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Aus für Sanierungsbonus: Das sagt das Ministerium
Am 2. Februar verkündete das Umweltministerium das überraschende Aus für die Förderung der thermischen Sanierung. Eine Entscheidung mt weitreichenden Folgen für die Banche. Der Bau & Immobilien Report hat im Umweltministerium nachgefragt, wie es dazu gekommen ist und wann eine Fortsetzung geplant ist.
Das Aus für den Sanierungsbonus hat in der Branche eingeschlagen wie eine Bombe. Allerorts überraschte, ratlose und verärgerte Gesichter. Die Reaktionen reichten von „unverständlich“ bis „schwachsinnig“. Tatsächlich scheint niemand die Entscheidung, die am 2. Februar mittels Presseaussendung verkündet wurde, kommen gesehen zu haben. Seit diesem Tag sind keine Anträge für die Förderung der thermischen Sanierung mehr möglich. Geld gibt’s nur noch für Kesseltausch. Fragt man im Ministerium nach den Gründen für das Förder-Aus der thermischen Sanierung, kann man feststellen: Der Sanierungsbonus wurde ein Opfer seines eigenen Erfolges. „Erstmalig und nicht absehbar entfällt bei der Budgetbindung der bisher eingelangten Registrierungen und Antragstellungen im Rahmen der Sanierungsoffensive des Bundes nur rund 1/3 der gebundenen Mittel auf den Kesseltausch, während etwa 2/3 der Budgetbindung auf den Sanierungsbonus entfallen“, heißt es aus dem Ministerium. Tatsächlich wurden seit dem Start im November 2025 bereits Anträge im Volumen von rund 220 Millionen Euro gestellt, davon entfallen 137,5 Millionen Euro auf die thermische Sanierung. Damit verschiebe sich auch die Fördereffizienz der Sanierungsoffensive, da laut Ministerium „im Kesseltausch die Effektivität der Förderung, gemessen in Euro pro Tonne CO2, höher liegt als im Bereich der thermischen Sanierung“.
Die Kritik aus der Branche könne man im Ministerium nachvollziehen und nehme sie auch sehr ernst, die budgetären Zwänge ließen aber wenig Spielraum. Gleichzeitig verweist man auf weiterhin bestehende Förderungen der Länder. Diese sind regional aber sehr unterschiedlich ausgestaltet, wie auch Global 2000 kritisiert. Spitzenreiter ist Tirol. Dort gibt es für eine beispielhafte Sanierung einen Einmalzuschuss in Höhe von fast 40 %, während man in Oberösterreich nur 12 % bekommt. Besonders problematisch ist die Situation in Salzburg und der Steiermark: Hier gibt es derzeit überhaupt keine Förderung für thermische Sanierungsmaßnahmen.
Wann wieder gefördert wird
Wie es 2027 mit der Bundesförderung der thermischen Sanierung weitergehen wird, ist Stand jetzt noch völlig offen. Eine zukünftige Sanierungsoffensive ist laut Ministerium maßgeblich abhängig vom Ergebnis der Budgetverhandlungen mit dem Finanzministerium. Die inhaltliche Ausgestaltung einer etwaigen Sanierungsoffensive für 2027 würde entlang dieser Rahmenbedingungen und unter Einbindung der Stakeholder vorbereitet werden, dieser Stakeholderprozess sei aber noch nicht gestartet.
Hintergrund
Etwa 1,2 Millionen Gebäude weisen laut Gebäudereport 2025 einen besonders hohen Renovierungsbedarf auf. Eine näherungsweise Berechnung von Baumit zeigt, dass über ungedämmte und schlecht gedämmte Fassaden jährlich mehr als 9,6 TWh an Energie verpuffen – das entspricht der jährlichen Stromproduktion von sieben Donaukraftwerken der Größenordnung von Ybbs-Persenbeug und einem Einsparpotenzial von zumindest 1,25 Milliarden Euro. Dass sich die Förderung der thermischen Sanierung auch für Vater Staat lohnt, zeigt eine 2025 durchgeführte volkswirtschaftliche Analyse. Demnach entfalten Investitionen in die Einzelbauteilsanierung von Außenwänden eine deutlich höhere wirtschaftliche Wirkung als vergleichbare Förderungen technischer Einzelmaßnahmen wie dem Kesseltausch. Bereits ein Fördervolumen von einer Million Euro führt zu einem BIP-Effekt mit dem Faktor 3,8 und zahlreichen, gesicherten Arbeitsplätzen. Die in den Jahren 2023 und 2024 ausgeschütteten Förderungen von rund 1,5 Milliarden Euro führten zu Investitionen von etwa fünf Milliarden Euro.
Alternativ-Vorschlag aus der Branche
Abseits der verständlichen Aufregung rund um das Förder-Aus gibt es auch konstruktive Vorschläge, wie man das Beste aus der Situation machen könnte. So plädiert etwa der Österreichische Baumeisterverband (ÖBV), jene Teile der im Februar 2024 beschlossenen Wohnbau-Milliarde, die – nicht zuletzt aufgrund der restriktiven Zuschusskriterien – von den Ländern nicht abgeholt wurden bzw. werden, für eine neue Sanierungsoffensive zu verwenden. Der Sanierungsbegriff soll dabei aber durchaus breiter definiert werden: Anstatt lediglich die Sanierung einzelner Gebäudeteile bzw. der Gebäudehülle zu fördern, sollten umfassende bauliche Sanierungen (z. B. von Ortskernen) forciert werden. Damit würde auch wesentlichen Zielsetzungen des Regierungsprogramms Rechnung getragen werden, nämlich konkret die „laufende Evaluierung des Wohnbaupakets“, die „Unterstützung thermisch-energetischer Sanierung durch gezielte Förderprogramme“ sowie eine „Umsetzung der baukulturellen Leitlinien des Bundes zur Belebung der Stadt- und Ortskerne“. „Ich appelliere an die Bundesregierung, nicht am falschen Platz zu sparen und im Wege einer Sanierungsoffensive Impulse für bauliche Maßnahmen zu setzen. Der Heizkesseltausch alleine greift hier zu kurz. Eine nachhaltige Reduktion des Energieeinsatzes wird nur in einem Gesamtpaket, welches auch die Gebäudesubstanz miteinschließt, zu bewerkstelligen sein“, sagt ÖBV-Obmann Robert Jägersberger.
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