Samstag, Oktober 24, 2026

Mehrwert für Manager

Ticker

Homeoffice am Freitag – nicht gern gesehen

Im Zug einer Österreich-Studie haben wir zwölf Freiheitsgrade untersucht, die durch Arbeitgeber am mobilen Arbeitsplatz eingeräumt werden. Einer der Freiheitsgrade betrifft die Möglichkeit, auch Freitage für Homeoffice nutzen zu können. Viele Manager:innen und Management-Teams kostet es Überwindung, das zuzulassen.

Warum das Thema wichtig ist

Anderseits ist gerade der Freitag aus Sicht der Arbeitnehmer:innen oft ein beliebter Homeoffice-Tag. Ein Motiv dahinter: Durch Homeoffice am Freitag wird der Stress durch Pendeln vor dem Wochenende eliminiert. Oft bietet sich auch die Gelegenheit, an einem Freitag kürzer zu arbeiten oder nur die reguläre Arbeitszeit, ohne Überstunden. Damit lohnt sich der Wegfall von Pendelzeiten noch mehr, und der Weg führt direkter in die Erholungszeit am Wochenende.

Um zu verstehen, ob und wie gut für Arbeitnehmer:innen in Österreich Zugang zu diesem Freiheitsgrad besteht., haben wir die Teilnehmer:innen der Studie gebeten auf einer fünfstufigen Skala (Nie, Kaum, Gelegentlich, Häufig, Immer) anzugeben, in welcher Form die nachfolgende Aussage auf sie zutrifft: "Mein Arbeitgeber ermöglicht mir, sogar freitags mobil zu arbeiten."

Ergebnis

Allerdings zeigt unsere Untersuchung, dass 55% der Arbeitnehmer:innen, nicht die Möglichkeit eingeräumt bekommen, den Freitag als mobilen Arbeitstag zu nutzen oder ohne weitere Umstände als mobilen Arbeitstag zu nutzen (mögliche organisatorische Hürden). Auf der anderen Seite ist es 45% der Arbeitnehmer:innen gestattet, auch an Freitagen mobil zu arbeiten.

Mögliche Ursachen, Hintergründe und Ansatzpunkte für Veränderung

Welche betrieblichen Umstände können dazu führen, dass Freitage nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen als mobiler Arbeitstag in einem Betrieb genutzt werden können:

- Erste Möglichkeit: Die Nutzung von Freitagen für mobiles Arbeiten ist explizit untersagt.

- Oder eine Gangart "schärfer": Das Unternehmen definiert Freitag explizit als Präsenztage oder Büro-Meetingtage für alle Abteilungen. Einen Tag in der Woche als Meetingtag zu nutzen, birgt den Vorteil, dass dadurch die Infiltration der Arbeitswoche durch Meetings reduziert werden kann. Allerdings ist der Freitag als allgemeiner Meetingtag nicht die geschickteste Wahl. Denn To-Do's, die am Freitag vereinbart werden, bleiben dann erst einmal über das Wochenende liegen. Und am Montag herrschen schon wieder viele neue Prioritäten.

- Ein durchaus ähnlich gelagerter Fall: Die Policy für mobiles Arbeiten erlaubt mobiles Arbeiten an Freitagen, aber die Führungskraft übt Druck aus und sorgt dafür, dass es nicht oder selten dazu kommt.

- Oder: Es gibt keine Regelung zu dem Thema und die Führungskraft unterbindet die Nutzung von Freitagen als mobiler Arbeitstag.


Aber immerhin zeigt die Studie, dass ein relativ hoher Anteil von Arbeitnehmer:innen Freitage für mobiles Arbeiten nutzen können. Welche Rahmenbedingungen finden diese Gruppe in ihren Betrieben möglicherweise vor:

- Idealerweise gibt es eine betriebsweite Regelung, die mobiles Arbeiten an Freitag gestattet. Weshalb? Da – wie oben wahrscheinlich bereits deutlich wurde – in Abhängigkeit von der Einstellung der jeweiligen Führungskräfte das mobile Arbeiten an Freitagen sehr unterschiedlich innerhalb eines Betriebes oder einer Unternehmensorganisation gehandhabt wird. Dieser Umstand ist dem Betriebsklima nicht unbedingt zuträglich (Neid, Fairness, etc.).

- Es kann natürlich auch der Fall sein, dass der Punkt nicht geregelt ist und Führungskräfte mobiles Arbeiten an Freitagen in ihrem Einflussbereich dulden. Aber gerade in diesem Szenario besteht die Gefahr der uneinheitlichen Handhabung mit den entsprechenden Konsequenzen für das Betriebsklima.

- Was auch der Fall sein kann: Es besteht ein explizites Verbot. Dieses wird aber von einzelnen Führungskräften ignoriert. Das führt jedoch zu einer Schräglage. Denn das würde voraussetzen, dass die jeweilige Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter an einem Freitag oder an Freitagen mobil arbeitet und diesen Tag aber nicht als mobilen Arbeitstag dokumentiert und den Umstand verschleiert. Dies ist aus vielerlei Sicht nicht akzeptabel.


Die beste Variante ist wahrscheinlich, dass Thema "Mobiles Arbeiten an Freitagen" im Betrieb positiv zu regeln. Die Nutzung der Freitage also explizit zuzulassen. Damit wird eine einheitliche Linie sichergestellt. Allerdings kommt es bei der Umsetzung dieser Richtlinie oder Regelung den Führungskräften besondere Verantwortung zu, und zwar die, einen ausgewogenen Anwendungsmodus für diese Regelung im Team oder in der Abteilung sicherzustellen. D.h. nicht jeder Freitag ist mobiler Arbeitstag (keine Dauereinrichtung) beim einzelnen Mitarbeiter oder bei der einzelnen Mitarbeiterin. Alle im Team kommen rundum zum Zug. Der Freitag sollte idealerweise für mobiles Arbeiten genutzt werden, wenn es zu den erledigenden Aufgaben passt oder die privaten Umstände es im einen oder anderen Fall erfordern. Anderenfalls nicht. So kommt dem Freitag als mobiler Arbeitstag keine Sonderstellung im Vergleich zu den übrigen Wochentagen zu.

Warum soll mobiles Arbeiten an Freitagen nicht zur Dauereinrichtung werden? Weil bei nicht ausgewogener Nutzung es durchaus zu Missverständnissen zwischen Führungskraft und Mitarbeiter oder Mitarbeiterin kommen kann. Nehmen wir an, ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin nutzt den Freitag regelmäßig (dreimal oder viermal pro Monat) als mobilen Arbeitstag. Durch ein solches Verhaltensmuster besteht das Risiko, dass bei einer Führungskraft sehr schnell oder sehr direkt der Eindruck entsteht, dass es mobiles Arbeiten zur Wochenendverlängerung genutzt wird. Was ist die mögliche Ursache: Ausgangspunkt ist gegebenenfalls die Überlegung, dass der mobile Arbeitsplatz primär sehr bewusst zu bestimmten Zeiten für bestimmte Tätigkeiten gewählt werden soll, weil er der geeignetste Arbeitsplatz ist.

Ein Beispiel: Das Firmenbüro ist relativ laut und unruhig. Wenn Arbeiten anstehen, die einen hohen Grad an Konzentration erfordern, dann kann das Homeoffice gegebenenfalls die beste Wahl sein (natürlich nicht in der Pandemie in Kombination mit Homeschooling, etc.). Sekundärer Grund dafür, an einem bestimmten Tag mobil zu arbeiten, kann bessere Kompatibilität mit privaten Verpflichtungen sein, z.B. Betreuung eines kranken Kindes, wenn der Urlaub inklusive Pflegeurlaub bereits aufgebraucht ist und keine "Nanny" organisiert werden kann oder Annahme einer erwarteten Lieferung zuhause. Aber das sollte nur ein sekundärer Anlass sein.

Es ist aber eher unwahrscheinlich, dass einer der zwei zuvor genannten Gründe regelmäßig auf fast jeden Freitag zutrifft. Deswegen besteht das Risiko, dass sehr schnell der oben angesprochene Eindruck von Wochenendverlängerung bei Führungskräften entsteht, wenn der Freitag regelmäßig als Homeoffice-Tag genutzt wird. So kann es wichtig sein, derartige Bedenken im Team oder in der Abteilung von Anfang an auszuräumen, indem diese offen angesprochen werden. Und aber auch miteinander zu vereinbaren, dass mit Freitagen maßvoll und sehr bewusst als mobilem Arbeitstag umgegangen wird.

Über das Forschungsprojekt

Die Studie wurde als gemeinsames Forschungsprojekt der FH des BFI Wien und der IMC FH Krems durchgeführt. Das Forschungsteam: Laura Dörfler (FH des BFI Wien), Michael Bartz (IMC FH Krems), Christopher Schwand (IMC FH Krems), David Strauß (FH des BFI Wien). Finanziert wurde einjährige Forschungsvorhaben vom Digitalisierungsfonds Arbeit 4.0 der Arbeiterkammer Wien.

Den Originalartikel vom 10. Mai 2022 und weitere Informationen zur Blog-Reihe anlässlich der Österreich-Studie finden Sie unter newworldofwork.wordpress.com/2022/05/10/homeoffice-am-freitag-nicht-gern-gesehen/

Bild: iStock

×
Stay Informed

When you subscribe to the blog, we will send you an e-mail when there are new updates on the site so you wouldn't miss them.

Schwierige Übergangszeit II
Weltweit erstes Unternehmen mit Circular Globe Lab...

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://www.report.at/

Firmen | News

Nagarro
22 Oktober 2026
Firmen | News
Zwölf Unternehmen haben es ins Finale der Innovation Challenge 2026 powered by Nagarro geschafft. Beim Pitch Day am 16. Oktober präsentierten die Finalisten ihre Innovationsideen einer interdisziplinären Expertenjury. Im Mittelpunkt der diesjährigen ...
Salesforce
21 Oktober 2026
Firmen | News
Mit dem Agentblazer Award rückt Salesforce herausragende Organisationen ins Rampenlicht, die Innovation aktiv vorantreiben und zeigen, wie sich Effizienz und Fortschritt durch den gezielten Einsatz von KI neu definieren lassen. In jeder Branche gibt ...
Firmen | News
20 Oktober 2026
Firmen | News
Wie können Unternehmen ihre IT-Landschaften zukunftssicher gestalten? „Innovations to Success – Unlocking Tomorrow 2027" am 22. Oktober 2026 im Messezentrum Salzburg gibt dazu konkrete Impulse. Die Business- & Technology-Conference des IT-Dienstl...
Firmen | News
20 Oktober 2026
Firmen | News
Die Energiewende wird meist in großen Kategorien verhandelt. Es geht um Windparks, Pumpspeicher, Hochspannungstrassen und Wasserstoff für die Industrie. Daneben wächst ein zweiter, leiserer Strang: die dezentrale Stromerzeugung in Privathaushalten. K...

Populär

In New York werden ungenutzte Luftrechte zu handelbarem Baupotenzial. So können neue Baukörper über oder neben bestehenden Gebäuden entstehen. Foto: REPORT/Eva Flatscher

Haus über Haus: Wie New York mit Luftrechten baut

In New York wird nicht nur mit Grundstücken gehandelt, sondern auch mit dem...
Batterieelektrische Scania-Zugmaschine in Dreiviertelansicht.

Langstrecke unter Strom

Scania will batterieelektrische Lkw stärker für längere Strecken einsetzen....
Luftaufnahme des Knauf-Standorts in Ferndorf in Kärnten mit Produktionshallen, Bahntrasse sowie angrenzenden Feldern und Gewässern.

Knauf investiert 30 Millionen Euro in Recyclinganlage

In Ferndorf in Kärnten entsteht eine neue Recyclinganlage für Glas- und...
Buchcover: Homo Universus von Matthias Strolz
Cover: Edition Platin

Homo Strolzus

Matthias Strolz widmet sich in „Homo Universus“ den großen Fragen des...
Gruppenbild Studierende mit Michael Nowak vor der verbotenen Stadt

Studierende tauchten in Chinas Tech-Welt ein

Das Bildungsprogramm „Seeds for the Future“ fand in diesem Jahr zum zwölften...
Gespräch am Tisch im Businessumfeld

Umfrage: Wie gut sind Unternehmen auch kommunikativ auf NIS2 vorbereitet?

Am 1. Oktober 2026 tritt in Österreich die NIS2-Richtlinie in Kraft. Damit...

Neue Blog Beiträge

23 Oktober 2026
Qualität und Effizienz
Europa
Das Wissen über Treibhausgasemissionen wird immer mehr zum Wirtschaftsfaktor. Dieses Jahr hat uns wieder gezeigt, dass die Klimakrise auch massive Auswirkungen auf Unternehmen hat. Von gestiegenen Energiepreisen über die Unterbrechung von Lieferkette...
20 Oktober 2026
Architektur, Bauen & Wohnen
Wie können Gebäude so geplant, saniert und weiterentwickelt werden, dass Materialien möglichst lange im Kreislauf bleiben? Kreislaufwirtschaft wird für die Bau- und Immobilienbranche zunehmend zu einem zentralen Thema. DELTA begleitet diese Transform...
20 Oktober 2026
Intelligente Netze
Europa
Wer heute eine AR-Wartungsbrille pilotiert, kauft mit der Hardware einen Datenschutzfall ein. Der Europäische Datenschutzausschuss (EDSA) hat am 13. Oktober 2026 im Plenum seine Stellungnahme 1/2026 zu Smart Glassesangenommen und am selben Tag veröff...

Leben & StilView all

Produkte & ProjekteView all