Sunday, February 22, 2026

Mehrwert für Manager

Ticker

Ein Bauernopfer ist nicht genug

Wirtschaftskammer: Es wäre klug, zu signifikanten Erneu­erungsschritten zu wechseln. Ein Kommentar von Stephan Blahut, Generalsekretär des Österreichischen Gewerbe­vereines.

Eines vorweg: Ich mag Harald Mahrer. Er ist ein kluger Mensch. Aber es ist schon auch so, dass sein alter Spirit, große Veränderungen/Verbesserungen anzustoßen mit Amtsantritt, verloren gegangen ist. Bis zuletzt hat er Reformen versprochen, die es dann doch nicht wirklich gab. Mit seinem Abgang hat er den Stauts quo beschützt, statt die Chance dieser Krise zu ergreifen und zu nützen. In gewisser Weise lässt er damit viele Mitarbeitende, die sich jeden Tag mit viel Energie für die Mitglieder einsetzen, im Regen stehen.

Die Wirtschaftskammer möchte jetzt mit dem Wechsel an der Spitze – dem einzigen Wechsel – ihr Ansehen bei den Mitgliedern retten. Doch die Kammer täuscht sich, wenn es bei diesem durchsichtigen Manöver bliebe. Man kann ein solches Bauernopfer bringen, aber man sollte auch verstehen, dass es tiefgreifende Veränderungen braucht. Nähe zu Mitgliedern und praxisnahes Verständnis für deren wirtschaftliche Realität sehen anders aus.


Die Kammer könnte Fahnenträgerin der Zukunftschancen sein. Das tut sie bislang nicht, sie möchte lieber Altes bewahren. Unternehmende warten zu oft vergeblich auf »innovative unternehmerische Interventionen« im politischen Entscheidungsprozess. Die Sinnfrage wäre zu stellen: Praktisch: Sie sitzt auf Milliarden und wartet bis heute noch immer auf eine große Krise, um die Reserven zu nutzen. Inhaltlich: Welche dynamischen Treiber künftiger Entwicklungen unterstützt sie aktiv?


Neuerfindung? Zwei Beispiele
Die Liechtensteinische Wirtschaftskammer musste nach jahrzehntelangem Abwehrkampf, die Pflichtmitgliedschaft vor etwa 15 Jahren aufgeben. Sie zeigt nach einer Neuausrichtung auf die tatsächlichen Bedürfnisse, dass immer noch fast alle Betriebe als freiwillige Mitglieder (wieder) dabei sind. Transparenz und Qualität erarbeiten und bestärken Vertrauen. Oder die katholische Kirche in Italien. 1985 stellte das Land von der Pflichtkirchensteuer auf den »otto per mille« um: jede:r Steuerzahler:in bestimmt selbst, welche soziale oder kirchliche Organisation diese acht Promille erhalten soll. Das Ergebnis: Nach einer fulminanten Informationskampagne, kann die Kirche sogar auf höhere Beiträge zählen.

Transparenz und Mission sind wirkmächtig. Mit einer gewissen Ironie schreibe ich aus einer Organisation heraus, die ebenfalls alle Hände voll zu tun hat, Sinnstiftung und Qualität zu liefern, um für ihre Mitglieder attraktiv zu sein. Einer Organisation, die sich einst auch der Aufgabe widmete, die Handelskammer in Wien zu gründen, zu fördern und deren ersten Präsaidenten in Personalunion zu stellen. Seitdem ist viel passiert, auch in der Art, wie wir Unternehmen führen.

Erster Schritt: Entlasst EPU und KKMU aus der Kammerpflicht!
Es wäre also klug, vom Lösungsansatz ›Bauernopfer‹ zu signifikanten Erneuerungsschritten zu wechseln und die Kammern auf das Nötigste zu reduzieren. Man muss ja nicht das Kind mit dem Bade ausschütten, aber ein erster Schritt könnte beispielsweise sein, die EPU und die kleinsten KMU vom Zwang, dabei sein zu müssen, zu entbinden.

Das wäre ein starkes Zeichen für Vertrauen, Eigenverantwortung und eine moderne Interessensvertretung. Dann könnten auch Relikte wie dem Verfassungsrang der Kammern beiseite gelegt werden und die Gewohnheit, dass Kammervertreter gleichzeitig als Nationalratsabgeordnete und Lobbyisten aktiv sind, hielte keinem seriösen, demokratiepolitischen Maß mehr stand. Glück auf!

Bild: Stephan Blahut ist Generalsekretär des Österreichischen Gewerbe­vereines. (Foto: Lena Horvath)

×
Stay Informed

When you subscribe to the blog, we will send you an e-mail when there are new updates on the site so you wouldn't miss them.

Klarheit baut am besten
Zukunftsfit Bauen: heute bauen, morgen profitieren

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://www.report.at/

Firmen | News

Marija Kotnig
20 February 2026
Firmen | News
Ende letzten Jahres wurden aktuelle Wirkfaktoren in der Carbon Footprint Berechnung für Österreich und Deutschland veröffentlicht. Für Unternehmen ist das Wissen über die aktuellsten Faktoren entscheidend, um diese in der Treibhausgasbilanzierung ber...
Vertiv
20 February 2026
Firmen | News
Der Energiebedarf von Rechenzentren wächst rasant. Künstliche Intelligenz (KI), High-Performance-Computing und datenintensive Anwendungen treiben die Leistungsanforderungen kontinuierlich nach oben. Gleichzeitig verschärfen sich Umweltauflagen, und U...
Firmen | News
19 February 2026
Firmen | News
Bewegung verbindet Menschen auf eine tiefgreifende und unmittelbare Weise miteinander, die Worte allein nur selten erreichen können, weil sie direkt auf einer körperlichen und emotionalen Ebene wirkt. Wenn Kolleginnen und Kollegen gemeinsam rhythmisc...
Vertiv
19 February 2026
Firmen | News
Vertiv™ Next Predict ist ein neuer KI-gestützter Managed Service, der Fachwissen aus der Praxis mit fortschrittlichen Algorithmen für maschinelles Lernen kombiniert, um Probleme zu antizipieren, bevor sie auftreten. Vertiv (NYSE: VRT), ein weltweit f...

Neue Blog Beiträge

16 February 2026
Markt und Marketing
Mensch und Gesellschaft
Warum Zukunft mehr mit Führung als mit Rahmenbedingungen zu tun hat? Wenn über Wettbewerbsfähigkeit gesprochen wird, richtet sich der Blick schnell auf die bekannten strukturellen Themen: Regulierung, Kapitalmärkte, fragmentierte Märkte oder langsame...
13 February 2026
Intelligente Netze
Markt und Marketing
Eine Markteinschätzung von Dominic Rizzo, Portfoliomanager der Global Technology Equity Strategy bei T. Rowe Price. KI sorgt für den größten Produktivitätsschub seit der Erfindung der Elektrizität, und wir stehen noch ganz am Anfang. Die Beweise...
12 February 2026
Europa
Mensch und Gesellschaft
Zwei exzellente Logiken. Ein System. Ein Widerspruch.Viele Organisationen und auch die Politik fordern Innovation. Viele Organisationen führen mit denselben Regeln wie die Produktion. Mehr Kontrolle. Mehr Druck. Mehr KPIs. Mehr Reporting. Und dann wu...