Friday, May 01, 2026

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Unternehmen beschäftigen sich mit der ERP-Lösung Odoo – auch, um einen europäischen Anbieter zu wählen. Ein Gespräch mit Stefan Wailand, Geschäftsführer des Business-Software-Spezialisten Datenpol.


Report: Odoo gilt als europäische Alternative zu SAP oder Microsoft Dynamics. Was macht diese ERP-Lösung attraktiv?

Stefan Wailand: Odoo bietet ein transparentes Preismodell – je nach Hosting zwischen 19,90 und 37,40 Euro pro Benutzer im Monat. Dafür bekommt man den vollen Zugriff auf alle Module und Funktionen. Das ist ein enormer Preisvorteil gegenüber klassischen ERP-Systemen. Hinzu kommt, dass Odoo in Summe günstiger ist als einzelne Insellösungen wie CRM-, Buchhaltungs- oder Warenwirtschaftssysteme. Meistens rechnet sich die Einführung schon nach ein bis drei Jahren – ein Return-on-Invest, der in dieser Branche außergewöhnlich ist.

Report: Welche Unternehmen entscheiden sich für die Lösung: Jungunternehmen oder etablierte, die umsteigen wollen?

Wailand: Beide. Viele Firmen wachsen aus ihren bisherigen Insellösungen heraus und konsolidieren auf eine zentrale Plattform. Andere beginnen gleich mit einem modernen ERP-System. Der Kostenvorteil, die Skalierbarkeit und die Einfachheit in der Einführung machen Odoo für beide Gruppen interessant. Odoo wächst jährlich zwischen 40 und 50 Prozent und weit über dem Branchendurchschnitt. Auch wir als Partner profitieren von dieser Dynamik und wachsen jährlich um 20 bis 30 Prozent.

Wir kommen bei Projekten typischerweise ab zehn bis fünfzehn Mitarbeitenden ins Spiel, manchmal auch weniger, wenn ein hoher Automatisierungsgrad vorhanden ist.

Report: Odoo wird in Europa entwickelt. Spielen Souveränität und Datensicherheit eine Rolle bei der Entscheidung der Unternehmenskunden?

Wailand: Odoo ist eine europäische Software unter europäischer Lizenz – das schafft Vertrauen. Und die Lösung bietet echte Freiheit: Ich kann entscheiden, ob ich Odoo in der Cloud oder on premises betreiben möchte, ob bei Odoo selbst, auf AWS oder in einem österreichischen Rechenzentrum. Diese Wahlfreiheit – bei gleichem Preis – bedeutet Souveränität. Nur wenige Systeme lassen das heute noch zu.

Zudem bedeutet Open-Source, dass der Kunde dauerhaft die Nutzungsrechte besitzt und nicht von befristeten Lizenzmodellen abhängig ist. Außerdem können Unternehmen eigenes Know-how aufbauen und selbst Konfigurationen oder Erweiterungen vornehmen. Viele Kunden tun das bereits. Für größere Organisationen empfehlen wir, Inhouse-Kompetenz aufzubauen, um First- und Second-Level-Support selbst leisten zu können.

Report: Welche Form des IT-Infrastrukturbetriebs empfehlen Sie?

Wailand: Für kleinere Unternehmen ist die Cloud fast immer die beste Wahl. Sie ist sicherer, wartungsärmer und preislich attraktiv. Größere Organisationen entscheiden sich oft für den Eigenbetrieb oder einen lokalen Hostingpartner – etwa wenn interne Richtlinien die Nutzung amerikanischer Plattformen ausschließen.

Report: Wie entwickelt sich der österreichische Markt?

Wailand: Die Zahl der Odoo-Partner hat sich in 18 Monaten verdoppelt – auf etwa 50 bis 60. Die Referenzen haben sich fast verdreifacht. Weltweit nutzen über 13 Millionen Anwender Odoo, in Österreich rund 4.000. Der DACH-Raum hinkt im internationalen Vergleich noch hinterher, aber das Potenzial ist enorm. Belgien – der Heimatmarkt von Odoo – war vor fünf Jahren dort, wo Österreich heute steht. Heute ist dort Odoo flächendeckend im Einsatz. Ich rechne damit, dass Österreich in drei bis sieben Jahren eine ähnliche Entwicklung nehmen wird.

Report: Warum sind Steuerberater für Sie eine besonders interessante Zielgruppe?

Wailand: Steuerberater sind für KMU meist die ersten Ansprechpartner, wenn es um Softwareentscheidungen geht. Gleichzeitig verändert sich ihre Branche massiv: Durch die E-Rechnung entfällt viel manuelle Arbeit. Dadurch können sich Kanzleien stärker auf Beratung und Prozessoptimierung konzentrieren. Odoo unterstützt diesen Wandel, indem es neben Buchhaltung auch Produktmanagement, Kundenverwaltung und Liquiditätsplanung integriert.

Report: In der aktuellen Version spielt auch künstliche Intelligenz eine zentrale Rolle. Was können hier Kunden erwarten?

Wailand:
Odoo integriert KI direkt im System – mit einem intelligenten Assistenten, der Workflows erstellt, Daten analysiert oder Felder automatisch befüllt, zum Beispiel Kundenbranchen anhand externer Datenquellen. Mit dem Prinzip „Low Code/No Code“ ist das auch für User zugänglich, die über keine Programmierkenntnisse verfügen. Und weil Odoo Open-Source ist, kennen alle großen Sprachmodelle wie ChatGPT den Code. Das ermöglicht eine qualitativ umfassende Unterstützung. Ich sehe das als enormen Vorteil gegenüber geschlossenen Systemen.

Report: Welche Trends sehen Sie generell in der ERP-Entwicklung?

Wailand: Intuitive Bedienung und Innovation. Kein Unternehmen kann es sich leisten, lange Schulungen oder Handbücher zu schreiben. Systeme müssen so verständlich sein wie Google. Die Vision von Odoo folgt diesem Prinzip.

Report: Bietet Odoo auch branchenspezifische Lösungen?

Wailand: Mit Version 19 sind rund 100 Branchen und ihre Workflows vorkonfiguriert – vom Eisgeschäft bis zum Bauunternehmen. Damit reduziert sich der Implementierungsaufwand erheblich. Im HR-Bereich arbeitet Odoo daran, die Lohnverrechnung in rund 100 Ländern zu standardisieren – Österreich wird in den nächsten Jahren folgen. Bis dahin bieten Partner wie Datenpol bereits eigene Module an.

Report: Was sind die größten Treiber für IT-Projekte derzeit in der Wirtschaft?

Wailand: Die Kosten steigen, aber die Umsätze oft nicht im gleichen Maß. Unternehmen müssen ihre Abläufe optimieren und Odoo bietet mit niedriger Total Cost of Ownership und einfacher Anwendung genau dafür die Basis. KI, Automatisierung und Integration helfen, Prozesse zu beschleunigen. Und wer die Chancen der KI versteht, wird künftig erfolgreicher arbeiten, nicht weniger. Viele beschäftigen sich ernsthaft mit Odoo – teils auch aus dem Wunsch heraus, einen europäischen Anbieter zu wählen. Gerade im öffentlichen Bereich spielt Datenhoheit eine große Rolle. Souveränität bedeutet, Entscheidungen selbst treffen zu können.

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