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Industrie 5.0 – Endlich mehr als nur Effizienz?


Im Jahr 2021 erblickte Industrie 5.0 die Welt. Was hat sich seit damals getan? Wo sind wir auf dem Weg des Paradigmenwechsels hin zu einer mensch-zentrierten Fertigung?

Evolution oder Revolution?

Werfen wir kurz einen Blick zurück: Seit den 1970iger Jahren begleitet uns Industrie 3.0 mit Automatisierung und Elektronik. Damit konnten viele Potentiale gehoben werden und die Produktivität stieg. Im Jahr 2011 wurde auf der Hannover Messe die nächste Revolution mit Industrie 4.0 ausgerufen. Der Fokus sollte auf Digitalisierung, vernetzten Maschinen und dem Internet der Dinge liegen. Einige Unternehmen machten sich auf den Weg, andere waren noch immer mit Industrie 3.0 beschäftigt. Zehn Jahre später erblickte Industrie 5.0 das Licht der Welt. Es war diesmal nicht irgendein Industrieverband oder ein Unternehmen, das diesen Begriff geprägt hat, sondern es war die Europäische Union.

Darum geht es bei Industrie 5.0

Die Idee ist gut, denn es geht bei Industrie 5.0 darum den Effizienzwahn in Teilen der Wirtschaft zu überwinden und die notwendige Effektivität zu bekommen.

Der Begriff meint die Einbindung menschlicher Stärken und Schwächen im Veränderungsprozess. Diese Aspekte wurden bei Industrie 4.0 fast vollständig vergessen. Industrie 5.0 soll als Korrektiv folgende Aspekte hervorheben:

  • Mensch-Zentrierung: Vielfalt und die Befähigung diverser Teams mit unterschiedlichen Charakteren fördern Kreativität, wodurch neue – teils auch disruptive – aber mindestens innovative Ideen entstehen. So kann eine Wirtschaft veränderungsfähig sein, womit sie ihre Existenz sichert.
  • Nachhaltigkeit: Hier geht es um viel mehr als um ökologische Aspekte. Bei der Nachhaltigkeit werden Strategien und Prozesse so entwickelt, dass Ökologie, Ökonomie und soziale Aspekte gleichberechtigt Einfluss und Relevanz finden.
  • Resilienz: Der Umgang mit Ungewissheit und Unbekanntem, der in der Fähigkeit mündet, Dinge auszuprobieren, die man ursprünglich für unmöglich hielt. Hier gehen auch Dinge schief, aber daraus lernt man. Das ist nötig, damit eine Organisation besser wird.


Die immer gleichen Fehler

Aber was machen die üblichen Vertreter:innen aus Lobbyverbänden und Unternehmen? Sie konstruieren auch hier wieder die alte Leier der Steigerung von Effizienz und Produktivität. Im Gegensatz zu Industrie 4.0 soll das natürlich nicht mehr die Automatisierung allein erledigen, sondern es soll in Kollaboration mit dem Menschen geschehen. In Werbefilmen werden dann gerne Videos von Menschen mit Exoskeletten oder in Interaktion mit zunehmend humanoiden Robotern gezeigt.

Doch das greift zu kurz und ist ein Trugschluss. Bei Industrie 5.0 geht es eben nicht um Effizienzsteigerungen, sondern es ist ein zutiefst menschliches Konstrukt. Sogenannte „weiche Faktoren" treten in den Fokus, welche vielen Manager:innen suspekt sind.

Effizient ist nicht gleich effektiv

Industrie 5.0 stellt notwendige Eigenschaften in den Vordergrund, die für eine wirksame Transformation in volatilen Zeiten unabdingbar sind. Diese lassen sich nicht ständig in Kennzahlen messen und es werden Fehler passieren, weil der Ausgang von Experimenten und Annahmen nicht immer vorhersehbar sind. Wer eine solche Fehlerkultur und den dabei entstehenden Verlust an Effizienz zulässt, kann die notwendige Transformation erst überhaupt umsetzen. Und das ist effektiv. 

Bild: iStock

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