Dienstag, Juli 14, 2026

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Hinsichtl, Rücksichtl und Vorsichtl sind selten gute Berater der Dynamik

Die Aufhebung der Kreditinstitute-Immobilienfinanzierungsmaßnahmen-Verordnung – kurz KIM-VO – durch das österreichische Finanzministerium wurde vielerorts als Schritt zur Entlastung des Wohnungsmarkts und zur Ankurbelung der Baukonjunktur gewertet, doch die Realität sieht völlig anders aus. 

Die gesetzliche Grundlage für die KIM-VO ist zwar gefallen, dennoch hält die Finanzmarktaufsicht (FMA) in einem Rundschreiben weiter an den wesentlichen Kreditvergabekriterien fest. Es entsteht so der Eindruck einer »verlängerten« KIM-Regelung durch adminis­trative Hinweise.

Für viele Kreditinteressierte bedeutet das, dass die Hoffnung auf erleichterten Zugang zu Wohnbaufinanzierungen weiterhin unerfüllt bleibt. Banken orientieren sich aus Vorsicht weiterhin an den bisherigen Kriterien – insbesondere an fixen Grenzen bei Schuldendienstquote, Eigenmittelerfordernis und Laufzeit. Auch wenn diese Regeln ursprünglich dem Verbraucherschutz und der Finanzmarktstabilität dienen sollten, behindern sie zunehmend die private Wohnraumbeschaffung. Denn oft scheitert die Finanzierung nicht an fehlender Bonität, sondern an schematisch angewendeten Schwellenwerten, die wenig Spielraum für individuelle Lebenssituationen lassen.

Verunsicherung am Markt steigt
Das hat weitreichende Konsequenzen. Einerseits geraten junge Familien, Alleinerziehende und Normalverdiener zunehmend ins Abseits, weil sie den starren Eigenmittel- oder Schuldendienstgrenzen zum Zeitpunkt der Kreditvergabe nicht gerecht werden. Besonders betroffen ist der Neubau – ein ohnehin unter Druck stehender Bereich. Die Nachfrage nach Wohnbaukrediten ist rückläufig, was sich unmittelbar auf die Bautätigkeit auswirkt. Gleichzeitig steigen Bau- und Grundstückskosten weiter, und leistbarer Wohnraum bleibt knapp. Die Verunsicherung am Markt nimmt zu: Kreditgeber agieren vorsichtiger, Investitionen werden verschoben oder abgesagt. Das dämpft nicht nur die wirtschaftliche Dynamik im Bausektor, sondern wirkt auch langfristig bremsend auf städtebauliche Entwicklungen und Wohnraumentlastung.

Auswirkungen prüfen
Es braucht deshalb eine klare, koordinierte Haltung zwischen Gesetzgeber, Aufsicht und Kreditwirtschaft. Kreditvergabe muss verantwortungsvoll bleiben – aber mit Augenmaß und Flexibilität. Wenn politische Maßnahmen aufgehoben werden, muss auch ihre praktische Wirkung überprüft und angepasst werden. Nur so kann die dringend benötigte Stabilisierung des Wohnbaus gelingen und jungen Menschen Wohnraum beigestellt werden. Es wäre endlich an der Zeit, nicht ausschließlich den eigenen »Schrebergarten« abzusichern, sondern die Scheuklappen abzulegen und den Blick auf das »Big Picture« zu werfen. Eine Portion Flexibilität und Vertrauen könnten in diesem Zusammenhang nicht schaden.

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