Dienstag, Oktober 13, 2026

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Mehr als eine Milliarde Euro will CloudHQ in den Vollausbau des Rechenzentrumscampus in Leopoldsdorf investieren. Diese Summe umfasst die Gebäude einschließlich der technischen Infrastruktur, aber nicht die IT-Ausstattung. Die Server und die darauf laufenden Anwendungen werden von den Mietern bereitgestellt und betrieben.  

Andreas Graf-Matzner und Fritz Blasnek vor dem Gemeindeamt in Leopoldsdorf
Andreas Graf-Matzner, CloudHQ, und Bürgermeister Fritz Blasnek, Gemeinde Leopoldsdorf.

Zu den Kunden des international tätigen Unternehmens zählen große Cloud-Anbieter wie Microsoft, Amazon, Oracle oder Meta. Wer die drei Gebäude in Leopoldsdorf tatsächlich nutzen wird, verrät Country Manager Andreas Graf-Matzner noch nicht. Grundsätzlich werde bei Investitionen dieser Größenordnung aber nicht ohne entsprechende Nachfrage gebaut.

Eine Besonderheit ist die Eigentümerstruktur des Cloud-Infrastruktur-Providers. Im Gegensatz zu vielen anderen Rechenzentrumsentwicklern ist CloudHQ inhabergeführt und nicht im Besitz eines Private-Equity-Unternehmens. Auch wenn fertiggestellte Gebäude innerhalb der Unternehmensstruktur an eine Kapitalgesellschaft übertragen werden, verbleiben sie unter der Kontrolle des Eigentümers. CloudHQ setzt damit auf langfristige Investitionen und eine dauerhafte Präsenz an seinen Standorten.

Die geplante elektrische Anschlussleistung von 150 Megawatt in Leopoldsdorf im Süden Wiens verteilt sich auf die drei Rechenzentren. Davon entfallen nach Angaben von Graf-Matzner rund 100 bis 105 Megawatt auf die eigentliche IT-Leistung. Der Strom wird über eine eigene unterirdische Leitung aus dem Umspannwerk Süd der Austrian Power Grid bezogen werden. Für den Campus ist außerdem ein eigenes Umspannwerk vorgesehen.

Offen ist derzeit, wann die Bauarbeiten beginnen können. Das erforderliche Verfahren zur Umweltverträglichkeitsprüfung hat die ursprüngliche Zeitplanung verändert. Auch die Dauer der Bauarbeiten hängt von der weiteren Entwicklung ab. Graf-Matzner rechnet eher mit einer schrittweisen Errichtung der drei Gebäude als mit einem gleichzeitigen Bau. Insgesamt könnte die Bauphase drei bis fünf Jahre dauern.

Zwischen 50 und 150 direkte Arbeitsplätze könnten am Campus entstehen, wobei die tatsächliche Zahl von der Anzahl der Mieter und der Organisation des Betriebs abhängt. Für die Errichtung des Campus führt CloudHQ bereits Gespräche mit österreichischen Unternehmen, darunter Porr und Zauner. Ein weiteres Thema ist die Nutzung der Abwärme. Hier gibt es bislang noch keine konkreten Pläne, allerdings Gespräche mit dem regionalen Energieversorger EVN. Technisch wäre eine Nutzung für die Beheizung von Gebäuden oder für industrielle Prozesse möglich. Entscheidend sei jedoch die Wirtschaftlichkeit.

CloudHQ könne die Wärme bereitstellen, für die Verteilung und die Anbindung möglicher Abnehmer brauche es jedoch einen lokalen Partner. Auch die Kombination unterschiedlicher Wärmeabnehmer, etwa von Wohngebäuden und Schwimmbädern, wäre denkbar, um die Abwärme ganzjährig nutzen zu können.

Bei der Kühlung setzt CloudHQ auf ein geschlossenes Wassersystem. Pro Gebäude werden dafür laut Graf-Matzner einmalig rund 230.000 Liter Wasser benötigt, das anschließend im Kreislauf geführt wird. Im Unterschied zu Systemen mit Verdunstungskühlung wird die Wärme mechanisch über Lüfter am Dach abgeführt. Das vermeidet einen laufenden Wasserbedarf für die Verdunstung, benötigt allerdings elektrische Energie für den Kühlprozess.

Die öffentliche Diskussion über das Projekt sieht Graf-Matzner auch als Herausforderung für die Kommunikation der Branche. Rechenzentren seien lange kaum wahrgenommen worden und würden aufgrund der hohen Sicherheitsanforderungen nach außen oft abgeschottet wirken. „Unsere Branche hat jahrelang unter dem Radar gelebt, kein Mensch hat sich für uns interessiert.“ CloudHQ wolle deshalb stärker informieren und den Dialog mit der Bevölkerung suchen. „Transparenz schafft tatsächlich auch Verständnis dafür“, ist überzeugt. Ein erstes Zusammentreffen mit der Bevölkerung gab es am 1. Oktober bei einer gut besuchten Informationsveranstaltung im Ort.

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