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Wie man der Nachhaltigkeitsdebatte den Sinn nimmt


Kaum ein Begriff wird mehr strapaziert als jener der Nachhaltigkeit: regelmäßig missinterpretiert, oft unscharf oder verkürzt verwendet und doch meist strategisch eingesetzt. Nachhaltigkeit steht für das Zusammenspiel von Ökologie, Ökonomie und Sozialem – das sogenannte »Dreieck der Nachhaltigkeit«. In der Praxis wird aber oft nur der ökologische Aspekt betont oder gar mit »grün« gleichgesetzt, was zu einer einseitigen Wahrnehmung führt.

Nachhaltigkeit beruht auf fundierten analytischen Bewertungsverfahren wie Lebenszyklusanalysen, Ressourceneffizienz, CO2-Bilanzen etc. und ist im Grunde ein langfristiges Konzept, das Verantwortung gegenüber künftigen Generationen verlangt. Diese langfristige Perspektive steht oft im Widerspruch zu kurzfristigen wirtschaftlichen oder politischen Interessen, weshalb der Begriff vielerorts auf leicht verständliche Einzelmaßnahmen (z. B. »nachwachsend statt energieintensiv«) reduziert wird, ohne die systemischen Zusammenhänge zu berücksichtigen. Dies führt zu unterschiedlichen Narrativen in der öffentlichen Debatte und erzeugt Verkürzungen und Mythenbildungen, die nicht selten mit dogmatischer Vehemenz immer und immer wiederholt werden.

Derartige Kommunikationskonzepte sind zweifelsfrei erfolgreich, behindern aber zugleich tragbare Zukunftslösungen für die nächsten Generationen, indem im Bauwesen beispielsweise immer wieder die Materialneutralität unterdrückt wird. Zuletzt im Übrigen bei der Debatte in Wien zur Kreislauffähigkeit der Baumaterialien. Während die Nawaro-Baustoffe neuerdings unendlich rezyklierbar werden, sind es die mineralischen Baustoffe plötzlich nicht mehr. Ähnliche Trendwenden gibt es zur Dauerhaftigkeit, die plötzlich nicht mehr relevant erscheint. Die Rationalität scheint hier auf der Strecke zu bleiben.

Ewiges Hamsterrad
Die Diskussionen in verschiedenen Bauzirkeln zeigen, dass sich stets wiederholte Narrative im Mindset der Gesellschaft durchzusetzen scheinen – richtig werden sie dadurch aber auch nicht. Vielleicht erntet man Beifall an den Rändern und in den eigenen Reihen, aber mehr auch nicht. Verstehen muss man das alles nicht, aber man darf zu Recht die Frage stellen: Wann werden wir endlich die Diskussion versachlichen und die sehr eindimensionale Ebene »ich bin gut, weil nachwachsend« und »du bist schlecht, weil energieintensiv« verlassen?

Gemeinsam an einem Strang ziehen
Ein fairer Wettbewerb um Marktanteile und zukunftsfähige Baulösungen kann nur geführt werden, wenn man allen Teilnehmern »gleich lange Spieße für den Fonduetopf gibt«. Jene, die dabei für sich den längeren Spieß beanspruchen, sollten sich lieber fragen, ob es wirklich sinnvoll ist, Zukunft zugunsten eigener Interessen zu behindern. Es täte der gesamten Branche – vom Planer bis zum Bauherrn, vom Ausführenden bis zum Lieferanten – gut, das Ruder gemeinsam in die Hand zu nehmen, anstatt ständig daran herumzuzerren. Nur smarte Lösungen werden sich auf Sicht durchsetzen. Diese durch dogmatische Narrative zu behindern, ist fahrlässig und wenig verantwortungsbewusst.

Bild: iStock

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