Mittwoch, August 05, 2026

Mehrwert für Manager

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Der Druck auf Unternehmen wird stärker, aber bestimmte Dinge sind für Paul Kurt Haberfellner, Geschäftsführer Nagarro, niemals verhandelbar.

Was mich geprägt hat ...
Fotocredits: Christian Dusek


»Irgendwann habe ich Zeit für …« ist ein Gedanke, der mich während meiner Berufslaufbahn häufig begleitet hat. Mein Leben war bisher sehr ausgefüllt, vor allem, weil ich ständig neue Ideen habe – ehrlich gesagt zu viele, um sie alle umzusetzen. Meine Entscheidungen würde ich vermutlich wieder so treffen, aber dabei versöhnlicher mit diesem Gedanken umgehen. Für aktive Gemüter ist es unmöglich, alles umzusetzen. Stattdessen habe ich gelernt, entspannter und situativer zu sein, manchmal abzuwarten und mir die Zeit zu nehmen, wenn mir etwas wichtig ist. Rückblickend waren der Druck und die hohen Erwartungshaltungen an mich selbst oft unnötig, weil spontane Entwicklungen den Verlauf, den ich mir vorgestellt hatte, ohnehin verändert haben.

Wenn die Gelegenheit kommt, einfach tun
Am besten lief es bei mir immer dann, wenn ich intuitiv sein und meinen eigenen Weg gehen musste. Ich erinnere mich an eine Situation: An meinem ersten Arbeitsplatz in der IT ließ man mich in einer Mittagspause allein. Ein Kunde betrat das Geschäft und klagte sein Leid über die nicht funktionierenden Systeme. Wir redeten, plauderten und nach einer Stunde hatte er unseren gesamten damaligen Lagerbestand aufgekauft. Die Kolleg*innen dachten, ich scherze, dabei war ich in dieser Stunde des »Auf-mich-gestellt-Seins« einfach nur in meinem Element: dem Gespräch. Jeder Mensch hat sein eigenes Element – leider fehlt uns gerade in den ersten Berufsjahren oft der Mut, der Glaube, die proaktive Einladung, es einzusetzen. Der Berufsalltag hat mir unangekündigt eine Chance gegeben, die ich wahrnahm und die für mich wegweisend wurde.

Wie kann ich mir selbst treu bleiben?
Als Managing Director bei Nagarro sind dieselben Fähigkeiten in einer etwas anderen Form wichtig für meine Arbeit geworden. Mit der Erfahrung kennt man seine Rolle und weiß um die eigenen Talente. Allerdings braucht es mit zunehmender Verantwortung für Mitarbeitende und die Zukunft des Unternehmens auch mehr Kompromisse, die man mit sich selbst ausverhandelt. Je nachdem, ob ich mit Kunden, Investoren oder Kolleg*innen interagiere, verändern sich auch die Perspektiven und Argumente. Es gibt aber stets einen roten Faden.

Der Druck auf Unternehmen wird immer stärker, durch Wettbewerb, durch Investoren und die Vorgaben beziehungsweise Vorstellungen am Markt. Heute weiß ich, was für mich unverhandelbar ist, nämlich Ehrlichkeit und Handschlagqualität. Das beginnt mit kleinen, scheinbar unwichtigen Details. Ich bleibe mir selbst treu, auch, wenn um mich herum der Dresscode steigt, die Gefälligkeitsantworten zunehmen oder das Klima rauer wird. Lösungsorientiertes Denken ist nach meiner Erfahrung auf Dauer am meisten geschätzt, vor allem, wenn es mit Vertrauen und konsequentem Einsatz zusammenkommt. Eine der schönsten Rückmeldungen in meinem Berufsleben kam von einem Kunden. Er meinte: »Ich bin nie weggegangen von euch, weil ich wusste, wir stehen jegliche Herausforderung gemeinsam durch.« Und das stimmt. Wenn ich einen Vorschlag mache, werde ich alles unternehmen, ihn auch umzusetzen.

Was ich gerne früher gewusst hätte? Zum Beispiel, dass über etwas zu reden, noch nicht viel bedeutet, und jene, die wirklich etwas tun, häufig übersehen werden. Dabei muss ich unweigerlich an die jungen Leute denken, die zu wenig in die Gestaltung einbezogen werden. Die Zukunft liegt bei ihnen. Es wird Zeit, dass wir ihnen nicht nur zuhören, sondern ihnen auch den Raum geben, Verantwortung zu übernehmen.


Zur Person
Paul Kurt Haberfellner, 50, ist Managing Director und Co-Founder bei Nagarro. Erst nach der Ausbildung rückten EDV und die IT-Branche in den Fokus, wo er im Vertrieb und in der Technik anfing. Rund 15 Jahre später gründete Haberfellner mit Partnern ein Beratungsunternehmen, welches Teil von Nagarro wurde. Heute ist er in der Geschäftsführung des global tätigen Digitalisierungsberaters Nagarro mit rund 18.000 Mitarbeiter*innen tätig.

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