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Österreichs grüne Energiepolitik
Wenn Wunschdenken und Wirklichkeit aufeinandertreffen.
Der 23. April 2026 war eigentlich ein ganz normaler sonniger Frühlingstag im oberösterreichischen Kronstorf. Ganz normal war dieser Tag allerdings nur mit Blick auf das Wetter, denn ein Ereignis ganz anderer Art machte diesen Tag zu einem ganz besonderen Moment, nicht nur für die kleine Marktgemeinde an der Enns, sondern für ganz Österreich: Es war der Tag des Spatenstichs zum Baubeginn des Google-Rechenzentrums, welches in naher Zukunft geradezu gigantische Strommengen aus dem Stromnetz permanent beziehen wird.
Etwa zwei Jahre zuvor besuchte ich in Wien eine Veranstaltung mit dem Titel »Quo vadis, Donau?«, auf der der Chef aller Donaukraftwerke bekannt gab, dass sein Unternehmen den Strommehrbedarf Österreichs in Zukunft nur noch durch den Zubau von Strom erzeugen wolle, der nur noch dann produziert wird, wenn die Sonne scheint oder der Wind weht. Schon damals war ich fassungslos über diesen mehr als nur abenteuerlichen Plan.
Wohlstand und Fortschritt sind in der Geschichte der Menschheit immer nur dann entstanden, wenn es unseren Vorfahren gelang, Energie dann zu produzieren, wenn wir diese auch brauchten. Je mehr und je billiger Menschen durch ihren unglaublichen Erfindergeist und Tatendrang in der Lage waren, Energie in immer größeren Mengen immer preiswerter zu produzieren, umso mehr revolutionierte sich das Leben der Menschen bis in die heutige Zeit. Die Basis all dieser Handlungen waren stets die Grundgesetze der Physik und Mathematik.
Erst durch die in den 1970er und 1980er Jahren entstandene Umweltbewegung, deren eifriges Mitglied selbst ich jahrzehntelang war, wurde die Politik mit dem Druck dieser Bewegung auf die Idee gebracht, die Basis unseres Fortschritts, die permanente Bereitstellung von billiger Energie zum eigenen Machterhalt in Frage zu stellen und Großvorhaben für eine effiziente Grundlastversorgung im Falle des Kernkraftwerks Zwentendorf 1978, zwar fertig gebaut, gar nicht erst in Betrieb zu nehmen oder aber im Falle des genehmigten Donaukraftwerks Hainburg 1984 aus Furcht vor einer Minderheit ökologiebewegter Menschen gar nicht erst mit dem Bau der Anlage zu beginnen.
Klimakonferenzen und Selbstverpflichtung führte in Österreich nicht nur zur Abschaltung der vorhandenen Kohlekraftwerke, deren Betrieg unrentabel gemacht wurde. Besonders mit Inkrafttreten des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes im Jahre 2021 führten die Dauer-Subventionen zu enormen Kapazitäten an Wind und Photovoltaik. Strom ist also in Zukunft nicht permanent und gesichert bereitgestellt, sondern bezogen auf die Vollbenutzungsstunden von Energie aus Sonne und Wind sehr viel unwahrscheinlicher als bei einem Münzwurf Kopf oder Zahl zu erhalten.
Es ist insbesondere genau diese Politik Österreichs und der EU, die der Grund der gestiegenen Gesamtenergiekosten ist und das Land wie die gesamte EU in eine seit etwa 2017/2018 anhaltende Deindustrialisierung getrieben hat.
Die Jahrhunderttrockenheit dieses Jahres mit infolgedessen katastrophaler Wasserführung und daher derart geringer Stromerzeugung aus Wasserkraft wie seit Jahrzehnten nicht mehr sollte uns alle endlich zum Nachdenken bringen, dass der subventionierte Energietraum mit Sonne und Wind nicht die Antwort auf die Fragen der Zukunft sein kann.
Denn der wahre Strom folgt nicht politischem Wunschdenken, sondern einzig und allein der Physik und dem kürzesten Weg. Für das Google-Rechenzentrum in Kronstorf ist das in der Wirklichkeit das naheliegende Kernkraftwerk Temelin.

Über den Autor
Thomas Eisenhuth (59) betreibt mit Partnern ein eigenes Energiehandelsunternehmen und arbeitet seit mehr als 30 Jahren in der Energiewirtschaft in Deutschland und Österreich.
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