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Energie & Industrie
Paradoxe Intervention
Hinter vielen erfolgreichen politischen Kampagnen der letzten Jahrzehnte standen handfeste Interessen der Öl- und fossilen Energieindustrie. Nun holt sie ausgerechnet ihr größter Erfolg ein.
Es ist keine Verschwörungstheorie: Geld aus den fossilen Industrien hat sich jahrzehntelang weltweit Einfluss, politische Macht und Langlebigkeit gekauft. Mit Lobbying, PR-Kampagnen und Wahlhilfe für wohlwollende Politiker haben globale Konzerne den drohenden Klimakollaps seit den Achtzigern zuerst systematisch geleugnet und in Zweifel gezogen und eine Dekarbonisierung der Energieerzeugung effektiv behindert, verzögert und verlangsamt.
Der Druck der milliardenschweren Koch-Brüder auf die US-Politik ist nicht erst seit der Wiederwahl Trumps ein Faktum: Geld aus Erdöl und Gas hat der Fossilen-Lobby den Hebel beschert, nach dem Demokraten Joe Biden tatsächlich erneut einen ihren Interessen treu ergebenen Kandidaten ins Weiße Haus zu befördern. Trump hat nicht nur eine Renaissance von Kohle, Erdöl und Erdgas in Aussicht gestellt und die USA erneut aus dem Pariser Klimaschutzabkommen geführt, sondern mit irrationalem Eifer zahllose Projekte erneuerbarer Energiegewinnung rückabgewickelt und erschwert. Klimawandelleugner und williger Handlanger der fossilen Konzerne im Maschinenraum weltweiter Macht – eigentlich ein Traumszenario für alle, die ihr Geld mit dem Verbrennen von Kohle, Öl, Gas und Zukunft verdienen. Dass sich die glorreiche Wiederkehr von »beautiful clean coal« und anderer fossiler Energien dennoch nicht so recht materialisieren will, liegt an der störrischen Realität, die sich Trumps Willen nicht so demütig unterordnet wie seine republikanischen Wasserträger. Rein wirtschaftlich haben nämlich Erneuerbare längst die Nase vorn.
Mit Vollgas an die Wand
Andererseits ist es ironischerweise Trump selbst, der die besten Argumente für einen raschen Wechsel weg von den Fossilen am Tablett serviert. Immerhin ist es sein wirrer Kreuzzug gegen den Iran, der zur Erpressung der gesamten Weltwirtschaft in der Straße von Hormus geführt hat. Die Blockade führt Regierungen in Asien und Europa, aber eigentlich der ganzen Welt drastisch die Nachteile der Abhängigkeit von Öl und Gas vor Augen. Plakativer wären die Vorteile erneuerbarer Energiegewinnung kaum unter Beweis zu stellen gewesen. Angesichts explodierender Benzinpreise steigt das Interesse an Elektromobilität noch schneller, Wärmepumpen, Photovoltaik und Windenergie erweisen sich auch abseits grün beseelter Early Adopter endgültig als rationale, zukunftsträchtige Technologien. Die in Kulturkämpfen radikalisierten Hardcore-Fans von Ölheizung und Verbrenner sind aktuell so kleinlaut wie kaum jemals zuvor.
Es ist paradox: Ausgerechnet Wladimir Putin und Donald Trump werden zu den Totengräbern jener Industrie, die sie politisch hervorgebracht hat. In Zeiten der tiefstehenden Sonne werfen eben oft auch Zwerge lange Schatten.
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