Freitag, Oktober 23, 2026

Mehrwert für Manager

Bau | Immobilien

Südtirol bietet nicht nur ein atemberaubendes Naturerlebnis. Als Wirtschaftsstandort steht die Region südlich des Brenners gleichermaßen für Tradition und Innovation, für Kreativität und Verlässlichkeit. Die Südtiroler Bauwirtschaft zeichnet sich vor allem durch ein starkes Miteinander aus.

Innenstadt, Bogen mit historischem Haus im Hintergrund
»Der Bau & Immobilien Report unterwegs in Südtirol«


Südtirol ist ein Land der Übergänge. Geografisch liegt es an der Brennerachse, einer der bedeutendsten europäischen Nord-Süd-Verbindungen. Kulturell treffen deutschsprachige, italienische und ladinische Einflüsse aufeinander. Wirtschaftlich richtet man den Blick gleichzeitig nach Süden und nach Norden: Deutschland ist der wichtigste Außenhandelspartner, gefolgt von Österreich. Mehr als 2.100 Südtiroler Unternehmen exportieren jährlich ins Ausland. Die Handelskammer Bozen spricht ausdrücklich von einer Brückenfunktion Südtirols zwischen Italien und den Märkten nördlich der Alpen.

Der Bau & Immobilien Report hat sich anhand von mehreren Projekten vor Ort ein Bild gemacht, wie sich diese besondere Lage auf Baukultur, Unternehmertum und Projektentwicklung auswirkt. Die Recherchereise führte zum Stahl- und Fassadenbauer Pichler Projects nach Bozen, zum kreisförmigen Aparthotel OLM Nature Escape im Ahrntal sowie zur neuen Zentrale des Druckmaschinenherstellers Durst und zum historischen Stadthaus Fink Restaurant & Suites in Brixen.

Bauen als gemeinsamer Prozess
Auf den ersten Blick haben diese Projekte wenig gemeinsam. Hier ein international tätiger Industriebetrieb, dort zwei Hotels mit völlig unterschiedlichen Konzepten; hier ein weithin sichtbarer Neubau, dort der behutsame Rückbau eines mehr als 500 Jahre alten Hauses. Bei näherer Betrachtung zeigt sich aber eine offensichtliche Gemeinsamkeit: Planung wird nicht als lineare Abfolge voneinander getrennter Leistungen verstanden, sondern als gemeinsamer Entwicklungsprozess. Die geografische und kulturelle Lage Südtirols scheint diesem Verständnis entgegenzukommen. Hannes Market, Geschäftsführer Pichler Projects, beschreibt unterschiedliche Traditionen: In Österreich und Deutschland sind Ausschreibungen meist detaillierter und stärker formalisiert. In Italien werden Leistungen häufiger funktional beschrieben, wodurch den ausführenden Unternehmen mehr Spielraum bei der Entwicklung der technischen Lösung bleibt. »In Südtirol bewegen wir uns in beiden Kulturen. Italienische Kunden schätzen unsere Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Qualität. Deutsche und österreichische Kunden wiederum schätzen häufig, dass wir flexibel auf Veränderungen reagieren und nicht bei jeder kleineren Planänderung sofort formale Bedenken anmelden.«

Von der Visualisierung zum Gebäude
Wie wichtig dieser gemeinsame Entwicklungsprozess ist, zeigt die Zentrale der Durst Group in Brixen. Der Entwurf von monovolume architecture + design übersetzt das Kerngeschäft des Druckmaschinenherstellers in Architektur. Architekt Patrik Pedó reduzierte die Tätigkeit des Unternehmens gedanklich auf ihren Kern: Ein Tropfen Farbe muss exakt an die richtige Stelle auf einem Medium gebracht werden. Daraus entstand die weiße Pixelfassade mit ihren einzeln inszenierbaren Fenstern. Die gestalterische Idee allein ergab aber noch kein dauerhaft funktionierendes Gebäude. Vor allem der Übergang vom vertikalen Turm in die weit auskragende, geneigte Fassaden- und Dachkonstruktion stellte hohe Anforderungen an Glasbau, Metallbau, Abdichtung und Bauphysik. Das ursprüngliche Rendering musste Schritt für Schritt in eine technisch und wirtschaftlich realisierbare Konstruktion übersetzt werden. Michael J. Purzer, Senior Manager Business Development von Frener & Reifer, bezeichnet Renderings als eine Art gestalterisches Pflichtenheft. Die Aufgabe des ausführenden Spezialisten bestehe darin, dieses Versprechen möglichst entwurfsnah einzulösen. Das funktioniert bei komplexer Architektur nur in enger Abstimmung mit den Planern.

Nutzer an Bord
Beim OLM Nature Escape im Ahrntal wurde der Kreis der Beteiligten noch weiter gezogen. Bauingenieur Giannicola Cesaro beschreibt die Entwicklung ausdrücklich als Prozess. »Es war nicht so, dass der Architekt plante, der Statiker rechnete und die Baufirma anschließend ausführte. Entscheidungen wurden vor- und zurückgespielt und so lange bearbeitet, bis Gestaltung, Statik, Haustechnik und Betrieb miteinander funktionierten.« Zum Planungsteam gehörten neben Eigentümern, Architekten und Fachingenieuren auch Hotelstrategieberater Thomas Steiner, Küchenplaner sowie schon vor der Eröffnung die spätere Geschäftsführung und der kulinarische Leiter. Damit konnten Personen ihre Erfahrungen einbringen, die später täglich mit den räumlichen Entscheidungen leben und wirtschaften müssen.

Was Österreich lernen kann
Was in Südtirol gelebt wird, befindet sich in Österreich teilweise noch in der Diskussionsphase. Early Contractor Involve­ment, partnerschaftliche Projektabwicklung und die Überwindung der strikten Trennung zwischen Planung und Ausführung sind vom flächendeckenden Praxiseinsatz noch ein gutes Stück entfernt. Die Südtiroler Beispiele zeigen, wie konkret der Nutzen sein kann. Frühzeitige Zusammenarbeit vermeidet nicht jeden Konflikt und macht ein Projekt nicht automatisch billiger. Sie sorgt aber dafür, dass Zielkonflikte zu einem Zeitpunkt sichtbar werden, an dem noch echte Alternativen bestehen.


TIPPS: Gut essen in Brixen

Finsterwirt

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Der Finsterwirt im Herzen der Altstadt zählt seit 1870 zu den ersten Adressen in Brixen, wenn es um feines Essen von höchster Qualität geht. In der bereits sechsten Generation zeichnet nun Christoph Mayr für den Erfolg des Finsterwirt verantwortlich. Auf den Tisch kommen vor allem Köstlichkeiten mit Zutaten aus der Region.

Report-Tipp: Genießen Sie das Degustationsmenü auf der lauschigen Terrasse und gönnen Sie sich einen Schluck aus dem gut bestückten Weinkeller. Hier lagern mehr als 400 nationale und internationale Weine, die darauf warten, verkostet zu werden.
www.adlerbrixen.com/restaurant-finsterwirt 


Fink Restaurant

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Das Fink mit seinem pittoresken Laubengang findet man am wahrscheinlich hübschesten Platz der Brixener Altstadt. In der Küche des Fink besinnt sich Küchenchef Florian Fink auf die Prinzipien der Klosterküche zurück: regionale, saisonale Zutaten, bewusster Umgang mit Lebensmitteln und die Kunst, aus einfachen Produkten außergewöhnliche Geschmackserlebnisse zu schaffen.

Report-Tipp: Das Fink überzeugt nicht nur mit einer hervorragenden Mittags- und Abendkarte, sondern auch einem à la carte Frühstück vom Feinsten (Trüffel!). Auch für Nicht-Hausgäste.
www.fink1896.it 


Gasthaus Sunnegg

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Etwas außerhalb von Brixen, mitten in den Kranebitter Weinbergen, verbirgt sich das Gasthaus Sunnegg. Hausherr Alexander steht höchstpersönlich in der Küche und zaubert regionale Gerichte mit italienischen und internationalen Akzenten. Die Sunnegg-Küche besticht mit regionalen Top-Produkten und viel Liebe zum Genuss.

Report-Tipp: Reservieren Sie einen Tisch am Rand der Terrasse und genießen Sie zu dem hervorragenden Essen nicht nur ein Glas aus dem hauseigenen Weingut, sondern auch einen herrlichen Blick in die Weinberge und das Eisacktal.
www.sunnegg.com 

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