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Wer in Trumps USA einreist, muss mit physischen und digitalen Komplettdurchsuchungen rechnen – oder Schlimmerem.

Nackt an der Grenze
Bild: iStock

Das US-Tech-Magazin Wired hat eine lange und schillernde Geschichte. Gegründet 1993, galt die Publikation lange Jahre als Sprachrohr der ersten Generation von Digital Natives und damit nicht selten auch der Techno-Utopisten des Silicon Valley. Der Fokus auf Technologie, Vernetzung und Digitalkultur verbreiterte sich mit der Digitalisierung der gesamten Welt durchaus in Richtung Gesellschafts- und Wirtschaftsthemen, aber auch zu Kultur- und Digitalpolitik. In Donald Trumps zweiter Amtszeit bedeutet diese Verbreiterung auch den Widerstand gegen dessen Frontalangriffe auf Demokratie und Pluralität.

Während US-amerikanische Breitenmedien auf Trumps wilde 100 erste Tage im Amt mit einer Mischung aus Hilflosigkeit und »Sanewashing« reagierten, hat sich Wired bewusst für einen proaktiven, ambitioniert politischen Journalismus entschieden, der unter anderem auch Elon Musks Rolle bei der Zerschlagung diverser staatlicher Einrichtungen im Namen der Effizienz kritisch begleitete.

Digitalpolitische Themen wie der Umgang mit Überwachungstechnologie gehören seit jeher zur Kernkompetenz der Publikation. Dass sie ihrer US-amerikanischen und internationalen Leserschaft nun Tipps für den heiklen Umgang mit dem Grenzregime des »Land of the free« anbieten muss, ist eine der bitteren Pointen der jüngeren Vergangenheit.

Wenig Rechte an der Grenze
Die Ein- oder auch Ausreise in die USA kann durchaus auch für Touristen aus Europa in wochenlanger Haft enden, das haben zahlreiche Fälle in den letzten Monaten bewiesen. Nicht selten wird den Reisenden dabei ihr digitales Handgepäck zum Verhängnis. Nicht nur Pass und biometrische Daten, auch Social-Media-Postings, E-Mails oder andere digitale Spuren auf Smartphone und Notebook werden von der Customs and Border Protection genau gescreent. Ein spöttischer Post auf Instagram in jüngerer oder auch ferner Vergangenheit kann ausreichen, um den USA-Urlaub in einer fensterlosen Anhaltezelle enden zu lassen.

Der unironische Rat der Wired-Autoren in einem aktuellen Artikel: Wer an der US-amerikanischen Grenze Probleme sowohl bei der Ein- als auch der Ausreise vermeiden will, sollte entweder die sorgfältige Kontrolle und Säuberung des eigenen Telefons angehen oder gleich den temporären Umstieg auf ein jungfräuliches Wegwerf-Handy überlegen. Allerdings, so der Hinweis, sollte man darauf vielleicht pro forma ein paar unverfängliche Social-Media-Accounts anlegen. Gar zu blütenweiße Geräte erregen sonst erst recht das Misstrauen der Behörden. Was bislang höchstens bei der Einreise in autoritäre Diktaturen üblich war, wird nun unironisch auch Reisenden in die USA anempfohlen – und zwar nicht von verschwörungstheoretischen Wirrköpfen, sondern nüchternen Beobachtern der politischen Verschärfung unter Trumps autoritärer Wende.

Kein Wunder, dass diese Verunsicherung sich auch in den US-Besucherzahlen niederschlägt: Reiseanbieter berichten von Rückgängen zwischen 20 und 50 Prozent je nach Ursprungsland, die Gesamtzahl an Besuchern aus Übersee sei allein im März um über zwölf Prozent unter jenen des Vorjahres, obwohl bis vor Kurzem noch mit einem Plus im leichten zweistelligen Bereich gerechnet worden war.



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