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Naturschutz wird digital, vernetzt und datengetrieben


In Costa Ricas Regenwald entstehen dreidimensionale digitale Abbilder ganzer Ökosysteme. Im Pazifik halbiert KI die Zeit zur Beseitigung von Plastikmüll. Und an der Elbe simulieren digitale Zwillinge Renaturierungsmaßnahmen, bevor ein einziger Bagger anrückt. Innovative Technologien transformieren den Naturschutz von einer reaktiven zu einer präzisen, datengetriebenen Disziplin.

Im Regenwald von La Gamba in Costa Rica läuft ein bemerkenswertes Experiment: Das Projekt Hexagon erstellt mithilfe von AWS und hochauflösenden 3D-Laserscanning-Technologien digitale Zwillinge besonders artenreicher Regenwaldgebiete. Die sogenannten „Green Cubes" erfassen jeden Baum, jede Pflanze und jede Veränderung im Ökosystem in multidimensionaler Präzision.

Das Besondere: Die Plattform HxDR macht diese Daten für Wissenschaftler, Behörden und Unternehmen transparent zugänglich. Echtzeitdaten aus verschiedenen Sensoren fließen kontinuierlich ein und ermöglichen die Überwachung bedrohter Arten und Lebensräume. Naturschutzorganisationen können so konkrete Schutzmaßnahmen planen und deren Wirksamkeit fortlaufend überprüfen – ohne kostspielige und zeitaufwendige Expeditionen vor Ort.

Für IT-Teams bedeutet das: komplexe Anforderungen an Datenintegrität, performante Schnittstellen zu verschiedenen Sensorsystemen und die Fähigkeit, Simulationsmodelle in Echtzeit zu betreiben. Die Interoperabilität zwischen unterschiedlichen Datenformaten und die Skalierbarkeit der Cloud-Infrastruktur werden zum entscheidenden Erfolgsfaktor.

Clay: Satellitendaten für alle

Satellitenbilder waren lange das Privileg gut finanzierter Forschungseinrichtungen. Das Projekt Clay ändert das grundlegend. Mit Unterstützung von AWS entwickelte das Team ein KI-basiertes Earth Observation Foundation Model, das auf frei verfügbaren Daten aus dem AWS Registry of Open Data trainiert wurde.

Das Ergebnis: Auch kleine Naturschutzorganisationen können jetzt Veränderungen in Vegetationsstrukturen erkennen, Küstengewässer überwachen oder illegale Fischereiaktivitäten aufspüren – effizient und kostengünstig. Der Clou liegt in der Technologie der Geospatial Foundation Models (GeoFMs): Sie sind ohne aufwändiges Training sofort einsatzbereit und lassen sich mit minimalen Datenmengen für spezifische Anwendungen anpassen.

AWS stellt die komplette Infrastruktur bereit: von der Verarbeitung riesiger Satellitenbildmengen über Amazon SageMaker bis zu Vektordatenbanken für blitzschnelle Ähnlichkeitssuchen. Ein fertiges GitHub-Repository mit Beispielcode senkt die Einstiegshürde zusätzlich. So demokratisiert Clay den Zugang zu modernster Erdbeobachtungstechnologie – für Entwaldungsüberwachung, Katastrophenschutz oder Erntevorhersagen gleichermaßen.

The Ocean Cleanup: Halbierung der Reinigungszeit durch KI

Der Great Pacific Garbage Patch – eine Müllinsel im Pazifik, dreimal so groß wie Frankreich – galt lange als nahezu unlösbares Problem. The Ocean Cleanup stellte sich dieser Herausforderung mit einer Kombination aus mechanischer Reinigungstechnologie und künstlicher Intelligenz.

Durch die Zusammenarbeit mit AWS setzt die Organisation Machine-Learning-Modelle, IoT-Flotationsgeräte und Drohnen ein, um Bewegungen von Plastikmüll in Echtzeit zu analysieren. KI optimiert kontinuierlich die Navigation der Reinigungsschiffe und identifiziert die effizientesten Routen. Das Resultat ist beeindruckend: Die geschätzte Zeit zur Beseitigung des Plastikmülls konnte von zehn auf fünf Jahre halbiert werden.

Die technische Herausforderung: Sensordaten von schwimmenden Geräten müssen unter widrigen Bedingungen auf hoher See erfasst, über Satellitenverbindungen übertragen und in Echtzeit verarbeitet werden. Automatisierte Datenpipelines, robuste Cloud-Infrastruktur und adaptive ML-Modelle arbeiten hier nahtlos zusammen.

Digitale Zwillinge für Flusslandschaften und Meeresökosysteme

Auch näher an europäischen Küsten zeigen digitale Zwillinge ihre Stärke. An der Elbe und in empfindlichen Meeresökosystemen werden virtuelle Abbilder erstellt, die Echtzeitdaten aus Sensornetzwerken mit Simulationsmodellen verknüpfen. Veränderungen in Wasserqualität, Strömungen oder Vegetation werden frühzeitig erkannt.

Der entscheidende Vorteil: Renaturierungsmaßnahmen lassen sich vorab durchspielen. Was passiert, wenn ein Deich zurückverlegt wird? Welche Auswirkungen hat die Wiedervernässung einer Aue? Digitale Zwillinge liefern Antworten, bevor teure Baumaßnahmen beginnen – und schaffen so Planungssicherheit im Naturschutzmanagement.

Für die Ozeanüberwachung analysieren KI-Algorithmen satellitengestützte Daten zu Temperatur, Strömungen und Verschmutzungen großflächig. Sie identifizieren Bedrohungen wie Algenblüten oder neue Plastikmüllkonzentrationen und ermöglichen internationale Zusammenarbeit durch gemeinsame Datengrundlagen. Adaptive Managementstrategien können so den Schutz mariner Lebensräume nachhaltig stärken.

Die technologische Infrastruktur dahinter

All diese Projekte verbindet eine gemeinsame technologische Basis: Cloud Computing als Rückgrat für Speicherung, Verarbeitung und weltweiten Datenaustausch. Leistungsfähige ML-Tools stehen ohne eigene Hardware zur Verfügung, wodurch auch kleinere Organisationen und Forschungsteams Zugang zu modernsten Analysetechnologien erhalten.

Für IT-Fachpersonal ergeben sich spezifische Anforderungen: Datenschutz und Compliance müssen ebenso gewährleistet sein wie die Integration mit lokalen Systemen und die Automatisierung von Datenpipelines. Die Auswahl herstellerneutraler, interoperabler Lösungen erweist sich als kritischer Erfolgsfaktor. Zugriffskontrolle, sichere Datenspeicherung und die optimale Konfiguration der Cloud-Infrastruktur stehen im Zentrum der technischen Umsetzung.

Gleichzeitig erfordert die Implementierung von KI-Lösungen Schnittstellen zu bestehenden Monitoring-Systemen und die Fähigkeit, große Datenmengen automatisiert zu verarbeiten. Der Übergang von traditionellen, ressourcenintensiven manuellen Auswertungen zu automatisierten KI-Analysen ermöglicht es erstmals, Veränderungen in Vegetationsstrukturen, Wasserständen oder Landnutzung nahezu in Echtzeit zu erkennen.

Digitale Technologien im Kampf gegen die Umweltkrise

Statt reaktiv auf Umweltschäden zu reagieren, ermöglichen datengetriebene Ansätze proaktives, präzises Handeln. Statt isolierter Einzelprojekte entstehen vernetzte, kollaborative Plattformen. Statt knapper Budgets für teure Feldstudien können Ressourcen gezielt dort eingesetzt werden, wo sie die größte Wirkung entfalten. Die Herausforderung für IT-Organisationen liegt darin, die notwendige Infrastruktur bereitzustellen: skalierbar, sicher, interoperabel. Die Chance liegt darin, Teil einer Transformation zu sein, die nicht weniger bedeutet als die Rettung bedrohter Ökosysteme und Arten. 

Über den Autor
Michael Hanisch ist Head of Technology für die DACH-Region bei Amazon Web Services (AWS).


Bilder: iStock, AWS

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