Donnerstag, Juli 16, 2026

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Österreich nutzt digitale Technologien zunehmend breit, doch die dafür notwendigen Kompetenzen entwickeln sich deutlich langsamer. Das zeigt das "Digital Skills Barometer 2025/2026", das von der Initiative fit4internet gemeinsam mit Vertreter:innen aus Politik und Wirtschaft präsentiert wurde.

KI: Nutzung wächst schneller als Kompetenz
Foto: BMWET/Holey


Bild: Haben die Kompetenzen im Zeitalter von Ki und Digitalisierung im Fokus: Hans Greiner (Cisco), Minister Wolfgang Hattmannsdorfer (BMWET), Markus Schaffhauser (Atos, fit4internet), Hermann Erlach (Microsoft), Christoph Becker (ETC). Patricia Neumann (Industriellenvereinigung, Siemens) war zugeschaltet.

 

Erstmals rückt die österreichische Studie das Thema digitale Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit in Kombination mit wesentlichen Technologie- und Anwendungsfeldern in den Mittelpunkt: Wie stark sind Cyber-, Cloud-, Data- und KI-Kompetenzen in Österreich ausgeprägt? Wie flexibel und resilient sind Online-Österreicher:innen in der Nutzung dieser Anwendungen? Und wie ausgeprägt ist die digitale Governance?

Die aktuelle Ausgabe basiert auf einer repräsentativen Online-Erhebung unter 2.273 Personen, darunter 1.522 Erwerbstätige, und wurde im Zeitraum Juli bis Oktober 2025 durchgeführt. Erhoben wurden sowohl die digitale Selbsteinschätzung, als auch das digitale Wissen und Grundlagenverständnis in den Bereichen Cloud, Cybersecurity, Data und Künstliche Intelligenz auf Grundlage des österreichischen digitalen Kompetenzmodells – DigComp 2.3 AT.

Große Nutzung, begrenzte Kompetenz
Ein zentrales Ergebnis: Digitale Technologien sind im Arbeitsalltag weit verbreitet und werden als hoch relevant eingeschätzt. Gleichzeitig zeigt sich eine deutliche Diskrepanz zwischen Selbstbild und tatsächlicher Kompetenz. Während die Befragten ihre digitalen Fähigkeiten im Durchschnitt mit 63 von 100 Punkten bewerten, erreichen sie im objektiven Wissenstest lediglich 35 Punkte. Der daraus resultierende Technology Skills Gap von 28 Punkten entspricht rund eineinhalb Kompetenzstufen des digitalen Kompetenzmodells.

Im Detail bedeutet das, dass sich knapp 60 Prozent der Befragten auf den unteren beiden Kompetenzstufen bewegen und damit laufende Unterstützung im digitalen Alltag benötigen. Nur 42 Prozent verfügen über jene Fähigkeiten, die einen selbstständigen, sicheren und reflektierten Einsatz digitaler Technologien ermöglichen.

Besonders ausgeprägt ist der Kompetenzrückstand in den Technologiefeldern Cloud (35 Punkte), Data (23 Punkte) und KI (30 Punkte). Demgegenüber wächst die Nutzung in diesen Bereichen: 81 Prozent verwenden Cyber-Anwendungen, 65 Prozent Cloud-basierte Tools und 51 Prozent setzen bereits KI-Anwendungen ein. Weitere 39 Prozent kennen KI, nutzen sie aber noch nicht aktiv. Großer Nachzügler sind Anwendungen im Bereich Datenerfassung, -management oder -analyse: nur 23 Prozent der Befragten nutzen diese regelmäßig, 38 Prozent kennen nicht einmal Anwendungen in diesem Feld.

Mindset als kritischer Faktor

Erstmals analysiert das Digital Skills Barometer systematisch auch Aspekte der digitalen Resilienz, darunter Lernbereitschaft, Umgang mit digitalen Veränderungen, Problemlösungs- und Anpassungsfähigkeit im technologischen Wandel. Die Ergebnisse zeigen ein geteiltes Bild: Etwa die Hälfte fühlt sich im digitalen Alltag resilient, die andere Hälfte hat hier noch großen Unterstützungsbedarf.

Deutliche Unterschiede zeigen sich auch nach Unternehmensgröße: Beschäftigte in Großunternehmen weisen signifikant höhere Resilienzwerte auf als jene in kleinen und mittleren Betrieben.

Darüber hinaus wurde erhoben, wie Erwerbstätige die digitale Wettbewerbsfähigkeit ihrer Organisationen wahrnehmen. Dabei wurde analysiert, ob Unternehmen eine klare digitale Vision und Strategie haben, mit vorhandenen Ressourcen und Prioritäten digitale Maßnahmen wirksam umsetzen sowie intern transparent und anschlussfähig kommunizieren und damit die Unternehmens-entwicklung und -position verbessern. Nur rund 44 Prozent der Beschäftigten nehmen in ihrem Unternehmen die zentralen Voraussetzungen für digitale Wettbewerbsfähigkeit als gegeben wahr. Das bedeutet: Es gibt gute Ansätze in den Unternehmen die digitale Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, aber die Mehrheit erlebt noch keine stabile, überzeugende digitale Umsetzungskraft und Wirkung.

Das digitale Mindset – über Fragestellungen wie z.B. chancenorientiert, lernbereit, nutzenfokussiert, chancenbewusst, selbstmotiviert und mit Blick auf die Effizienzpotentiale der digitale Wandel wahrgenommen wird – ist insgesamt vergleichsweise hoch: Jede:r Zweite zeigt ein starkes digitales Mindset. Gleichzeitig gilt: Digitales Mindset (52,5 Prozent) liegt über digitaler Wettbewerbsfähigkeit (43,5 Prozent) und digitaler Resilienz (49,5 Prozent). Somit ist Haltung weiter als organisatorische Umsetzung. Der Mittelstand (50–249 Mitarbeitende) ist besonders aufgeschlossen.

KI als Innovationshebel

Bundesminister Wolfgang Hattmannsdorfer ordnet die Ergebnisse aus politischer Sicht ein: „Die internationale Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts entscheidet sich in Schlüsseltechnologien wie Künstlicher Intelligenz, Cloud, Data und Cybersecurity. Genau diese Zukunftsfelder adressieren wir mit unserer Industriestrategie 2035. Technologie allein reicht nicht – wir brauchen die Kompetenzen im Land, um Innovation, Produktivität und industrielle Wertschöpfung nachhaltig abzusichern. Deshalb stellen wir jetzt die richtigen wirtschafts- und industriepolitischen Weichen“

Digitale Kompetenzen sind damit nicht nur Aspekte der Bildungs-, sondern auch der Wirtschafts- und Standortpolitik, da sie maßgeblich über Produktivität, Wettbewerbsfähigkeit und Krisenfestigkeit in den Unternehmen entscheiden.

Auch für fit4internet-Präsident und Atos Group SVP Markus Schaffhauser, ist der Handlungsdruck evident: „Das Digital Skills Barometer zeigt sehr deutlich: Wir haben kein Technologie-, sondern ein Kompetenzproblem. Wenn KI-Nutzung schneller wächst als das Verständnis für Cloud, Data und Cybersecurity, entsteht ein strukturelles Risiko für Unternehmen und den Standort. Digitale Kompetenz ist keine Zusatzqualifikation mehr, sondern eine wirtschaftliche Kernressource. Wer hier nicht systematisch investiert, verliert Innovationskraft, Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit.“

Digitalisierung als Chance

Für die Industrie ist Digitalisierung vor allem eine strategische Standortfrage. Patricia Neumann, Vizepräsidentin der Industriellenvereinigung und Generaldirektorin von Siemens Österreich, betonte: „Für Österreich ist Digitalisierung die Chance an der Spitze im Ländervergleich mitzuspielen. Nutzen wir das Potenzial kluger Köpfe, wettbewerbsfähiger Unternehmen und industrienaher Anwendungen.“

Aus Sicht der Technologieanbieter verwies Hermann Erlach, General Manager von Microsoft Österreich, auf die Voraussetzungen für erfolgreiche digitale Transformation: „Technologie schafft die Grundlage, doch erst mit den richtigen Fähigkeiten in der Gesellschaft und dem nötigen Vertrauen der Menschen wird KI zum Motor für Innovation und nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg.“

Hans Greiner, Managing Director von Cisco Österreich, hob die sicherheitspolitische Dimension hervor: „Digitalisierung ist Sicherheits- und Resilienzgrundlage – die entscheidet letztendlich, wie krisenfest Wertschöpfung, Lieferketten, öffentliche Services und kritische Infrastrukturen funktionieren.“ Gerade im Bereich Cybersecurity sei zwar die Nutzung hoch, das Verständnis für Risiken, Prozesse und Verantwortung jedoch vielfach unzureichend ausgeprägt.

Abschließend verwies Christoph Becker, Geschäftsführer des Enterprise Training Center (ETC), auf den wachsenden Handlungsdruck im Qualifizierungsbereich: „Die KI-Nutzung wächst schneller als die dafür notwendige digitale Kompetenz.“ Zwar geben rund 50 Prozent der Befragten an, ihre digitalen Fähigkeiten gezielt verbessern zu wollen, tatsächlich hat jedoch nur etwa ein Drittel im vergangenen Jahr an einer digitalen Weiterbildung teilgenommen.

Grundlage und Hilfestellungen

Mit dem Digital Skills Barometer 2025/2026 liegt eine umfassende empirische Grundlage vor, um Qualifizierungsmaßnahmen, Unternehmensstrategien und politische Initiativen gezielt weiterzuentwickeln. Mit dem Leitfaden „Der Digitale Durchblick“ sollen jetzt die Zusammenhänge von Cloud, Daten und KI einfach verständlich erklärt werden. Mit "DigComp Assessments" wird mittelständischen Unternehmen kostenfrei ein Instrument zur Verfügung, um digitale Kompetenzen messbar und gezielt entwickelbar zu machen. Über die Cisco Networking Academy bietet die Initiative frei zugängliche, deutschsprachige Online-Kurse zu KI, IoT & digitaler Transformation, Cybersecurity und Data Science an.

„Das f4i-Paket setzt genau dort an, wo die größten Engpässe bestehen: Es gibt Unternehmen praxisnahe Werkzeuge an die Hand, um den Kompetenzstand zu messen, digitale Kompetenzen gezielt zu entwickeln und Mitarbeitende fit für KI, Cloud, Data, Cybersecurity und die digitale Transformation zu machen. So tragen wir treffsicher dazu bei, digitale Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit am Standort nachhaltig zu stärken“, resümiert Markus Schaffhauser.

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