Samstag, Oktober 24, 2026

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Die ohnehin gedämpfte heimische Konjunktur wird durch die jüngsten geopolitischen Entwicklungen neuerlich belastet. Die Zentralbanken agieren umsichtig, die Finanzmärkte eher defensiv.

Hoffnung keimt
Bild: iStock


Die Erholung der österreichischen Wirtschaft bleibt bislang verhalten. Laut WIFO Konjunkturbericht vom März 2026 stagnierte die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal 2025, während sich die Unternehmensstimmung zuletzt leicht eintrübte. Die Industrie zeigt noch keine nachhaltigen Aufwärtstendenzen: Die Exportnachfrage entwickelt sich schwach, die Investitionstätigkeit bleibt zurückhaltend. Zusätzlich wirkt die enge wirtschaftliche Verflechtung mit Deutschland dämpfend auf das Wachstum. Auch die budgetären Konsolidierungsmaßnahmen der Bundesregierung bremsen kurzfristig die Konjunktur. Eine spürbare Erholung wird derzeit eher ab 2026/2027 erwartet.

Die jüngsten geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben die Energiemärkte zeitweise stärker bewegt. Im Zuge der Unsicherheiten rund um wichtige Transportwege kam es zu deutlichen Preisschwankungen bei Rohöl und Erdgas. Höhere Energiepreise erhöhen den Kostendruck und können sowohl das Wirtschaftswachstum dämpfen als auch die Inflation beeinflussen. Für Österreich wird die Inflationsrate im Februar auf rund 2,2 Prozent geschätzt, wobei kurzfristig mit erhöhter Volatilität zu rechnen ist.

Signale der Stabilisierung
Anfang April mehrten sich Anzeichen für eine mögliche Entspannung: Zwischen den beteiligten Akteuren wurde ein befristeter Waffenstillstand vereinbart, verbunden mit diplomatischen Initiativen zur Sicherung zentraler Handelsrouten. Internationale Vermittlungsbemühungen laufen, ein mehrstufiger Vorschlag für weitere Gespräche liegt vor. Die Finanzmärkte reagierten entsprechend positiv, risikobehaftete Anlageklassen konnten zulegen. Gleichzeitig bleibt der Weg zu einer nachhaltigen politischen Lösung komplex und mit Unsicherheiten behaftet.

Die Europäische Zentralbank senkte im März 2026 ihre Leitzinsen auf 2,5 Prozent und bewegt sich weiterhin im Spannungsfeld zwischen konjunktureller Unterstützung und Preisstabilität. Auch in den USA wird mit einer vorsichtigen Lockerung der Geldpolitik gerechnet. Das wirtschaftliche Umfeld erfordert auf beiden Seiten des Atlantiks eine sorgfältige geldpolitische Abwägung.

Für die Wiener Börse bedeutet das aktuelle Umfeld erhöhte Schwankungsanfälligkeit, insbesondere für konjunktursensible Titel. Viele Marktteilnehmer*innen bevorzugen daher derzeit eine eher defensive Ausrichtung. Auf mittlere Sicht bleibt das Szenario eines moderaten Wachstums bei leicht erhöhter Inflation jedoch bestehen. In einem stabileren geopolitischen Umfeld könnten davon auch risikobehaftete Anlageklassen wieder stärker profitieren.


Über den Autor
Paul Severin ist Head of Communications der Erste Asset Management, Vorstandsmitglied der Österreichischen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (ÖVFA), EMC-Member der European Federation of Financial Analysts Societies (EFFAS).

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