Friday, April 24, 2026

Mehrwert für Manager

Ticker

Hinsichtl, Rücksichtl und Vorsichtl sind selten gute Berater der Dynamik

Die Aufhebung der Kreditinstitute-Immobilienfinanzierungsmaßnahmen-Verordnung – kurz KIM-VO – durch das österreichische Finanzministerium wurde vielerorts als Schritt zur Entlastung des Wohnungsmarkts und zur Ankurbelung der Baukonjunktur gewertet, doch die Realität sieht völlig anders aus. 

Die gesetzliche Grundlage für die KIM-VO ist zwar gefallen, dennoch hält die Finanzmarktaufsicht (FMA) in einem Rundschreiben weiter an den wesentlichen Kreditvergabekriterien fest. Es entsteht so der Eindruck einer »verlängerten« KIM-Regelung durch adminis­trative Hinweise.

Für viele Kreditinteressierte bedeutet das, dass die Hoffnung auf erleichterten Zugang zu Wohnbaufinanzierungen weiterhin unerfüllt bleibt. Banken orientieren sich aus Vorsicht weiterhin an den bisherigen Kriterien – insbesondere an fixen Grenzen bei Schuldendienstquote, Eigenmittelerfordernis und Laufzeit. Auch wenn diese Regeln ursprünglich dem Verbraucherschutz und der Finanzmarktstabilität dienen sollten, behindern sie zunehmend die private Wohnraumbeschaffung. Denn oft scheitert die Finanzierung nicht an fehlender Bonität, sondern an schematisch angewendeten Schwellenwerten, die wenig Spielraum für individuelle Lebenssituationen lassen.

Verunsicherung am Markt steigt
Das hat weitreichende Konsequenzen. Einerseits geraten junge Familien, Alleinerziehende und Normalverdiener zunehmend ins Abseits, weil sie den starren Eigenmittel- oder Schuldendienstgrenzen zum Zeitpunkt der Kreditvergabe nicht gerecht werden. Besonders betroffen ist der Neubau – ein ohnehin unter Druck stehender Bereich. Die Nachfrage nach Wohnbaukrediten ist rückläufig, was sich unmittelbar auf die Bautätigkeit auswirkt. Gleichzeitig steigen Bau- und Grundstückskosten weiter, und leistbarer Wohnraum bleibt knapp. Die Verunsicherung am Markt nimmt zu: Kreditgeber agieren vorsichtiger, Investitionen werden verschoben oder abgesagt. Das dämpft nicht nur die wirtschaftliche Dynamik im Bausektor, sondern wirkt auch langfristig bremsend auf städtebauliche Entwicklungen und Wohnraumentlastung.

Auswirkungen prüfen
Es braucht deshalb eine klare, koordinierte Haltung zwischen Gesetzgeber, Aufsicht und Kreditwirtschaft. Kreditvergabe muss verantwortungsvoll bleiben – aber mit Augenmaß und Flexibilität. Wenn politische Maßnahmen aufgehoben werden, muss auch ihre praktische Wirkung überprüft und angepasst werden. Nur so kann die dringend benötigte Stabilisierung des Wohnbaus gelingen und jungen Menschen Wohnraum beigestellt werden. Es wäre endlich an der Zeit, nicht ausschließlich den eigenen »Schrebergarten« abzusichern, sondern die Scheuklappen abzulegen und den Blick auf das »Big Picture« zu werfen. Eine Portion Flexibilität und Vertrauen könnten in diesem Zusammenhang nicht schaden.

×
Stay Informed

When you subscribe to the blog, we will send you an e-mail when there are new updates on the site so you wouldn't miss them.

Zeit für Eigenständigkeit
Sommer, Sonne, Kompetenz­vorsprung!

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://www.report.at/

Firmen | News

Vertiv
24 April 2026
Firmen | News
Mit steigenden Leistungsdichten in Rechenzentren wachsen auch die Anforderungen an eine belastbare Stromverteilung. Thermische Lastwechsel durch KI- und HPC-Anwendungen stellen elektrische Systeme zunehmend auf die Probe. Ein aktueller Heat-Cycling-T...
Marija Kotnig
21 April 2026
Firmen | News
Mit einem neuen Produkt bietet Quality Austria Consulting einen wirkungsvollen Ansatz, um Handlungsfelder in Unternehmen aufzudecken und konkrete Entwicklungsschritte für Wirksamkeit, Resilienz und Zukunftsfähigkeit abzuleiten. Der FUTURE READINESS+ ...
Vertiv
21 April 2026
Firmen | News
High-Performance-Computing (HPC) Workloads befinden sich im Aufwärtstrend und zeigen keine Anzeichen für eine baldige Verlangsamung. Wie Bloomberg berichtet, wird die generative KI bis 2032 ein Geschäft mit 1,3 Billionen US-Dollar Umsatz sein. Dagege...
Nagarro
20 April 2026
Firmen | News
KI 2.0 entscheidet sich im Betrieb, und nicht länger in Pilotprojekten. Nicht etwa, weil die Modelle von schlechter Qualität wären, sondern vielmehr aus der Praxis heraus: Systemgrenzen behindern Abläufe, Daten liegen in Silos, Prozesse müssen geordn...

Neue Blog Beiträge

16 April 2026
Europa
Mensch und Gesellschaft
Politik
Derzeit wird mit Hochdruck an schnellen Lösungen gearbeitet, denn unsere liebgewonnene fossile Abhängigkeit rächt sich mal wieder. Doch anstatt die grundlegenden systemischen Probleme anzugehen und die lokale und europäische Energiewende voranzutreib...
08 April 2026
Intelligente Netze
Europa
Ein Gastbeitrag von Harald Leitenmüller, National Technology Officer bei Microsoft Österreich Die Diskussion über digitale Souveränität hat in Europa spürbar an Bedeutung gewonnen. Geopolitische Entwicklungen, veränderte Sicherheitsanforderungen und ...
07 April 2026
Europa
Politik
Die Rufe nach Atomenergie schallen in regelmäßiger Häufigkeit aus dem Wald und werden von den meist gleichen Scheinargumenten begleitet. Während bei erneuerbaren Energie jedes einzelne Detail möglichst negativ betrachtet wird, sind die Fans der Atome...