Sunday, February 22, 2026

Mehrwert für Manager

Ticker

Hinsichtl, Rücksichtl und Vorsichtl sind selten gute Berater der Dynamik

Die Aufhebung der Kreditinstitute-Immobilienfinanzierungsmaßnahmen-Verordnung – kurz KIM-VO – durch das österreichische Finanzministerium wurde vielerorts als Schritt zur Entlastung des Wohnungsmarkts und zur Ankurbelung der Baukonjunktur gewertet, doch die Realität sieht völlig anders aus. 

Die gesetzliche Grundlage für die KIM-VO ist zwar gefallen, dennoch hält die Finanzmarktaufsicht (FMA) in einem Rundschreiben weiter an den wesentlichen Kreditvergabekriterien fest. Es entsteht so der Eindruck einer »verlängerten« KIM-Regelung durch adminis­trative Hinweise.

Für viele Kreditinteressierte bedeutet das, dass die Hoffnung auf erleichterten Zugang zu Wohnbaufinanzierungen weiterhin unerfüllt bleibt. Banken orientieren sich aus Vorsicht weiterhin an den bisherigen Kriterien – insbesondere an fixen Grenzen bei Schuldendienstquote, Eigenmittelerfordernis und Laufzeit. Auch wenn diese Regeln ursprünglich dem Verbraucherschutz und der Finanzmarktstabilität dienen sollten, behindern sie zunehmend die private Wohnraumbeschaffung. Denn oft scheitert die Finanzierung nicht an fehlender Bonität, sondern an schematisch angewendeten Schwellenwerten, die wenig Spielraum für individuelle Lebenssituationen lassen.

Verunsicherung am Markt steigt
Das hat weitreichende Konsequenzen. Einerseits geraten junge Familien, Alleinerziehende und Normalverdiener zunehmend ins Abseits, weil sie den starren Eigenmittel- oder Schuldendienstgrenzen zum Zeitpunkt der Kreditvergabe nicht gerecht werden. Besonders betroffen ist der Neubau – ein ohnehin unter Druck stehender Bereich. Die Nachfrage nach Wohnbaukrediten ist rückläufig, was sich unmittelbar auf die Bautätigkeit auswirkt. Gleichzeitig steigen Bau- und Grundstückskosten weiter, und leistbarer Wohnraum bleibt knapp. Die Verunsicherung am Markt nimmt zu: Kreditgeber agieren vorsichtiger, Investitionen werden verschoben oder abgesagt. Das dämpft nicht nur die wirtschaftliche Dynamik im Bausektor, sondern wirkt auch langfristig bremsend auf städtebauliche Entwicklungen und Wohnraumentlastung.

Auswirkungen prüfen
Es braucht deshalb eine klare, koordinierte Haltung zwischen Gesetzgeber, Aufsicht und Kreditwirtschaft. Kreditvergabe muss verantwortungsvoll bleiben – aber mit Augenmaß und Flexibilität. Wenn politische Maßnahmen aufgehoben werden, muss auch ihre praktische Wirkung überprüft und angepasst werden. Nur so kann die dringend benötigte Stabilisierung des Wohnbaus gelingen und jungen Menschen Wohnraum beigestellt werden. Es wäre endlich an der Zeit, nicht ausschließlich den eigenen »Schrebergarten« abzusichern, sondern die Scheuklappen abzulegen und den Blick auf das »Big Picture« zu werfen. Eine Portion Flexibilität und Vertrauen könnten in diesem Zusammenhang nicht schaden.

×
Stay Informed

When you subscribe to the blog, we will send you an e-mail when there are new updates on the site so you wouldn't miss them.

Zeit für Eigenständigkeit
Sommer, Sonne, Kompetenz­vorsprung!

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://www.report.at/

Firmen | News

Marija Kotnig
20 February 2026
Firmen | News
Ende letzten Jahres wurden aktuelle Wirkfaktoren in der Carbon Footprint Berechnung für Österreich und Deutschland veröffentlicht. Für Unternehmen ist das Wissen über die aktuellsten Faktoren entscheidend, um diese in der Treibhausgasbilanzierung ber...
Vertiv
20 February 2026
Firmen | News
Der Energiebedarf von Rechenzentren wächst rasant. Künstliche Intelligenz (KI), High-Performance-Computing und datenintensive Anwendungen treiben die Leistungsanforderungen kontinuierlich nach oben. Gleichzeitig verschärfen sich Umweltauflagen, und U...
Firmen | News
19 February 2026
Firmen | News
Bewegung verbindet Menschen auf eine tiefgreifende und unmittelbare Weise miteinander, die Worte allein nur selten erreichen können, weil sie direkt auf einer körperlichen und emotionalen Ebene wirkt. Wenn Kolleginnen und Kollegen gemeinsam rhythmisc...
Vertiv
19 February 2026
Firmen | News
Vertiv™ Next Predict ist ein neuer KI-gestützter Managed Service, der Fachwissen aus der Praxis mit fortschrittlichen Algorithmen für maschinelles Lernen kombiniert, um Probleme zu antizipieren, bevor sie auftreten. Vertiv (NYSE: VRT), ein weltweit f...

Neue Blog Beiträge

16 February 2026
Markt und Marketing
Mensch und Gesellschaft
Warum Zukunft mehr mit Führung als mit Rahmenbedingungen zu tun hat? Wenn über Wettbewerbsfähigkeit gesprochen wird, richtet sich der Blick schnell auf die bekannten strukturellen Themen: Regulierung, Kapitalmärkte, fragmentierte Märkte oder langsame...
13 February 2026
Intelligente Netze
Markt und Marketing
Eine Markteinschätzung von Dominic Rizzo, Portfoliomanager der Global Technology Equity Strategy bei T. Rowe Price. KI sorgt für den größten Produktivitätsschub seit der Erfindung der Elektrizität, und wir stehen noch ganz am Anfang. Die Beweise...
12 February 2026
Europa
Mensch und Gesellschaft
Zwei exzellente Logiken. Ein System. Ein Widerspruch.Viele Organisationen und auch die Politik fordern Innovation. Viele Organisationen führen mit denselben Regeln wie die Produktion. Mehr Kontrolle. Mehr Druck. Mehr KPIs. Mehr Reporting. Und dann wu...