine gefährliche Tätigkeit durchführt und auch die Vorteile daraus hat, muss man auch sorgfältiger sein. Bei selbstfahrenden Autos wird es dann noch um eine Stufe spannender.

In jedem Fall gilt: Je mehr man versteht und beweisen kann – desto besser!

Illustration: Katharina Bisset

×
Stay Informed

When you subscribe to the blog, we will send you an e-mail when there are new updates on the site so you wouldn't miss them.

Sand im Getriebe
Scherbenhaufen USA

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://www.report.at/

Firmen | News

Firmen | News
15 September 2026
Firmen | News
In vielen Unternehmen werden Werbeartikel noch immer kurzfristig bestellt: Eine Messe steht bevor, ein Kundenevent braucht Material oder ein Onboarding-Paket soll ergänzt werden. Dann beginnt die Suche unter Zeitdruck, Stückpreise rücken in den Vorde...
AWS (Amazon Web Services)
14 September 2026
Firmen | News
Die smarte Leckageortung in Frankfurt und ein Renaturierungsprojekt mit EcoTree sind Teil der transparent kommunizierten globalen Wasserstrategie von Amazon Web Services (AWS). Wasser wird in vielen Regionen zur knappen Ressource – auch dort, wo Amaz...
Salesforce
14 September 2026
Firmen | News
Im Vorfeld der Dreamforce vom 15. bis 17. September in San Francisco hat Salesforce Slackforce Surfaces vorgestellt: Eine einfache Anfrage an Slackbot genügt, um in Slack auf Basis vorhandener Unternehmensdaten Dashboards, Reports und Management-Präs...
AWS (Amazon Web Services)
07 September 2026
Firmen | News
Cloud- und KI-Technologien von Amazon Web Services (AWS) ermöglichen schnellere Diagnosen, unterstützen die Entwicklung gezielter Therapien und verbessern so die Versorgung von mehr als 300 Millionen Betroffenen weltweit. Die Weltgesundheitsorganisat...

Neue Blog Beiträge

15 September 2026
Qualität und Effizienz
Unternehmen und Mitarbeitende agieren in einer sich stark verändernden Arbeitswelt. Damit Veränderungen erfolgreich gestaltet und umgesetzt werden können, bedarf es einer flexiblen, individuellen und leicht integrierbaren Weiterbildung. Quality Austr...
14 September 2026
Intelligente Netze
Mensch und Gesellschaft
„Ein Mensch prüft das Ergebnis." Mit diesem Satz endet fast jede KI-Governance, die mir auf den Tisch kommt. Er steht in Konzepten, in Freigaberegelungen, in Präsentationen für den Vorstand, und er beruhigt zuverlässig alle im Raum. Ob dieser Mensch ...
14 September 2026
Intelligente Netze
Europa
Am 10. September 2026 hat Anthropic seinen bisher ausführlichsten Bericht über den Missbrauch der eigenen KI-Modelle veröffentlicht: „Detecting and countering misuse of AI: September 2026" (vollständiger Bericht als PDF). Er beschreibt Fälle, die das...