Thursday, March 19, 2026

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Wie rechnen sich Investitionen in 5G für die Mobilfunkbranche? Und wie tut sich hier Europa generell? Jason Keane ist Leiter Portfolio Business & Operations Support Systems bei Ericsson.

Bild: Jason Keane ist Spezialist für 5GA Advanced und Monetization bei dem Netzausrüster Ericsson.

Wie rechnen sich Investitionen in neue Netze für die Mobilfunkbranche? Wie hat sich dieses Thema in den Jahren entwickelt?

Keane: Die grundlegende Herausforderung hat sich nicht geändert: Die Branche verzeichnet nur bescheidenes Wachstum, oft nur im Rahmen der allgemeinen Inflation. Seit 20 Jahren stagnieren die Einnahmen aus Mobilfunkdiensten. Mit 5G war das ursprüngliche Versprechen, differenzierte Konnektivität – bessere Nutzererlebnisse, Slicing, ultra-niedrige Latenz. Doch der eigentliche Durchbruch kommt von überraschend einfachen Anwendungsfällen, wie etwa Event-Pässen. Bei Großveranstaltungen geht es nicht primär um das Streamen von VR oder AR – entscheidend ist, dass Bezahlvorgänge für Essen, Getränke und Merchandise zuverlässig funktionieren. Wenn Zahlungen scheitern oder langsam sind, wirkt sich das direkt auf die Einnahmen aus.

Ein weiterer Bereich ist Fixed Wireless Access (FWA), mit dem Angebot von unterbrechungsfreien Breitbandverbindungen. Betreiber, die die richtigen Zielgruppen ansprechen und Qualität sichern, werden das auch zu Geld machen können.

Was ist heute anders im Vergleich zu früheren Generationen wie 4G?

Keane: Bei 4G konnten Betreiber keine Servicelevel garantieren, es gab nur eine „bestmögliche Leistung“. 5G ändert das. Jetzt können Betreiber spezifische Verbindungsqualität und Bandbreiten garantieren und dafür Gebühren erheben. Das ist besonders für Unternehmen spannend, die prinzipiell auf Ausfallssicherheit und gewisse Servicelevels setzen müssen. KI vereinfacht zudem den Netzwerkbetrieb. Die Verwaltung von 5G ist komplex, aber KI hilft, die Services zu optimieren und die Qualität aufrechtzuerhalten.

Wie schreitet die Einführung von eigenständigen 5G-Netzen in Europa im Vergleich zu anderen Regionen voran?

Keane: Europa sucht noch seinen eigenen Weg. Der Markt ist fragmentiert, mit einer Vielzahl an Betreibern und großen regulatorischen Herausforderungen. In Nordamerika und Asien hingegen wird 5G als Wettbewerbsfaktor gesehen. Der europäische Transportkorridor, in dem LKWs künftig autonom koordiniert werden, ist ein Beispiel, aber die Einführung verläuft langsamer als in Nordamerika oder Asien.

Sollten Mobilfunknetze als kritische Infrastruktur behandelt werden, ähnlich wie Strom oder Wasser?

Keane: Absolut. Konnektivität ist genauso kritisch wie Strom oder Wasser. Trotzdem wird der Mobilfunk von der Politik maximal als Einnahmequelle – Stichwort Frequenzversteigerungen gesehen – und nicht als kritische Infrastruktur. Die Sicherheitslage in Europa und geopolitische Konflikte vor unserer Tür zeigen, dass wir eine absolut zuverlässige und sichere Kommunikation brauchen.

 

Hintergrund: Ein Fall für 5G
Eine stabile und zuverlässige Mobilfunk-Verbindung ist für die schnelle Übertragung von Bildern aus Sport-, Konzert- und anderen Veranstaltungsorten unverzichtbar. Auf dem Mobile World Congress im März präsentieren Vodafone, Ericsson und Sony eine Lösung, bei der Fotograf*innen im 5G-Mobilfunk-Netz für einen festgelegten Zeitraum eine eigene "Datenautobahn" für die Übertragung von Fotos reservieren. So können sie die Fotos jederzeit verzögerungsfrei übertragen – selbst an Orten, an denen Mobilfunk-Netze häufig ausgelastet sind. Die Technologie dahinter ist "Network-Slicing", mit dem sich virtuelle Netzabschnitte anlegen lassen. In diesem reservierten Bereich, der eine feste Bandbreite für die Datenübertragung garantiert, bewegen sich dann die Bilder verzögerungsfrei vom Ausgangs- zum Zielort.

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