Thursday, May 14, 2026

Mehrwert für Manager

Ticker

Weiter gedacht … droht Wien ein Lock-in-Effekt?

Der Begriff Lock-in-Effekt kommt eigentlich aus der Wirtschaft und beschreibt ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen Kunden und Anbietern, bei dem ein Wechsel zu einem Konkurrenten aufgrund hoher Kosten oder anderer Barrieren wirtschaftlich unattraktiv wird. Im Wohnungsmarkt entsteht er in angespannten Märkten und bedeutet, dass die Mieterinnen und Mieter trotz veränderter Bedürfnisse seltener die Wohnung wechseln. In Deutschland – allem voran Berlin – ist dies bereits der Fall, wie Lars Vandrei, Head of Research Catella Investment Management, sagt: „Der große und wachsende Abstand zwischen Bestands- und Neuvertragsmieten hat einen Teufelskreis in Gang gesetzt. Weil Umzüge für Bestandsmieter tendenziell immer teurer werden, sinkt die Fluktuation."

Im Gegenzug bleiben Mieterinnen und Mieter in bestehenden Mietverhältnissen, auch wenn ihnen die Wohnungen vielleicht zu groß sind und eigentlich nicht mehr zu ihren Bedürfnissen passen. Denn neue Mietangebote sind häufig deutlich teurer. Die Folge: Anreize fehlen, in eine kleinere Wohnung zu ziehen, wenn der Bedarf nicht mehr vorhanden ist. Das geht aber auch in die andere Richtung: Paare mit Kindern bleiben in ihren alten Wohnungen – vor allem im Altbau. Der Grund: Dank der hohen Räume lässt sich noch ein Hochbett oder sogar eine kleine Wohngalerie einbauen. Die Altbauten sind einfach flexibler und kommen den Wohnansprüchen, den Bedürfnissen und Veränderungen viel mehr entgegen.

Egal, von welcher Seite man den Lock-in-Effekt betrachtet, das Problem für den Menschen ist, dass er sich nicht mehr selbstbestimmt fühlt, sondern einem System unterworfen sieht. Das führt zu Missmut bei den Suchenden, und die Frage nach dem Leerstand wird immer öfter gestellt. Damit sind aber nicht nur die Wohnungen auf dem freien Markt gemeint, sondern immer öfter werden auch die Gemeindewohnungen und Genossenschaftswohnungen angesprochen. Hier scheint der Druck zu wachsen.

Die deutsche Haus & Grund kommt in der Studie „Bezahlbarkeit von Mieten" zu dem Schluss, dass Mietpreisregulierungen die Umzugsmobilität hemmen und den Lock-in-Effekt nicht bekämpfen. Ganz im Gegenteil. Wer eine „privilegierte" Wohnsituation genießt, wird diese in der kommenden Zeit ganz sicher nicht verlassen. Daher gibt es nur zwei Lösungen – und jetzt wird es traurig, weil sie in naher Zukunft nicht umsetzbar sind: Entweder der Wohnbau wird angekurbelt (Nachverdichtung, Aufstockung und Neubau), oder aber man müsste das MRG flexibler gestalten. Nach beidem sieht es derzeit nicht aus, weil den politisch Verantwortlichen ja tatsächlich der Hausverstand abhandengekommen ist. Und wenn die beiden Lösungen nicht angegangen werden, dann wird sich dieses Problem anders lösen. Was nicht einer durchdachten Lösung zugeführt wird, löst sich unkontrolliert – wie immer das dann aussehen mag.

Um dem Ganzen aber einen positiven Abschluss zu geben: Laut Soziologen zeichnet sich hier auch eine neue Entwicklung ab. Die Menschen waren immer schon flexibel und haben sich an die Gegebenheiten angepasst. Das werden wir wohl jetzt auch müssen, und wir dürfen sicherlich in den kommenden Monaten und Jahren beobachten, wie sich neue Haus- und Wohnungsgemeinschaften bilden, die wir jetzt noch gar nicht auf dem Radar haben. 

×
Stay Informed

When you subscribe to the blog, we will send you an e-mail when there are new updates on the site so you wouldn't miss them.

Wenn die Sonne brennt, brauchen wir klare Regeln
AWS wird europäisch

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://www.report.at/

Firmen | News

Marija Kotnig
13 May 2026
Firmen | News
Die ISO 9001 ist der weltweit wichtigste Standard für Qualitätsmanagement. Sie gilt als Basis für viele andere Managementsysteme und hat sich über die Jahre kontinuierlich weiterentwickelt, um einen Rahmen für strukturierte Prozesse zu bieten. Qualit...
Vertiv
12 May 2026
Firmen | News
 Die Übernahme erweitert das technische Know-how in den Bereichen Cold-Plate-Design, serverseitige Flüssigkeitskühlung und thermische Validierung bei hoher Dichte, um die Leistung, Zuverlässigkeit und die Lebensdauer auf Systemebene zu verbesser...
Vertiv
08 May 2026
Firmen | News
Mit dem rasanten Wachstum von KI-Anwendungen steigen Leistungsdichten, Lastdynamiken und Energieanforderungen in Rechenzentren deutlich an. Betreiber stehen vor der Aufgabe, Verfügbarkeit, Effizienz und Nachhaltigkeit gleichzeitig sicherzustellen. De...
Vertiv
07 May 2026
Firmen | News
Mit steigenden Leistungsdichten in KI- und HPC-Umgebungen rücken Flüssigkeitskühlung und Mittelspannungs-Stromversorgung immer näher zusammen – häufig im selben Rack. Diese Integration eröffnet Effizienzpotenziale, stellt Betreiber jedoch vor neue Si...

Neue Blog Beiträge

11 May 2026
Europa
Mensch und Gesellschaft
In den frühen Morgenstunden des 7. Mai 2026 haben sich Europäisches Parlament und Rat auf eine vorläufige Einigung zum sogenannten Digital Omnibus on AI verständigt. Es ist die erste substanzielle Änderung der KI-Verordnung (Verordnung (EU) 2024/1689...
11 May 2026
Qualität und Effizienz
Der 28. April – der internationale Welttag für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit – hat wie jedes Jahr die Bedeutung sicherer und gesunder Arbeitsbedingungen in den Fokus gerückt. Angesichts neuer Arbeitsformen, technologischer Entwicklung...
29 April 2026
Markt und Marketing
Europa
Mensch und Gesellschaft
Österreich diskutiert seit Jahren über das »Potenzial« künstlicher Intelligenz, während in Wahrheit die wenigen Systeme, die wir wirklich laufen lassen – OpenClaw im Newsroom, Diagnostik-Algorithmen im AKH, Fraud-Filter bei der FMA – die stille Arbei...