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Reaktionen auf das Aus des Sanierungsbonus
Das überraschende Ende des Sanierungsbonus sorgt für jede Menge Reaktionen aus der Bauwirtschaft. Es regiert Ärger und Unverständnis. Der Bau & Immobilien Report hat die Stimmen aus der Branche gesammelt. Artikel wird laufend erweitert...
Bundesinnungsmeister Baugewerbe Robert Jägersberger über das Ende des Sanierungsbonus: „Die im Oktober des Vorjahres verkündete neue Förderoffensive für thermische Sanierungen ist bereits damals in der Baubranche mit mäßiger Begeisterung aufgenommen worden. Die Fördersummen pro Projekt wurden gegenüber dem ursprünglichen Sanierungsbonus erheblich reduziert. Lediglich die Tatsache, dass die neue Offensive für einen 5jährigen Zeitraum garantiert wurde, hat die Bauwirtschaft als erfreuliches Signal für eine längerfristige Planbarkeit positiv aufgenommen. Dass nun bereits 3 Monate nach Inkrafttreten der neuen Förderoffensive alle baulichen Sanierungsmaßnahmen aus dem Förderprogramm gestrichen wurden, konterkariert die Planbarkeit des Programms und zeigt, dass die Politik offensichtlich nach wie vor die nachteiligen Auswirkungen einer kurzfristigen Stop and Go-Politik unterschätzt.
Auch das inhaltliche Argument des Umweltministeriums, dass bei einem Kesseltausch eine deutlich höhere CO2-Einsparung pro eingesetztem Euro als bei der thermisch-energetischen Sanierung erzielt werden könne, greift meines Erachtens zu kurz. Von zahlreichen Experten wurde eindeutig klargestellt, dass ein reiner Kesseltausch ohne energiesparende Begleitmaßnahmen in der Regel wenig Sinn macht. Schließlich bleibt der Gesamtenergieverbrauch bei einem reinen Kesseltausch zu einem Großteil unverändert und es kommt lediglich eine CO2-ärmere Technologie zum Einsatz. Wesentlich sinnvoller wäre es, auf ein Gesamtpaket zu setzen, welches auch eine nachhaltige Reduktion des Energieeinsatzes bewirkt. Ohne begleitende bauliche Maßnahmen wird dies in der Regel nicht zu bewerkstelligen sein.“
Ebenfalls wenig Verständnis für den Schritt des Umweltministeriums zeigt die GDI2050 (Gebäudehülle+Dämmstoff Industrie 2050). Wer die thermisch-energetische Sanierung der Gebäudehülle ausbremst, prolongiere Energieabhängigkeit, riskiere höhere Systemkosten – und nehme den Verlust von Wertschöpfung und Arbeitsplätzen billigend in Kauf. „Es ist unverständlich und frustrierend, dass ausgerechnet jene Maßnahme zurückgedrängt wird, die dauerhaft wirkt – nämlich die Reduktion des Energiebedarfs selbst“, sagt Peter Schmid, Vorstandsvorsitzender der GDI 2050. „Ein getauschter Kessel bleibt abhängig von Energieträgern und Strom. Eine sanierte Gebäudehülle macht unabhängiger – und zwar langfristig.“
Bei Stromausfällen – wie zuletzt in Berlin – helfe die schönste Technik wenig. Wärmepumpe wie Pelletheizung benötigen Strom für Betrieb und Steuerung. In einem ungedämmten Haus fällt die Innenraumtemperatur bei Heizungsausfall laut Untersuchungen binnen 48 Stunden massiv ab – in einem gut gedämmten Gebäude bleibt sie deutlich höher. Das ist keine Komfortfrage, sondern eine Frage der Sicherheit – gerade für Familien, Ältere und vulnerable Personen. „Wenn wir über Resilienz sprechen, müssen wir endlich ehrlich sein: Effizienz ist die günstigste Form von Versorgungssicherheit“, betont Clemens Demacsek, Geschäftsführer der GDI 2050. „Wer die Gebäudehülle ignoriert, macht Haushalte im Winter verwundbar – und erhöht gleichzeitig den Druck auf Netze, Speicher und Erzeugung.“
Ganz ähnlich die Stellungnahme von Austrotherm-Geschäftsführer Heimo Pascher: „Der kälteste Winter seit neun Jahren und hohe Energiepreise zeigen deutlich, wie wichtig eine gut sanierte Gebäudehülle ist. Sie muss immer der erste Schritt sein – erst danach kann eine effiziente Heizung, angepasst an den reduzierten Energiebedarf, sinnvoll arbeiten. Umso unverständlicher ist es, dass die verbleibenden Fördermittel ausschließlich in den Kesseltausch fließen sollen."
Auch der Forschungsverband der Baustoffindustrie (FBI) ist alles andere als erfreut. Denn mit dem Förderstopp würden Fenstertausch und thermisch-energetische Sanierung de facto auf 2027 verschoben, obwohl noch nicht alle Fördermittel der Sanierungsoffensive 2026 abgerufen wurden. Solche kurzfristigen Eingriffe würden zu Lasten von Planbarkeit gehen und Unsicherheit bei Gebäudeeigentümer*innen und Betrieben schaffen, wodurch Investitionen verhindert werden. „Die heute verkündete Schwerpunktsetzung der im November präsentierten Fördermaßnahmen greift zu kurz und verkennt die zentrale Rolle der thermisch-energetischen Sanierung der Gebäudehülle. Effizienz bedeutet, zuerst die Gebäudehülle zu sanieren sowie den Energieverbrauch zu senken und danach den Heizungstausch umzusetzen. Da im Rahmen der Sanierungsoffensive 2026 noch Mittel vorhanden sind, dürfen investitions- und sanierungsbereite Gebäudeeigentümer*innen nicht auf 2027 vertröstet werden“, appelliert FBI-Vorstandsvorsitzender Mag. Georg Bursik für eine ausgewogene Mittelverwendung. „Ohne konsequente Reduktion des Heizwärmebedarfs bleibt jeder Heizkesseltausch lediglich eine teure Symptombekämpfung.“
Die österreichische Fensterindustrie äußert massive Kritik an der unangekündigten und sofortigen Einstellung des Sanierungsbonus. „Der plötzliche Förderstopp verursacht unseren Betrieben erhebliche wirtschaftliche Schäden. Die Unternehmen haben ihre Produktionsplanung, ihre Marketingmaßnahmen und Schulungsprogramme an den zugesagten Förderrahmen angepasst. Diese Investitionen laufen nun ins Leere“, kritisiert Dr. Manfred Gaulhofer, Vorsitzender des Vereins Plattform Fenster Österreich. Auch inhaltlich sieht die Branche den aktuellen Fokus kritisch. Die Priorisierung des Kesseltauschs gegenüber der thermischen Sanierung sei aus klimapolitischer Sicht nicht sinnvoll. „Eine verbesserte Wärmedämmung senkt den Heizwärmebedarf dauerhaft und sollte daher vor der Dimensionierung eines neuen Heizsystems erfolgen. Ein Kesseltausch ohne vorherige Sanierung führt zu überdimensionierten Anlagen und zu unnötig hohen Förderkosten“, sagt Gaulhofer.
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