Sunday, February 01, 2026

Mehrwert für Manager

Ticker

UX in der Prozessentwicklung

UX wird meist mit der Entwicklung neuer Produkte assoziiert. Funktioniert dieser Ansatz auch bei der Prozessentwicklung? Diese Frage ist klar mit »Ja« zu beantworten. Die Anwendung ist nur manchmal ein Eingriff »am offenen Herzen«, bringt aber große Entwicklungspotenziale.

Ein Produkt kann man in einem Seitenprozess abseits des operativen Geschehens herstellen, prüfen und ausgewählten Kund*innen zum Testen geben. Der normale Prozess­ablauf wird nicht beeinträchtigt. Das macht UX bei der Produktentwicklung relativ leicht und greifbar. Bei der Prozessentwicklung sieht es zuerst anders aus. Woher kann man wissen, ob ein Prozess im operativen Umfeld wirklich funktioniert? Endgültig wird man es erst wissen, wenn man es versucht hat. Und davor schrecken viele zurück, auch wenn die Verbesserung dringend nötig wäre. Selbst wenn es immer wieder Fälle gibt, in denen Prozesse teils über Jahrzehnte kaum verändert werden, so sollte jedem klar sein, dass das keine gute Idee ist.

Gemeinsamkeiten
Eines haben UX-Ansätze in der Produkt- und der Prozessentwicklung gemeinsam: Es braucht in beiden Bereichen zusätzliches Personal, um die Testszenarien herzustellen und in eine zumindest partielle Anwendung zu bringen. Bei der Produktentwicklung ist dieses zusätzlich zum operativen Geschehen notwendige Personal meist vorhanden und nennt sich Entwicklungsabteilung, R&D oder so ähnlich.

Bei der Prozessentwicklung ist diese Notwendigkeit nicht mehr ganz so offensichtlich. Aber auch da gibt es Unternehmen, die sich extra dafür eine Entwicklungsabteilung leisten, die dann beispielsweise Operational Excellence, Business Excellence, Lean-Team oder Production System heißen kann. Ich habe in verschiedenen Unternehmen den Aufbau solcher Abteilungen begleitet und zu Beginn stellt die Geschäftsführung oft die Frage, wann sich eine solche Abteilung rechnet. Das kann man nicht pauschal beantworten – man weiß aber aus Erfahrung, dass es sich rechnet. Bei der Entwicklungsabteilung, die Produkte entwickelt, wird die Frage auch nicht gestellt.

Das U und das x in UX
Während bei der Produktentwicklung schnell klar ist, wer die »User*innen« als das »U« bei UX sind, so ist das bei der Prozessentwicklung nicht ganz so offensichtlich. Den finalen Kund*innen, für die man ein Produkt oder eine Dienstleistung herstellt, ist es letztlich egal, wie es entsteht. Die versprochene Leistung muss zur richtigen Zeit mit der richtigen Qualität am richtigen Ort sein. Die User*innen bei UX in der Prozessentwicklung sind also nicht die finalen Kund*innen, sondern die Menschen, die im Prozess tätig sind. Und deren Erfahrung – also das »X« – gilt es einzubeziehen. Das geschieht im Rahmen einer Ist-Analyse, aus der man die Schwächen identifiziert, die Zielzustände herleitet und anschließend schrittweise umsetzt. Die Umsetzung erfolgt, im Gegensatz zur Produktentwicklung, im real existierenden Umfeld. Auch hier kann man durch Prototypen und Experimente vorab Erfahrungen erzeugen, die man anschließend im realen Prozess implementiert. Aber es kommt unweigerlich der Schritt, an dem man den produktiven Prozess beeinflusst und zeitweise auch anhalten muss, um eine Verbesserung zu implementieren und die Wirksamkeit im realen Umfeld zu prüfen.

Die Operation am offenen Herzen
Das ist vergleichbar mit der berühmten Operation am offenen Herzen. Der operative Ablauf sollte nicht beeinträchtigt werden, schließlich hat man den Kund*innen etwas versprochen. Damit die Implementierung nicht zu stark auf die Ausbringung durchschlägt, bedarf es daher einerseits kleiner Schritte und andererseits einer Personalsituation, die unterstützend vor Ort die Arbeitsversuche betreuen kann. In idealen Organisationen schaffen das die lokalen Mitarbeitenden mit den zuständigen Führungskräften von sich aus. Das ist jedoch selten der Fall, weil der operative Alltag dominiert. So kommen Prozessverbesserungsteams zum Einsatz. Sie unterstützen die Leute vor Ort, leiten an und qualifizieren bezüglich neuer Methoden und Werkzeuge.

Die Leute der hauptamtlichen Prozessverbesserungsteams praktizieren ihre Arbeit nicht nur in einem Bereich oder einem Wertstromabschnitt. Sie bringen weitere Erfahrungen anderer Anwender*innen außerhalb des betroffenen Bereichs, also ein externes »X«, ein. Einige Unternehmen holen sich punktuell externe Unterstützung oder haben Programme zum Erfahrungsaustausch mit Prozessverbesserungsteams anderer Unternehmen. Alle Maßnahmen haben eines gemeinsam: Es kommen die Erfahrungen von Anwender*innen ins Spiel. Wenn Sie jetzt das Gefühl haben, das kommt Ihnen bekannt vor, dann mag das sein. Ein anderer Begriff für UX in der Prozessentwicklung ist KVP in Kombination mit Best-Practice. Wobei ich hier »Worst-Practice« nicht ausschließen möchte, denn auch in negativen Erfahrungen stecken große Verbesserungspotenziale.

Fazit
UX in der Prozessentwicklung ist ein elementarer Baustein der kontinuierlichen Verbesserung, indem man Erfahrungen aus anderen Bereichen oder gar Unternehmen einfließen lässt. Dafür sind zusätzliche personelle Kapazitäten sehr hilfreich, die den Prozess betreuen und unterstützen. Diese Prozessverbesserungsteams sind sehr wirtschaftlich, auch wenn sich deren monetärer Nutzen oft nicht isoliert ausweisen lässt.

Bild: iStock

×
Stay Informed

When you subscribe to the blog, we will send you an e-mail when there are new updates on the site so you wouldn't miss them.

Tag des Gartens. Mehr WLAN im Grünen
qualityaustria Winners' Conference und Verleihung ...

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://www.report.at/

Firmen | News

Firmen | News
29 January 2026
Firmen | News
Fußball gehört in Österreich zu den beliebtesten Sportarten und begeistert Menschen jeden Alters gleichermaßen. Ob im Verein, beim Freizeitkick mit Freunden oder in der Schule – der Ball rollt in Österreich nahezu überall. Doch obwohl dieser Sport, d...
Firmen | News
von Dr. Werner Vogels, Vice President und Chief Technology Officer, Amazon.com Wir stehen am Beginn einer neuen Ära, in der KI den Menschen in den Mittelpunkt stellt, Autonomie fördert und drängende Probleme wie Einsamkeit, Bildungsungleichheit und S...
Firmen | News
20 January 2026
Firmen | News
In einer zunehmend digitalen und vernetzten Welt, in der virtuelle Kommunikation dominiert, gewinnen haptische Botschaften als greifbare Ausdrucksform persönlicher Wertschätzung wieder deutlich an Bedeutung. Personalisierte Karten verbinden Tradition...
Marija Kotnig
15 January 2026
Firmen | News
Ihr Neujahrsvorsatz beinhaltet Weiterbildung für Ihr Team? Bei Quality Austria erhalten Sie genau die richtige Unterstützung. Bei Buchungen im Zeitraum von 01.01.2026 bis 21.02.2026 profitieren Sie von 10 % Bonus auf alle Inhouse-Trainings. Tipp: Der...

Neue Blog Beiträge

15 January 2026
Architektur, Bauen & Wohnen
Beton spielt in der modernen Wasserversorgung eine zentrale Rolle. Seine Festigkeit, auch unter Wassereinfluss, und Beständigkeit gegenüber äußeren Einflüssen machen ihn zum idealen Material für Anlagen, in denen Trinkwasser gespeichert und verteilt ...
15 January 2026
Architektur, Bauen & Wohnen
Freibier für alle! So oder so ähnlich lautete ein Spruch in meiner Jugendzeit der vermitteln sollte, dass es sinnvoll ist, den Menschen Bier zu geben, um sie bei Laune zu halten. Egal wann, egal wo und vor allem gratis. Wir haben das damals...
16 December 2025
Intelligente Netze
Europa
Mensch und Gesellschaft
Digitale Souveränität wird in Europa seit Jahren intensiv diskutiert. Dennoch bleibt sie politisch folgenlos. Der Grund liegt nicht in fehlendem Problembewusstsein, sondern in einer systemischen Fragmentierung der Verantwortung. Juristische, technisc...