Tuesday, June 09, 2026

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ChatGPT dominiert weiter den Markt der generativen KI-Assistenten. Doch die Kräfteverhältnisse verschieben sich: Google Gemini wächst stark, Claude legt spektakulär zu und der Abstand zur Konkurrenz wird kleiner.

Illustration zu KI-Chatbot-Marktanteilen 2026
Illustration: REPORT / Datenbasis: Momentic nach Similarweb

Der Markt für KI-Chatbots ist 2026 kein Ein-Personen-Rennen mehr. Nach einer aktuellen Auswertung von Momentic auf Basis von Similarweb-Daten entfielen im April 2026 weltweit 54,7 Prozent der Webbesuche der sieben größten generativen KI-Assistenten auf ChatGPT. Google Gemini kam bereits auf 27,4 Prozent, Claude auf 8,2 Prozent. Zusammen vereinen ChatGPT und Gemini damit rund 82 Prozent der gemessenen Web-Nutzung auf sich.

ChatGPT bleibt Nummer eins

In absoluten Zahlen bedeutet das: ChatGPT erreichte im April 2026 rund 5,51 Milliarden Webbesuche. Gemini kam auf 2,76 Milliarden, Claude auf 824 Millionen. Dahinter folgen DeepSeek mit 411 Millionen, Grok mit 279 Millionen, Perplexity mit 155 Millionen und Microsoft Copilot mit 130 Millionen Webbesuchen.

Wichtig ist die Einordnung: Gemessen wurden Webbesuche auf den jeweiligen Hauptdomains, nicht App-Nutzung, API-Verbrauch, Enterprise-Verträge oder eingebettete KI-Funktionen in Betriebssystemen, Office-Paketen und Suchmaschinen. Die Zahlen zeigen also vor allem, welche Assistenten als eigenständige Web-Angebote genutzt werden.

Gemini verkürzt den Abstand

Besonders auffällig ist die Entwicklung von Google Gemini. Während ChatGPT im Februar 2025 laut Momentic noch bei 76,5 Prozent des gemessenen Web-Traffics lag, sank der Anteil bis April 2026 auf 54,7 Prozent. Gemini stieg im selben Zeitraum von 5,6 auf 27,4 Prozent. Das ist noch keine Wachablöse, aber eine klare Verschiebung.

Der Grund liegt nicht nur im Produkt selbst. Google kann Gemini über Android, Chrome, die Google-App, die Suche und Workspace sehr breit verteilen. Das macht Gemini zum wichtigsten Herausforderer von ChatGPT, erschwert aber zugleich die Interpretation: Ein Teil des Traffics dürfte aus Googles bestehenden Einstiegspunkten kommen und nicht allein aus direkter Nachfrage nach dem Chatbot.

Claude mit stärkstem Wachstum

Die stärkste Dynamik zeigt Anthropic mit Claude. Von Jänner bis April 2026 stieg der Web-Traffic laut Auswertung von 203 auf 824 Millionen Besuche. Das entspricht einem Plus von rund 306 Prozent in nur einem Quartal. Claude wächst damit schneller als alle anderen großen Anbieter, allerdings von einer deutlich kleineren Basis als ChatGPT und Gemini.

Auch bei den Engagement-Werten fällt Claude positiv auf: Die Bounce Rate lag im April 2026 bei 26 Prozent und damit niedriger als bei den anderen betrachteten Assistenten. Das spricht dafür, dass Claude nicht nur ausprobiert, sondern vergleichsweise intensiv genutzt wird.

Was die Zahlen für Unternehmen bedeuten

Für Marken, Medien und Unternehmen wird die Verteilung der KI-Nutzung strategisch relevant. Wer wissen will, wie die eigene Organisation, Produkte oder Themen in KI-Antworten erscheinen, sollte nicht nur klassische Suchmaschinen beobachten. ChatGPT und Gemini prägen inzwischen einen großen Teil jener Informationsräume, in denen Nutzerinnen und Nutzer Fragen stellen, Anbieter vergleichen und Entscheidungen vorbereiten.

Für die Sichtbarkeit zählt dabei mehr als eine optimierte Website. KI-Assistenten greifen auf Suchindizes, verlässliche Drittquellen, Medienberichte, Bewertungsplattformen, Community-Diskussionen und strukturierte Daten zurück. Wer dort nicht vorkommt oder widersprüchlich beschrieben wird, hat auch in KI-Antworten schlechte Karten.

Die Grenzen der Marktanteile

Die Studie zeigt zugleich, wie vorsichtig Marktanteilszahlen zu KI gelesen werden müssen. Web-Traffic unterschätzt Anbieter, deren Nutzung stark in Apps oder Produktivitätssoftware eingebettet ist. Das betrifft besonders Microsoft Copilot, das in Windows, Edge, Bing und Microsoft 365 statt vor allem auf einer einzelnen Webdomain genutzt wird. Auch Gemini profitiert von Googles Ökosystem, während API- und Unternehmenskunden bei OpenAI und Anthropic in dieser Betrachtung kaum sichtbar werden.

Das Fazit: ChatGPT bleibt der klare Marktführer unter den webbasierten KI-Chatbots. Aber der Markt wird breiter, professioneller und kompetitiver. Für Unternehmen reicht es nicht mehr, nur auf einen Assistenten zu schauen. Sichtbarkeit in KI-Systemen wird zur eigenen Disziplin zwischen Suchmaschinenoptimierung, PR, Datenqualität und digitaler Reputation.

Quelle: Momentic, „Top AI Chatbots by Market Share June 2026“, basierend auf Similarweb-Daten für April 2026.

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