Sunday, February 22, 2026

Mehrwert für Manager

Ticker

Font size: +

Speicherkraftwerkwerke: High-end Technik im Gebirge

Druckrohrleitungen sind systemkritische Teile bei Speicherkraftwerken: Dynamischer Lastwechsel, besondere geologische und klimatische Verhältnisse und der Anspruch der Betreiber an eine Lebensdauer bis zu hundert Jahren, fordern sowohl Material und Schweißtechnik.

Teil 1: Bewährte Technologie für die Energiewende

Teil 2: High-End Anforderungen bei Werkstoffen und Technik für Druckrohrleitungen

Teil 3: Auf die Mitarbeiter kommt es an

Extreme Beanspruchungen
„Die große Herausforderung im Kraftwerk Kaunertal war es, die extremen Beanspruchungen in den Druckschacht-Panzerungen und Verteilrohre in den Griff zu bekommen", erklärt Rainer Maldet, ehemals Tiroler Wasserkraft AG. Darüber hinaus gilt die 1.440 Meter lange Druckschacht-Panzerung bzw. -Leitung, als eine der Höchstbelasteten in den Alpen: „Nicht nur aufgrund der Geologie ist das Kaunertal für Kraftwerksbauer besonders fordernd, sondern auch wegen der rauen klimatischen Bedingungen in den Alpen." Um einen verlässlichen Betrieb für mindestens 100 Jahre zu gewährleisten, gingen die Beteiligten daher neue Wege – sowohl hinsichtlich der Stahlwerkstoffe als auch bei deren Verarbeitung. Die geplante hohe Lebensdauer der Druckschacht-Panzerungen und Verteilrohre beim Ausbau des Kraftwerkes Kaunertal bewirkte nämlich erhebliche Konsequenzen: Der Zielvorgabe von 100 Jahren entspricht im dynamisch belasteten Druckrohr mindestens acht Millionen Lastwechsel. „Wie im Straßenbau entstehen letztlich durch laufende Lastwechsel die Probleme", sagt Maldet. „Klarer Anspruch der TIWAG war es, die dynamischen Beanspruchungen schon in der Planung - also Dauerfestigkeits- und Zeitstandfestigkeitsprobleme und dergleichen - zu berücksichtigen. Bei dynamischen Beanspruchungen hilft nämlich eine noch höhere Festigkeit überhaupt nichts, deshalb sind Überlegungen in Richtung Betriebsfestigkeit vorzunehmen. Gemeinsam mit der voestalpine Grobblech GmbH hat sich die TIWAG daher neue Werkstoffkonzepte für das Kaunertal überlegt, die nach wie vor Gültigkeit haben."

Stichwort Overmatching
„Am Berg haben wir eine Beanspruchung, die sich wie ein Strudelteig zieht", verdeutlicht Maldet. „Dann lebt der Bauteil mit Gleichmaßdehnung. Auf der anderen Seite benötigt man natürlich diese Dehnung im Grundwerkstoff, weil der 99 Prozent vom Gesamtrohr ausmacht Eine der wesentlichen Forderungen der TIWAG im Kaunertal bestand daher darin, dass das Schweißgut eine höhere Zugfestigkeit aufweisen muss als der Grundwerkstoff. Das heißt, dass ein Overmatching der Schweißnaht notwendig ist."

Geringer Kohlenstoffgehalt

Eingesetzt im Kaunertal wurde dann, auf Basis der TIWAG Vorversuche, ein von der voestalpine entwickelten Stahl, den es bisher in diesem Materialdesign noch nicht gab: alform plate 580/820M (thermisch gewalzt und beschleunigt abgekühlt) mit mindestens 580 MPa als 0,2 %-Dehngrenze (für die Streckgrenze) und maximal 820 MPa Zugfestigkeit. Diese Deckelung der Zugfestigkeit bildet die Voraussetzung, dass der Stahlverarbeiter beim Schweißen das von der TIWAG geforderte Overmatching mit allen eingesetzten Schweißverfahren in allen Schweißpositionen realisieren konnte. Dieser Stahl besitzt einen Kohlenstoffgehalt unter 0,05 %. Bei den typischen handelsüblichen Stählen dieser Festigkeitsklasse S690Q (vergütet) beträgt der Kohlenstoffgehalt ca. 0,16 %. Daraus resultieren auch die erforderlichen metallurgischen Eigenschaften des Schweißgutes der in Frage kommenden Schweißverfahren: UP(Unterpulver)-, MAG(Metall-Aktivgas)-, E(Elektroden)-Hand- sowie automatisierte WIG-Heißdraht Prozesse. Dabei galt es, praktikable Parameter für die aus der Geometrie resultierenden Schweißpositionen zu finden. Für dieses Projekt hat die TIWAG mit einem Vorlauf von zwei Jahren umfangreiche technische Versuche und Erprobungen durchgeführt.

Innovationen bei Stahl
Als renommierter Hersteller hat die voestalpine Grobblech GmbH, eine Tochtergesellschaft der Steel Division der voestalpine AG, schon in den Nullerjahren begonnen Ansätze zu entwickeln, um Stahl sicher, kostengünstig und effizient, für die speziellen Bedingungen des alpinen Kraftwerkbaus, verarbeiten zu können. „Wenn Rohrleitungen geschweißt werden, egal ob Druckrohrleitung oder Line Pipe, dann ist ausschlaggebend für die Auswahl vom Stahl, dass er möglichst gut, schnell und gutmütig schweißbar ist", sagt Regina Leidinger, voestalpine Grobblech GmbH. „Gerade für Druckrohrleitungen gilt, sie mit geringem Aufwand im Berg montieren zu können. Heute sind Stähle im Vergleich zu den Vorgenerationen niedrig legiert, weisen einen geringeren Kohlenstoffanteil auf und besitzen damit deutlich verbesserte Eigenschaften. Dies bedeutet, dass Spannungsarmglühen (zum Abbau innerer Spannungen im Werkstück) nach dem Schweißen bei gewissen Stählen nicht mehr notwendig ist." Die Entwicklungserfahrungen und die erfolgreiche Umsetzung im Kaunertal bilden die Basis für eine neue Ära des Stahldesigns, nicht nur in dieser Nische. Neue Projekte lassen sich damit durch Adaptierungen im Walz- und Temperaturführungsprozess mit geringer Vorlaufzeit realisieren. „Das sind die kleinen Schrauben, die wir drehen, um am Schluss die vollkommene Spezifikation zu erfüllen", verrät Leidinger aus der Praxis. „Eine neue Entwicklung ist daher nicht zwingend notwendig, jedoch eine maßgeschneiderte Adaptierung der Parameter in der Stahlerzeugung." … Lesen Sie bitte mehr auf https://www.kremsmueller.com/wasserkraft/

Fotos: Kremsmüller

Industrie 5.0 – Eine längst fällige Korrektur
Speicherkraftwerke: High-End Technik im Gebirge

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://www.report.at/

Firmen | News

Marija Kotnig
20 February 2026
Firmen | News
Ende letzten Jahres wurden aktuelle Wirkfaktoren in der Carbon Footprint Berechnung für Österreich und Deutschland veröffentlicht. Für Unternehmen ist das Wissen über die aktuellsten Faktoren entscheidend, um diese in der Treibhausgasbilanzierung ber...
Vertiv
20 February 2026
Firmen | News
Der Energiebedarf von Rechenzentren wächst rasant. Künstliche Intelligenz (KI), High-Performance-Computing und datenintensive Anwendungen treiben die Leistungsanforderungen kontinuierlich nach oben. Gleichzeitig verschärfen sich Umweltauflagen, und U...
Firmen | News
19 February 2026
Firmen | News
Bewegung verbindet Menschen auf eine tiefgreifende und unmittelbare Weise miteinander, die Worte allein nur selten erreichen können, weil sie direkt auf einer körperlichen und emotionalen Ebene wirkt. Wenn Kolleginnen und Kollegen gemeinsam rhythmisc...
Vertiv
19 February 2026
Firmen | News
Vertiv™ Next Predict ist ein neuer KI-gestützter Managed Service, der Fachwissen aus der Praxis mit fortschrittlichen Algorithmen für maschinelles Lernen kombiniert, um Probleme zu antizipieren, bevor sie auftreten. Vertiv (NYSE: VRT), ein weltweit f...

Neue Blog Beiträge

16 February 2026
Markt und Marketing
Mensch und Gesellschaft
Warum Zukunft mehr mit Führung als mit Rahmenbedingungen zu tun hat? Wenn über Wettbewerbsfähigkeit gesprochen wird, richtet sich der Blick schnell auf die bekannten strukturellen Themen: Regulierung, Kapitalmärkte, fragmentierte Märkte oder langsame...
13 February 2026
Intelligente Netze
Markt und Marketing
Eine Markteinschätzung von Dominic Rizzo, Portfoliomanager der Global Technology Equity Strategy bei T. Rowe Price. KI sorgt für den größten Produktivitätsschub seit der Erfindung der Elektrizität, und wir stehen noch ganz am Anfang. Die Beweise...
12 February 2026
Europa
Mensch und Gesellschaft
Zwei exzellente Logiken. Ein System. Ein Widerspruch.Viele Organisationen und auch die Politik fordern Innovation. Viele Organisationen führen mit denselben Regeln wie die Produktion. Mehr Kontrolle. Mehr Druck. Mehr KPIs. Mehr Reporting. Und dann wu...