Donnerstag, Juli 16, 2026

Mehrwert für Manager

Ticker

Die Debatte verfolgt die IT-Branche seit Jahren. Wie hoch ist der Energieverbrauch von IT-Infrastruktur und wie viel Wasser benötigt eigentlich ein Gebäudekomplex, der Server, Cloudservices und Rechenleistung beherbergt? Die Branchenorganisation Austrian Datacenter Association (ADCA) hat in Zusammenarbeit mit dem Datacenter-Betreiber Digital Realty dazu eine Studie in Auftrag gegeben. Sie unterstreicht die volkswirtschaftlichen Effekte des Sektors.

Rechenzentren: wenig Wasser, viel Wachstum
Fotos: iStock, Georg Krewenka


Rund 50 Rechenzentren mit einem Gesamtenergieverbrauch von gut 1,4 TWh Strom werden in Österreich gezählt. Fast die Hälfte, 46 Prozent der heimischen Datacenter sind in Wien und Wien-Umgebung angesiedelt. Der Strombedarf wird mit einem erneuerbaren Anteil von 58 % gedeckt und es gibt erste bereichsübergreifende Projekte, in denen die Abwärme eines Standorts für die lokale Versorgung eines Großverbrauchers – in Wien Floridsdorf ist es das Krankenhaus Nord – genutzt wird.

Während derartige Kopplungen von Energiesystemen noch Einzelfälle sind, ist die Branche beim Wasserverbrauch mustergültig aufgestellt. Der durchschnittliche Wasserverbrauchsgrad („Water Usage Effectiveness“) beträgt mit 0,14 einen Bruchteil des EU-Durchschnitts von 0,58. Der Quotient beschreibt das Verhältnis des Wasserbedarfs zum Energieverbrauch einer IT-Infrastruktur (Grafik). Der Grund ist der vergleichsweise geringe Einsatz von Kühlungen mit externem Wasserzulauf an den Standorten. Wenn Flüssigkeiten eingesetzt werden, dann meist in geschlossenen Kreislaufsystemen.

Wasserverbrauch_RZ_Ö.png


Besonders wichtig ist für ADCA-Präsident Martin Madlo die Hebelwirkung der Rechenzentren. „Sie sind ein fundamentaler Baustein unserer digitalen Gesellschaft in den Regionen und im ganzen Land“, betont er. Nur wenige Dienstleistungen oder Produktionsbetriebe würden heute ohne Services aus einem Rechenzentrum funktionieren. Sektoren wie Gesundheit, Bildung, Verwaltung und Wirtschaft sind auf leistungsfähige IT-Infrastrukturen angewiesen.

„Der gesamte ökonomische Beitrag der Cloud-Nutzung in Österreich hat im Jahr 2023 mit 6,2 Milliarden Euro 1,3 Prozent der Wirtschaftsleistung entsprochen. Mit einer Ausgabe von einem Euro für die Cloud geht ein BIP-Effekt von 1,45 Euro einher“, erklärt Studienleiter Christian Helmenstein, Vorstand des Wirtschaftsforschungsinstituts Economica. Er betrachtet die Plattformen für Produktivität und Effizienz gar als die „Dampfmaschinen des 21. Jahrhunderts“. Ein Spill-over-Effekt in Regionen mit leistungsfähiger Rechenleistung würde „eine Vielzahl von neuen Ökosystemen“ entstehen lassen. Auch makroökonomisch, so bescheinigt Helmenstein, erhöht die IT-Branche mit Datacentern die Fertigungstiefe im Land.

Standortpolitik gefragt
Nun wirkt auch KI als Turbo auf die Nachfrage. „Im Jahr 2030 werden global rund 70 Prozent der gesamten Nachfrage nach Rechenzentrumskapazität auf KI-Anwendungen zurückgehen“, erwartet Martin Madlo. Er fordert für den Wettbewerb in Zentraleuropa nun von der Politik Standortkonzepte, ausreichende und planbare Anschlussmöglichkeiten ans Stromnetz, eine wettbewerbsfähige Energieversorgung und priorisierte Genehmigungsverfahren.

Gegenwärtig hinkt Österreich bei Flächenwidmungen und Netzzugängen deutlich hinter anderen Ländern nach. Gerade im Großraum Wien würden die Wartezeiten „mehrere Jahre“ betragen, die Warteschlange für Stromanschlüsse in Österreich ist bereits 1 GW (Leistung) lang. Das kommt einer Ewigkeit gleich, für die wirtschaftliche Planung in Projekt-Zeiträumen, die mit der rasanten Chipentwicklung und Leistungszuwächsen in der IT kaum Schritt halten kann.

Das größte Datacenter in Österreich betreibt Digital Realty. „In den letzten fünf Jahren haben wir einen mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag in den Standort investiert. Das zeigt, dass Datacenter-Projekte keine Einmalinvestitionen sind, sondern eine nachhaltige Investitionstätigkeit in den Standort bedeuten“, erläutert Yves Zischek, Managing Director Digital Realty Schweiz und Österreich. Auch er sieht mehr Aufmerksamkeit für die Branche und die herrschenden Hürden für den Ausbau neuer Standorte notwendig: „Das ökonomische Wachstum ist an die Digitalisierung gebunden“.

Helmenstein_Madlo_Zischek.jpg

Bild: Sehen Rechenzentren als Wachstumsmotor für die österreichische Wirtschaft: Christian Helmenstein (Economica), Martin Madlo (ADCA) und Yves Zischek (Digital Realty).

Populär

IT-Projekte: Einreichen und gewinnen – eAward 2026!

IT-Projekte: Einreichen und gewinnen – eAward 2026!

Der Wirtschaftspreis eAward zeichnet Digitalisierungsprojekte aus dem Raum...
Mistral: Expansion von KI-Diensten in Europa

Mistral: Expansion von KI-Diensten in Europa

Digital Realty hat eine strategische Partnerschaft mit Mistral AI geschlossen. Ziele sind...
Kosmos und IBM: Modernes Deployment und automatische Skalierung

Kosmos und IBM: Modernes Deployment und automatische Skalierung

Ob zu Ostern oder zu Weihnachten, während der Geschenkesaison geht es beim...
Agri-PV in Altenmarkt

Agri-PV in Altenmarkt

Die Energie AG hat nach knapp einem halben Jahr Bauzeitkürzlich in Altenmarkt...

Best of ... Connectivity

Vernetzung und Kommunikation auf Wasserstraßen, im Außendienst, im Vertrieb, im...
Forschungsprämie als wichtiger Joker

Forschungsprämie als wichtiger Joker

Ende 2025 wurde die Forschungsprämien-Verordnung in Österreich novelliert....
Mann in Anzug und mit Krawatte lächelt in die Kamera

Neuer Präsident von Österreichs E-Wirtschaft

Die Spitzengremien von Oesterreichs Energie, der Interessenvertretung der...
Was CFOs 2026 erwartet

Was CFOs 2026 erwartet

Die Finanzchef*innen der Unternehmen werden zu strategischen Architekt*innen...
Ein Wolf im Wald zwischen Bäumen

Tierlieb

Manchmal geht das mit dem Naturschutz auch nach hinten los – Zeit, die Krone...
Mahlzeit am Morgen ohne Kummer und Sorgen

Mahlzeit am Morgen ohne Kummer und Sorgen

Wer sein Business-Breakfast nicht immer im Meetingraum veranstalten will, dem...
Großspeicher im Burgenland

Großspeicher im Burgenland

Der Eisenstädter Bürgermeister Thomas Steiner hat am 12. Mai gemeinsam mit...
Porträtbild von Helmut Leopold, er schaut in die Kamera

Wenn ich das damals gewusst hätte ...

Helmut Leopold verbindet als Head of Center for Digital Safety & Security die...