Freitag, Oktober 23, 2026

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Nach langer Debatte einigte sich die Regierung im August auf ein 240 Millionen Euro schweres Dürre-Hilfspaket für die Landwirtschaft. Die vergangenen zwölf Monate waren laut GeoSphere Austria die trockensten seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1850. Nach Angaben der Österreichischen Hagelversicherung belaufen sich die direkten Schäden in der Landwirtschaft auf über eine Milliarde Euro, wovon nur rund 400 Millionen Euro gedeckt sind. Fiskalratspräsident Christoph Badelt warnte davor, zusätzliche Budgetmittel auszuschütten. Report(+) hat drei Expert*innen um eine Einschätzung gebeten.

Bild einer Ackerlandschaft in Trockenheit
Bild: iStock


1. Ist das Dürre-Hilfspaket wirksam und treffsicher?

Josef Simon, Vorstand der NÖM AG

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Ja. Die Hilfe ist zweckgebunden und wird ausschließlich gegen Nachweis tatsächlicher Ausgaben ausbezahlt. Gefördert werden insbesondere Futtermittelzukäufe und Saatgut, die unmittelbar zur Bewältigung der Dürrefolgen beitragen. Zudem orientiert sich die Höhe der Unterstützung an der individuellen Milchanlieferungsmenge und ersetzt nur belegte Mehrkosten. Dadurch kommt die Hilfe gezielt bei den betroffenen Betrieben an.


Ernst Halbmayr, Milchbauer in St. Peter/Au (Biohof Halbmayr), Mitbegründer der IG Milch

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Das Dürrehilfspaket ist für die wirklich betroffenen Betriebe weder wirksam noch treffsicher. Es wurde die Not der viehhaltenden Betriebe medial aufgezeigt und nach zähen Verhandlungen Geld aufgestellt. Dieses fließt aber zum Großteil an diesen Betrieben vorbei, obwohl man weiß, wer das Geld braucht. Abgesehen vom wirtschaftlichen Schaden kann sich niemand vorstellen, was es heißt, gesunde Kühe und Kalbinnen zu schlachten, weil kein Futter mehr wächst. Dies führt zu großem Unmut und zeigt die Klientelpolitik im Agrarbereich.


Johanna Prodinger, Geschäftsführerin Nachhaltige Tierhaltung Österreich (NTÖ)

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Das 240-Millionen-Paket ist ein wichtiges Signal, dennoch sind die Dürrefolgen sehr regionsspezifisch. Betriebe in den am stärksten betroffenen Regionen werden durch die Maßnahmen nur zum Teil abgedeckt. Die Aussetzung der Sozialversicherung sowie Zinszuschüsse helfen pauschal, orientieren sich aber nicht am tatsächlichen Ausmaß der Trockenschäden vor Ort. Zusätzlich ist eine enge Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette notwendig, denn ohne kostendeckende Erzeugerpreise bleibt jede staatliche Hilfe nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

 

2. Welche zusätzlichen Maßnahmen braucht es, damit die Landwirtschaft klimaresistenter wird?

Josef Simon: Die Dürrehilfe ist eine wichtige Sofortmaßnahme. Langfristig braucht es Investitionen in klimaangepasste Bewirtschaftung, eine stärkere Absicherung der Futterversorgung, sowie Innovationen zur Anpassung an veränderte Wetterbedingungen. Ziel muss sein, die Betriebe nachhaltig zu stärken und die heimische Milchproduktion auch in Zukunft abzusichern."

Ernst Halbmayr: "Es braucht Extensivierung, mehr Renaturierung, mehr Humus­aufbau und mehr Biodiversität. Dies ist nur möglich mit einer großen Reform der gemeinsamen Agrarpolitik. Die Dürre in großen Teilen Europas sollte ein Weckruf für die Neugestaltung der Ausgleichszahlungen sein. Wir werden in den nächsten Monaten auch europaweit steigende Lebensmittelpreise sehen, weil die Dürreschäden viel größer sind, als jetzt angenommen. Die ungenügende Umsetzung der Hilfen, wird auch zu vielen Betriebsaufgaben führen."

Johanna Prodinger: "Entscheidend ist, dass Dürreresistenz ab 2028 auch in der gemeinsamen Agrarpolitik verankert wird. Auch bei Investitionsförderungen muss Klimaresilienz ein Parameter werden, etwa wenn Stallungen neu gebaut oder umgebaut werden. Ebenso wichtig ist das Zusammenspiel von Bildung, Beratung und den bäuerlichen Betrieben. Nur so gelangen neueste Erkenntnisse aus Forschung, Fütterungsumstellung und Wassermanagement rasch und praxisnah auf die Höfe. Kurzfristige Hilfe und strukturelle Resilienz müssen zusammengedacht werden."

3. Ist die staatliche Unterstützung trotz des Budgetdefizits gerechtfertigt?

Josef Simon: "Ja. Extreme Wetterereignisse wie die aktuelle Dürre gefährden die wirtschaftliche Grundlage vieler Familienbetriebe. Unterstützung ist daher eine Investition in die Versorgungssicherheit, die regionale Wertschöpfung und den Erhalt der heimischen Lebensmittelproduktion. Wer die Landwirtschaft in Krisenzeiten stärkt, sichert langfristig auch die Verfügbarkeit österreichischer Lebensmittel und zahlreiche Arbeitsplätze in der Region."

Ernst Halbmayr: "Grundsätzlich ja, wenn die Gelder zielgerichtet und treffsicher eingesetzt würden. Kein Politiker hat behauptet, man wüsste nicht, wer die Hilfe braucht. Geeignete Hilfen wären ein Schutz für Versorgungssicherheit und stabile Lebensmittelpreise. Solche Jahrhundertereignisse sind nur bedingt versicherbar und der Staat wäre wohlberaten, wenn er solche Ereignisse mit rascher, direkter und treffsicherer Hilfe abfedert."

Johanna Prodinger: "Ja, eindeutig. Die österreichische Landwirtschaft und ganz besonders die Tierhaltung sind ein enormer Wirtschaftsfaktor und einer der wichtigsten Arbeitgeber in den Regionen mit einer Wertschöpfung, die weit über die Höfe hinausreicht. Wer heute nicht investiert, zahlt morgen den Preis für verlorene Versorgungssicherheit. Betriebe, die aufgeben, kommen nicht zurück – samt der Arbeitsplätze in den vor- und nachgelagerten Sektoren. Angesichts der historischen Trockenheit ist rasche Unterstützung Verantwortung gegenüber künftigen Generationen und der Ernährungssicherheit Österreichs."

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