Tuesday, March 24, 2026

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Wellness, nicht nur für Wien-Gäste: Neue Sternehotels öffnen ihre Spabereiche auch für Entspannung suchende Einheimische.

Regeneration braucht Zeit und den entsprechenden Ort. (Bild: Mandarin Oriental Wien)

 

Der Terminkalender voller als ein Einkaufszentrum an einem Adventsamstag. Der Nacken so verspannt, dass die Muskeln sich eher wie Untersee-Glasfaserkabel anfühlen. Am Handy poppt eine Benachrichtigung nach der anderen auf und jagt mit penetrantem Piepsen das letzte bisschen Fokus zum Teufel. Entschleunigung wäre jetzt dringend angesagt, am besten in Kombination mit Massage und Wellness, aber wohin, wenn man nur wenig Zeit hat? Der Gedanke, sich in der Therme am Stadtrand mit hunderten Menschen den Pool zu teilen oder sich wegen eines einzigen Saunabesuchs gleich eine Jahreskarte fürs Fitnesscenter anzuschaffen, schreckt oft eher ab. Woran viele Wienerinnen und Wiener nicht denken: Entspannung liegt näher, als sie glauben, nämlich in den Wellnessbereichen mancher ringstraßennaher Sternehotels. Auch zwei unlängst neu eröffnete Luxusherbergen wollen nicht nur ihren eigenen Gästen zu Entspannung verhelfen, sondern laden auch vom Alltag gestresste Tagesbesucher zu Massagen und mehr.

Fernost in der Innenstadt
Im ehemaligen Handelsgericht in der Riemergasse, wo noch vor ein paar Jahren um Paragraphen und Pekuniäres gefochten wurden, eröffnete die Mandarin Oriental Kette vor einigen Monaten ein Fünfsternehotel, das nicht nur Übernachtung und Gastronomie bietet, sondern auch Wellness. Im Gegensatz zu manchen anderen Herbergen, die ihre Spas nur für die eigenen Gäste öffnen, lädt das Mandarin Oriental externe Besucherinnen und Besucher ein, in seinen Räumen Entspannung zu suchen. Laut Kommunikationsmanagerin Leyla Ahmadova kommen rund 30 % der Gäste von außerhalb, vor allem aus Wien und dem näheren Umland. Dass manche potentiellen Gäste durchaus Hemmschwellen haben, als Einheimische Hotelspas zu betreten, ist ihr bewusst.

»Viele verbinden ein Luxushotel mit Distanz oder formeller Atmosphäre. Unser Team empfängt aber jeden Gast mit Wärme und Authentizität und schafft von Beginn an eine einladende, vertrauensvolle Atmosphäre.« Wer sich über die Spa-Schwellen traut, kann im Herzen der Innenstadt (wo die Dichte an öffentlich zugänglichen Pools eher zu wünschen übrig lässt) nicht nur im 13 Meter langen Schwimmbecken seine Runden ziehen. Sieben ruhige, cremefarbene Räume mit Jugendstil-Elementen, die dem Prinzip der »eleganten Reduktion« folgen, laden zu Massagen und Beauty-Behandlungen. Will man sich gemeinsam mit dem Partner oder einer Partnerin ein bisschen Entspannung gönnen, kann man die Couple-Suite des Spas nutzen. Für die Treatments schloss Mandarin Oriental sich mit der englischen Edel-Biokosmetikmarke Wildsmith zusammen. Gemeinsam entwickelte man Behandlungen, die keine halbstündige Nackenmassage zwischen Tür und Angel sind, sondern eher einem kleinen Ritual gleichen. Das kommt sehr gut an, sagt Leyla Ahmadova. »Immer mehr Gäste erkennen, dass echte Regeneration Zeit braucht. Die längeren Treat­ments ermöglichen es uns, ganzheitlich zu arbeiten, also Körper, Geist und Energie gleichermaßen anzusprechen.«

Wichtig sei auch, sich auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Gäste einzustellen. »Tagesgäste wünschen sich klar strukturierte, planbare Behandlungen, die sich leicht in den Alltag integrieren lassen. Die Hotelgäste sind hingegen oft flexibler und offen für mehrstündige Rituale oder kombinierte Spa-Journeys. Unser Anspruch ist es, beiden Gruppen ein Gefühl von Ankommen und Loslassen zu ermöglichen.« Dass Spa-Behandlungen fast ausschließlich von Damen in Anspruch genommen werden, stimmt laut Ahmadova längst nicht mehr. »Wir sehen ein leichtes Übergewicht an weiblichen Gästen, wobei das Interesse von Herren – insbesondere an Massagen und längeren Treatments – stetig wächst.« Den Gästen gehe es nicht nur um eine kleine Auszeit von einem mit Terminen überhäuften Alltag, sagt Leyla Ahmadova, sondern auch um entspannte Offline-Momente. »Die digitale Welt macht unser Leben zwar effizienter und schneller, bringt jedoch gleichzeitig viel Überforderung mit sich. Umso wichtiger ist es für mich, bewusst abzuschalten.«

Wellness à la Wien
Eine Besonderheit von Mandarin Oriental Wellness ist, neben dem Standard-Programm auch die einzelnen Städte zugeschnittene Signature Treatments zu entwickeln. Im Herzen der österreichischen Hauptstadt bietet man »Essence of Vienna«-Behandlungen an. »Zu den Highlights zählen zum Beispiel Music and Movement, eine fließende, rhythmische Massage begleitet von klassischer österreichischer Musik, sowie Artisan, ein ganzheitliches Ritual, inspiriert von der österreichischen Natur. Dabei werden Saunagänge und Gesichtsbehandlungen mit ausgewählten lokalen Inhaltsstoffen vereint. Beide Treatments sind einzigartig für Wien und bieten eine tief entspannende, nachhaltig wirkende Erfahrung.« Dennoch kommen auch die eigenen Wurzeln nicht zu kurz, sagt Leyla Ahmadova. »Einige unserer Kolleginnen und Kollegen stammen aus Südostasien und bringen ihr Wissen, ihre Techniken und ihre Haltung authentisch mit ein. Von Fußritualen bis zu TCM-basierten Behandlungen: Alles, was wir tun, ist getragen von Respekt vor unserer orientalischen Herkunft und dem Anspruch, unseren Gästen eine echte, nachhaltige Auszeit zu gönnen.« Ergänzt wird das Angebot durch Bewegungs- und Klang-Sessions und von Gong-Bädern. Wer Entspannung eher in der Bewegung sucht, findet sie nicht nur im Schwimmbecken, sondern auch im hoteleigenen Fitness-Studio, auf Wunsch mit Unterstützung eines Personal Trainers.

Theophil trifft Thailand
Gleichfalls auf asiatisches Flair trifft man im Anantara Palais Hansen Vienna Hotel an der Ringstraße, wenn auch mit einem Thailand-Fokus. Schließlich stammt die Luxushotel-Kette, die 2024 das von Theophil Hansen gebaute Palais übernahm, aus dem Königreich mit langer buddhistischer Tradition. Deshalb spürt man in vielen Dingen asiatisches Flair, sagt Anantara Spa-Managerin Yuliya Rybina, angefangen von Details der Hoteleinrichtung bis zur Wellness-Philosophie. »Unser Spa ist nicht einfach nur der »Spa-Bereich« des Hotels. Anantara Spa ist eine eigenständige, markenrechtlich geschützte Untermarke. Sogar einige Tivoli Hotels, wie beispielsweise das Avenida Liberdade in Lissabon verfügen über ein Anantara Spa. Unsere Spa-Karte und -Behandlungen sind alle sind stark von thailändischer Gastfreundschaft geprägt: herzlich und freundlich.«

Im Anantara Spa arbeiten hauptsächlich Thai-Massage-Therapeutinnen, die auch traditionell inspirierte Techniken anbieten. »Es ist keine klassische Thai-Massage, unsere Expertinnen wenden die asiatische Herangehensweise aber bei der Behandlung verschiedenster Beschwerden an.« Für die Körper- und Gesichtsbehandlungen verwendet man Produkte von Maison Valmont und Elemis, Gäste können sich auf Begrüßungsgetränke freuen oder vor der Behandlung ein entspannendes Fußbadritual genießen. Statt eines Schwimmbeckens bietet das Anantara Spa einen großzügig dimensionierten Hydrotherapie-Pool mit Massagedüsen, dazu einen Ruheraum mit einer Teestation und Snacks, einen Bereich mit zwei großen Saunen und Dampfbad für beide Geschlechter und einer Laconium-Bank mit Fußbad. Weibliche Gäste, die lieber unter sich bleiben, können auch eine finnische Sauna im separaten Damenbereich nutzen. Tagesgäste müssen nur Bikini und Badehose mitbringen, für Handtücher, Hausschuhe und Bademäntel ist gesorgt. Teil des Spas ist auch ein neu ausgestattete Fitness Center, für heuer denkt man an, ein erweitertes Bewegungsprogramm mit Kursen anzubieten. Interessierte können nicht nur einzelne Behandlungen oder Tageskarten buchen, sondern auch Anantara Spa Mitgliedschaften für verschiedene Zeiträume.

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Musik und Movement als Wellness-Rezept passt zu Wien wie das Neujahrskonzert.

Staycation in der eigenen Stadt
Die Zahl der Einheimischen und der Hotelgäste sei in etwas gleich, sagt Yuliya Rybina. Tagesgäste würden eher am Wochenende ins Anantara Spa kommen. Das Geschlechterverhältnis sei ziemlich ausgewogen. »Männer erwerben Mitgliedschaften, um den Fitnessbereich und die Sauna zu nutzen. Frauen kommen mit einer Mitgliedschaft zur Entspannung, für Ruhe und zur Erholung.« Auch Familien-Jahresmitgliedschaften sind gefragt, wobei Kinder unter 16 nur in Einzelfällen und vor 16 Uhr mitgenommen werden. Spätnachmittags und abends können Besucher also ganz sicher sein, von durch die Sauna wieselnden Kleinkindern nicht um die wertvolle Ruhe gebracht zu werden.

Egal ob Wellness oder Massage, wichtig sei es, Tagesgästen das Gefühl eines Mini-Urlaubs zu geben, sagt Yuliya Rybina. »Manche wissen gar nicht, dass das Anantara Spa nicht nur Hotelgästen offensteht. Wir kommunizieren verstärkt mit Stadtgästen über Social Media und präsentieren unser Day Spa, unsere Behandlungen und Mitgliedschaftsprogramme auf unserer Website.«

Auch im Anantara-Konzept geht es um mehr als nur eine schnelle Nackenmassage. »Es ist uns sehr wichtig, dass es um einen Lebensstil geht. Die Gäste können beispielsweise zum Frühstück in die Brasserie Sophie kommen, anschließend das Anantara Spa besuchen und danach die Theo’s Tea Time by Paul Gamauf (Wiens einzigen, von einem Sternekoch kreierten Afternoon Tea) in der Theo’s Lounge & Bar unter Palmen genießen. »Es ist wie ein Urlaub, Wienerinnen und Wiener können auch eine oder zwei Nächte bei uns verbringen.« Staycation in der eigenen Stadt, quasi.

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