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Die praktische Bedeutung von Open-Source-Software

In einer neuen Serie zu Open-Source-Software und Recht legen wir in Teil 1 den Blick auf die praktische Bedeutung von Open Source Software.

Software wird heute in wesentlichen Teilen auf Grundlage von Fremdkomponenten entwickelt. Schätzungen zufolge besteht proprietäre Standard- und Individualsoftware aus bis zu 98 % Fremdkomponenten. Nach Erhebungen des Scantool-Anbieters Synopsys basieren durchschnittlich über 57 % einer Codebasis auf Open-Source-Software. Über 84 % der Unternehmen geben an, dass Open-Source-Software in wichtigen bzw unternehmenskritischen Bereichen eingesetzt wird. Das zeigt deutlich, dass die Open-Source-Bewegung unaufhaltsam ins Rollen gekommen ist und mittelfristig die Softwarebranche massiv beeinflussen wird.

Eindrucksvoll bringt dies die Studie „The State of Enterprise on Open Source 2020" des Unternehmens Red Hat zum Ausdruck. Demnach sinkt die Bedeutung von proprietärer Software signifikant. Waren im Jahr 2019 noch 55 % der genutzten Software in den befragten Unternehmen proprietär, sank dieser Wert im Jahr 2020 in den befragten Unternehmen auf 42 %. Der Anteil an Open-Source-Software stieg hingegen in diesem Zeitraum von 36 % auf 44 %. Studien zeigen weiters, dass Investitionen in Open-Source-Software einen positiven wirtschaftlichen Effekt haben.

Das Hauptargument für die Nutzung von Open-Source-Software ist vor allem die Kostenersparnis bei der Anschaffung und Instandhaltung der Programme. Open Source wird als Möglichkeit gesehen, Softwarelösungen, Wissen und Expertise zu teilen. Dies wiederum kann zu einer Kostenreduktion und Bereicherung der Gesellschaft beitragen. Die Europäische Union sieht den Einsatz von Open-Source-Software aus diesen Gründen als äußerst positiv.

Teilweise besteht der Glaube, dass Open-Source-Software keine entgeltliche Verwertung zulässt. Dabei handelt es sich um einen Irrglauben. Richtig ist hingegen, dass Open-Source-Lizenzen keine Lizenzgebühren gestatten. Um es mit den Worten des Open-Source-Pioniers Richard Stallman zu fassen: „Think free as in free speech, not free beer". Der Quellcode ist per se unentgeltlich erhältlich. Das heißt aber ausdrücklich nicht, dass Open-Source-Software nicht kommerziell genutzt werden darf.

So hat sich ein Dienstleistungsmarkt gebildet, auf dem Training, Pflege, Beratungsleistungen zu Open-Source-Software angeboten werden. Insbesondere die Wartung von komplexen Open-Source-Programmen ist ein wichtiges Geschäftsfeld. In der Praxis sind Unternehmen oft nur dann bereit, Open-Source-Software zu implementieren, wenn eine entsprechende Wartung sichergestellt ist.

Möglich ist außerdem die sogenannte „Mehrfachlizenzierung", bei der einem Anwender mehrere Softwarelizenzen zur Auswahl stehen. So kann ein Programm zum Beispiel wahlweise unter einer Open-Source-Lizenz wie der GPL oder unter einer proprietären Lizenz lizenziert werden. Es wird den Softwareentwicklern so beispielsweise ermöglicht, eine Basisversion der Software ohne besondere Extras und gleichzeitig eine Version mit weiteren Leistungen (etwa zusätzliche Programmkomponenten oder eine Servicehotline) anzubieten. Ein derartiges Szenario wird auch duales Lizenzsystem genannt.

Als einer der wichtigsten Vorteile der Verwendung von Open-Source-Software wird oft die bessere Überprüfbarkeit der Software auf Sicherheitslücken genannt, da der Quellcode offenliegt. Open-Source-Software ist per Definition dadurch charakterisiert, dass der Quellcode der Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Gleichzeitig stellt eben dies aber auch ein Sicherheitsrisiko dar. In der Regel gibt es auch keine Prozesse (wie etwa Programmier-Richtlinie), welche ein „Secure Coding" oder eine Programmierung im Sinne von Privacy by Design sicherstellen. Daraus resultieren naturgemäß Sicherheitslücken. So hat etwa die Sicherheitslücke „Heartbleed" organisatorische Mängel in einigen Open-Source-Projekten offengelegt. Ob im Vergleich mit proprietärer Software insgesamt im Hinblick auf mehr Sicherheit tatsächlich Open-Source-Software vorteilhafter ist, erscheint bislang noch ungeklärt.

Im nächsten Beitrag werden die grundlegenden Eigenschaften, die Ursprünge sowie die Zukunft von Open Source Software dargestellt.

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